Kriegschronik

der Fernmeldeabteilung der Reichspostdirektion Saarbrücken vom 01. März 1943 bis zum Kriegsende 1945

Abteilungspräsident a.D. Dipl.-Ing. Horst Winkler

Neustadt an der Weinstraße, 1968

Kapitel I

Kapitel II

Kapitel III

Kapitel IV

Kapitel V


I
Umfang und Gliederung der Fernmeldedienste der Reichspostdirektion Saarbrücken am 01. März 1943

Bis zum Kriegsausbruch 1939 umfaßte die Reichspostdirektion (RPD) Saarbrücken nur das Saarland, hatte also etwa den gleichen Umfang wie die heutige Oberpostdirektion Saarbrücken.

Nach dem Waffenstillstand mit Frankreich im Sommer 1940 kam der deutschsprechende Teil von Lothringen, das heutige Département Moselle, mit der Hauptstadt Metz unter deutsche Zivilverwaltung und wurde hinsichtlich des Post- und Fernmeldewesens der RPD Saarbrücken angegliedert.

Als am 01. März 1943 eine größere Anzahl von Reichspostdirektionen zur kriegsbedingten Einsparung von Personal- und Verwaltungsaufwand aufgehoben wurde, fiel auch die RPD Speyer, deren Bereich sich mit dem Regierungsbezirk Pfalz deckte, dieser Kriegsmaßnahme zum Opfer. Ihr Gebiet wurde geschlossen der RPD Saarbrücken angegliedert.

Der Flächenraum der RPD Saarbrücken vergrößerte sich hierdurch auf 13 600 qkm mit einer Zahl von 2,6 Millionen Einwohnern. Saarbrücken erreichte damit nach Flächeninhalt und Einwohnerzahl ungefähr die Größe der damaligen RPD Frankfurt (Main). Zum Leiter der RPD Saarbrücken wurde der bisherige Präsident der RPD Speyer Dipl.-Ing. Agatz bestimmt, der dieses Amt bis zum Kriegsende innehatte.

Für den öffentlichen Fernsprechdienst waren im gesamten Bezirk rund 300 Ortsvermittlungsstellen vorhanden. Der Ortsfernsprechdienst war in den Gebietsteilen Saarland und Pfalz zu etwa 87% vollautomatisiert, in Lothringen überhaupt noch nicht. Dazu kam in der Pfalz eine beträchtliche Anzahl von halbautomatischen Gruppenumschaltern System Steidle, vor allem in den kleinen und kleinsten Ortsfernsprechnetzen, bei denen die Ortsgesprächsverbindungen durch eine Beamtin in einer benachbarten größeren Handvermittlungsstelle halbautomatisch hergestellt wurden. Eine ähnliche halbautomatische Vermittlungstechnik war auch in einer Anzahl kleiner Ortsvermittlungsstellen im südlichen Teil von Lothringen in Gebrauch. Es handelte sich dabei um ein von der französischen Firma Thomson- Houston gebautes System für kleine ländliche Vermittlungsstellen (centraux ruraux).

Der Fernsprechselbstwählferndienst von Ort zu Ort war nur in der Pfalz in nennenswertem Umfang und zwar in den 3 Netzgruppen Ludwigshafen, Neustadt und Landau unter Einsatz der seit 1930 bestehenden bayrischen Netzgruppentechnik eingeführt. Etwa 40% des gesamten Fernverkehrs wickelte sich auf diese Weise vollautomatisch ab. Im Saarland betrug der Anteil eines im Großraum von Saarbrücken betriebenen Selbstwählferndienstnetzes nur 10 % des Gesamtverkehrs. In Lothringen mußten noch sämtliche Ferngespräche von Hand vermittelt werden.

Infolge dieser Struktur waren im RPD-Bezirk Saarbrücken noch eine erhebliche Anzahl handbedienter Ortsvermittlungsstellen sowie zahlreiche mittlere, kleine und kleinste mit Vermittlungspersonal besetzte Fernämter vorhanden. Die größten von ihnen waren die Fernämter in Saarbrücken, Kaiserslautern und Metz mit je etwa 50 Fernplätzen, die auch die Rolle von wichtigen Knotenpunkten im Fernleitungsnetz für den Durchgangsverkehr im Sinne der heutigen Hauptvermittlungsstellen des Selbstwählferndienstes spielten.

Das Leitungsnetz für den Fernsprechnahverkehr, das heute ausschließlich unterirdisch geführt ist, bestand vor allem in der Pfalz, aber auch im Saarland schon bei Kriegsbeginn zu einem erheblichen Teil aus Bezirkskabeln. Es stützte sich aber in vielen Verkehrsbeziehungen auch noch auf teilweise sehr umfangreiche oberirdische Fernlinien längs der Straßen und Eisenbahnen. In Lothringen waren mit geringen Ausnahmen alle Leitungen des Fernsprechnahverkehrs oberirdisch geführt.

Für den Fernsprechweitverkehr stand nur ein Niederfrequenz-Fernkabelnetz zur Verfügung, das in Abständen von 70 Km mit Verstärkerstellen ausgerüstet war. Derartige NF-Verstärkerstellen waren in Metz, Saarburg, Saarbrücken und Kaiserslautern vorhanden. Bei den besonders wichtigen Verstärkerstellen Metz und Saarbrücken, die im Stadtinnern lagen, waren die sternförmig hereinlaufenden Fernkabel durch Ringkabel außerhalb der Stadt miteinander verbunden, um bei Zerstörungen im Stadtkern Umgehungsschaltungen vornehmen zu können. Die ebenfalls für den Fernsprechweitverkehr wichtige Verstärkerstelle Kaiserslautern war außerhalb der Stadt in einem unterirdischen Bauwerk geschützt untergebracht.

Trägerfrequenzleitungen gab es – abgesehen von einer unerheblichen Zahl von Zweibandleitungen – sowohl im Fernkabelnetz wie auch im Bezirkskabelnetz noch nicht. Im weiteren Verlauf des Krieges wurden jedoch zwischen Diedenhofen, Saarbrücken und Kaiserslautern sogenannte Drehkreuz-Linien mit zwei oberirdischen Doppelleitungen an Holzmasten errichtet, auf denen mit 2 Fünfzehnfach- Trägerfrequenz-Systemen, 30 Fernsprechleitungen durchgebracht wurden. Diese Linien waren zwar sehr häufig nach Luftangriffen unterbrochen, konnten aber in kürzester Zeit wieder instand gesetzt werden.

Richtfunklinien, die heute in erheblichem Umfang für den Fernsprechfernverkehr eingesetzt wer- den, gab es während des Krieges im Bereich der Deutschen Reichspost noch nicht.

Während des Krieges mußten von der RPD Saarbrücken der Wehrmacht in sehr großer Zahl Fernsprech- und Fernschreibleitungen aus dem Postnetz zur Verfügung gestellt werden. Besonders groß war dabei der Leitungsbedarf der Luftwaffe. Dazu kamen noch die Leitungen des Flugmeldedienstes zur Verbindung der Flugwachen mit den Flugwachkommandos (Flukos) für die Beobachtung des Luftraumes und der Flukos untereinander, sowie das weit verzweigte Luftschutzwarnnetz mit seinen Warnzentralen, Warnstellen und Sirenen. Die Zahl der Leitungen für die Wehrmachtsteile und die Sondernetze überstieg den Bedarf an Fernleitungen für den eigentlichen öffentlichen Fernsprech- und Telegraphendienst wesentlich. Außerdem waren die militärischen Netze ständig Änderungen unterworfen und mußten selbstverständlich mit Vorrang in kürzester Zeit bei Störungen in Ordnung gebracht werden.

Im öffentlichen Telegraphendienst wurden, wie heute noch, die Telegramme bei den mittleren und größeren Postanstalten mit Fernschreibmaschinen (Springschreibern) telegraphisch befördert. Die kleinen Postanstalten verwendeten für die Telegrammübermittlung bis zum nächsten Postamt mit Springschreiber-Telegraphenstelle den Fernsprecher. Das heutige Wählnetz für den öffentlichen Telegraphendienst bestand noch nicht, sondern die Telegramme mußten in den Knotenpunkten, zu denen im RPD-Bezirk die Telegraphenstellen Metz, Saarbrücken und Kaiserslautern gehörten, bis zum Bestimmungsort mehrfach umtelegraphiert werden. Abgesehen vom Nahbereich wurden die Springschreiberleitungen unter Einsatz von Sechsfach-, Zwölffach- oder Achtzehnfach- Wechselstromtelegraphie- Systemen in Mehrfachausnutzung auf Kabelleitungen des Fernsprechnetzes durchgebracht. Auch hier wurde eine große Zahl von Fernschreibkanälen für militärische Zwecke benötigt.

Für die Ausstrahlung des Ton-Rundfunks wurden von der Deutschen Reichspost in Heusweiler nördlich Saarbrücken und an der Autobahn bei Kaiserslautern je ein Mittelwellen-Sender betrieben, auf die von den Studios der privaten Rundfunkgesellschaften aus über posteigene Tonrundfunkleitungen das Programm übertragen wurde. Außerdem war ein hochfrequentes Drahtfunknetz in Betrieb, das unter Verwendung von Drahtfunksendern und Drahtfunkverstärkern über das Bezirkskabel- und Anschlußkabelnetz in die Wohnungen der Fernsprechteilnehmer fast aller Ortsnetze des RPD-Bezirks auf drei im Langwellenbereich liegenden Drahtfunkfrequenzen drei Rundfunkprogramme lieferte. Als von Mitte 1942 an die Luftangriffe auf Deutschland rapid zunahmen, wurden die Anschlußkabel unsymmetrisch mit den einpolig geerdeten Drahtfunkfrequenzen beschickt, so daß jeder Besitzer eines Rundfunkgerätes, in dessen Nähe eine Fernsprechanschlußleitung verlief, den Drahtfunk aufnehmen konnte. Bei Luftgefahr wurde auf das Drahtfunknetz anstelle der Programme ein Tickerzeichen gelegt, das von Zeit zu Zeit durch aufgesprochene Luftlagemeldungen und Warnsprüche bis zur Entwarnung unterbrochen wurde, so daß alle Rundfunkteilnehmer – praktisch also jeder Haushalt – laufend und ergänzend zu den Sirenensignalen über den jeweiligen Gefahrenzustand unterrichtet wurde.

Das Bedienungspersonal der Fernsprechvermittlungsplätze im Orts- und Ferndienst war den Postämtern unterstellt, in deren Gebäude meist auch die fernsprechtechnischen Einrichtungen untergebracht waren. Ebenso war der Telegraphendienst an den Springschreiberplätzen und Telegrammaufnahmeplätzen in den Telegraphenstellen Sache der Postämter.

Die Errichtung und technische Unterhaltung der Fernsprech- und Telegrapheneinrichtungen war zwei Telegraphenbauämtern (TBÄ) übertragen. Diese waren auch zuständig für Bau, Unterhaltung und Entstörung der Teilnehmer-Sprechstellen, der Ober- und unterirdischen Linien der Ortsnetze, des Bezirkskabel- und des Fernkabelnetzes einschließlich der Verstärkerstellen, sowie für den Betrieb der beiden Rundfunksender und des Drahtfunknetzes. Dem TBA Saarbrücken (Amtsvorsteher Oberpostrat Dipl.-Ing. Schaper) waren in diesem Sinne die Gebietsteile Saarland und Lothringen zugeteilt. Seine Innendienststellen waren in einem posteigenen Gebäude in der Königin-Luisenstraße untergebracht. Für die ebenfalls diesem Amt angegliederten Fernmeldezeuglager und Werkstätten waren die Gebäude einer früheren Malzfabrik am Neugrabenweg angemietet. Ausbildungsstätte und Lehrlingsheim befanden sich in Mieträumen an der Dudweiler Landstraße am Nordausgang der Stadt Saarbrücken. Für den pfälzischen Teil des RPD-Bezirks war das TBA Neustadt (Amtsvorsteher Oberpostrat Dipl.-Ing. Bach) zuständig. Es hatte seinen Sitz in einem Dienstgebäude in der Nähe des Hauptbahnhofs Neustadt. Fernmeldezeuglager und Werkstätten befanden sich in einem Flügel des Dienstgebäudes der früheren RPD Speyer. Zur Lagerung von Kabeln und anderem schweren Fernmeldezeug waren außerdem größere Lager in Ludwigshafen und Neustadt vorhanden. Für die Unterbringung und Ausbildung der Lehrlinge war ein privates Gebäude in Neustadt angemietet. Zur Erfüllung ihrer Aufgaben unterhielten diese beiden TBÄ in den größeren Orten ihres Bereichs Außenstellen und zwar Telegraphenbaubezirke für Bau und Unterhaltung der Orts- und Fernlinien und der Sprechstellen sowie Ämterpflege- und Entstörungsbezirke für die technische Betreuung der Amtseinrichtungen und die Entstörung der Sprechstellen.

Eine Ausnahme von dieser Regelung machten die 3 großen Ortsfernsprechnetze Saarbrücken, Metz und Kaiserslautern. Hier waren selbständige Fernsprechämter (FÄ) eingerichtet, die im Bereich ihres Ortsnetzes für die Bedienung der Fernsprechvermittlungsplätze und der Arbeitsplätze des Telegraphendienstes sowie für Bau und technische Unterhaltung der fernmeldetechnischen Einrichtungen und die Entstörung der Sprechstellen zuständig waren. Für Bau und Unterhaltung der Sprechstellen und des oberirdischen und unterirdischen Leitungsnetzes dagegen waren auch in diesen Ortsnetzen die obengenannten beiden TBÄ Saarbrücken bzw. Neustadt verantwortlich.

Das Dienstgebäude des FA Saarbrücken, der die Leitung des Fernmeldewesens oblag, verfügte auch nach der Übernahme von Lothringen und des RPD-Bezirks Speyer in Auswirkung der kriegsbedingten Personalknappheit nur über 4 Fachreferate. Das Referat II A bearbeitete die Betriebsangelegenheiten des F- und T-Dienstes. Dem Referat II B waren die Linientechnik und das Beschaffungswesen unterstellt. Das Referat II D war zuständig für die Vermittlungs- und Funktechnik. In dem kombinierten Referat II C/II M waren die Übertragungstechnik, die Telegraphentechnik, das Schaltbüro für Fernleitungen sowie die Dienststellen des Telegraphenbevollmächtigten vereinigt, dem neben der Zusammenarbeit mit den Wehrmachtsteilen die Sicherung der Fernmeldeanlagen und der Fernmeldedienste gegen Katastrophen- und Kriegseinwirkungen oblag. Der Referent II C/II M und Telegraphenbevollmächtigte war gleichzeitig der Leiter der Fernmeldeabteilung.

Im späteren Verlauf des Krieges, als die durch Kampfhandlungen verursachten Schäden an den Fernmeldeeinrichtungen immer zahlreicher auftraten, wurde auf Anordnung des Reichspostministeriums bei den Fernmeldeabteilungen aller RPDn ein Einsatzstab F eingerichtet, der die unverzügliche Schadensbeseitigung, Ersatz- und Ausweichmaßnahmen, Umstellung des Betriebes usw. zu steuern hatte und für die schnellste Wiederaufnahme des Fernmeldedienstes nach Unterbrechungen verantwortlich war.

Bei der RPD Saarbrücken setzte sich dieser Einsatzstab unter Leitung des Referenten II C/II M (zugleich Telegraphenbevollmächtigter und Fernmeldeabteilungsleiter) aus den Sachbearbeitern des Referats II C/II M zusammen, zu dem noch der Sachbearbeiter II D 1 zugezogen wurde, der in seinem Referat die Einrichtung und den technischen Betrieb der Ausweich- und Notvermittlungseinrichtungen bearbeitete.

Bei allen größeren handbedienten Fernsprechvermittlungsstellen für den Orts- und Ferndienst war im luftschutzmäßig verstärkten Kellergeschoß eine Ausweichvermittlung vorbereitet, in die sich das Personal bei Fliegeralarm zurückzog, um von hier aus einen eingeschränkten Vermittlungsdienst durchzuführen. Darüber hinaus waren in etwa 30 größeren Orten des RPD- Bezirks Notvermittlungen eingerichtet und – von den Regelvermittlungen abgesetzt – besonders gesichert in Tiefkellern, Luftschutzbunkern oder unterirdischen Stollen untergebracht. Sie standen als Ersatz bei Zerstörung der

Regelvermittlung bereit und konnten innerhalb kurzer Zeit in betrieb genommen werden.

Die Dienststellen der RPD Saarbrücken waren, weil ein genügend großes RPD-Gebäude fehlte, auf 3 verschiedene Gebäude der Innenstadt verteilt. Präsident, Kanzlei, Fernsprechdienstvermittlung, Personalabteilung, die Referate für den Postfachdienst und das Referat II C/II M hatten ihre Unterkunft in dem eigentlichen RPD-Gebäude in der Trierer Straße, wo sich auch das Hauptpostamt (PA2) der Stadt befand. Für die übrigen Referate der Fernmeldeabteilung war ein Privathaus Ecke Königin-Luisenstraße/Richard Wagner-Straße angemietet und im ehemaligen Hotel Terminus am Hauptbahnhof waren einige Stockwerke für das Kassen- und Rechnungswesen belegt.

II
Kurzer Überblick über die Kriegsereignisse im Bereich der Reichspostdirektion Saarbrücken vom Beginn des Krieges 1939 bis zum 01. April 1943

Das Saarland grenzte 1939, wie auch heute wieder, im Westen und Süden unmittelbar an Frankreich. Ebenso deckte sich die Südgrenze der damals selbständigen RPD Speyer mit der Reichsgrenze gegen Frankreich. In den bereits vor dem Krieg aufgestellten Mobilmachungsbestimmungen war daher vorgesehen, daß bei kriegerischen Verwicklungen mit dem Nachbarland sofort ein breiter 10 – 15 Km breiter Streifen entlang der Reichsgrenze, die sogenannte rote Zone, von der Bevölkerung geräumt wurde. Im Saarland umfaßte diese Räumungszone alle Orte vor dem Westwall, das Saartal und das untere Bliestal etwa bis zur Linie Ensheim – Blieskastel. In der Südpfalz verlief die Rückseite der roten Zone längs der Linie Zweibrücken – Pirmasens – Dahn – Bergzabern, diese Orte eingeschlossen.

Am 03. September 1939, dem Tag der Kriegserklärung Frankreichs an Deutschland, setzte planmäßig die Evakuierung der Zivilbevölkerung in dieser Zone ein, nachdem schon am 28. August mit der Räumung des besonders tief nach Frankreich hineinragenden Warndtgebietes links der Saar vor Völklingen begonnen worden war. Die zurückgeführte Bevölkerung wurde hauptsächlich in Hessen und Thüringen aufgenommen (RPD-Bezirke Frankfurt (Main), Kassel und Erfurt). Im geräumten Gebiet der roten Zone wurden die Versorgungsbetriebe (Strom, Gas, Wasser) und die Sicherungsdienste (Polizei, Gendarmerie, Feuerwehr) weiterhin aufrechterhalten. Ebenso wurden die kriegswichtigen Industrien, Gruben und Hüttenwerke weiter betrieben. Die Arbeiten für den weiteren Ausbau des Westwalls, vor allem im Bereich von Saarbrücken und zwischen der Saar und der Reichsgrenze, wurden verstärkt weitergeführt. Die Deutsche Reichspost hatte die Aufgabe, mit ihren Omnibussen die in der roten Zone eingesetzten Arbeitskräfte aus dem rückwärtigen Teil hin und zurück zu befördern sowie in der geräumten Zone die Postversorgung und vor allem die Fernmeldedienste auch für die Wehrmacht sicherzustellen.

Bis auf das Referat II C/II M und das Kraftfahrreferat wich die RPD Saarbrücken mit ihren Dienststellen nach Frankfurt (Main) aus, wohin auch das Postscheckamt Saarbrücken seinen Betrieb verlagerte. Die Verwaltungsstellen des Hauptpostamtes (PA 2) Saarbrücken wurden nach Kusel verlegt, ebenso die des FA Saarbrücken. Die Postversorgung der roten Zone im Saarland wurde vom PA Neunkirchen aus geleitet. Das TBA Saarbrücken richtete seine Amtsleitung und Verwaltung im soeben fertiggestellten aber noch nicht bezogenen Postamtneubau Ottweiler ein, die Lager und Werkstätten wurden in Rammelsbach bei Kusel untergebracht. Das Kraftfahrreferat und das Referat II C/II M des Telegraphenbevollmächtigten gingen nicht mit der RPD Saarbrücken nach Frankfurt (Main) sondern steuerten von St. Wendel aus, wo auch der Stab des für die Verteidigung in diesem Frontabschnitt zuständigen Armeekorps seinen Sitz hatte, den Kraftfahr- und Fernmeldedienst in der saarländischen roten Zone. Wider Erwarten griff der Gegner nach seiner Kriegserklärung nicht an, vermutlich auch im Hinblick auf die Existenz des Westwalls, obwohl dieser in Wirklichkeit bei weitem noch nicht armiert und voll einsatzfähig war. Die Feindseligkeiten beschränkten sich von beiden Seiten aus auf Vorpostenplänkeleien längs der Grenze und auf gelegentlichen Artilleriebeschuß der Zufahrtsstraßen um Saarbrücken. Nennenswerte Kriegsschäden traten dabei nicht auf. Die Fernmeldeanlagen der DRP wurden kaum betroffen. Allmählich wurden die Hochöfen der Hüttenwerke wieder angeblasen und die Kohlebeförderung gesteigert. Der Westwall, für dessen fernmeldetechnische Anschließung die DRP zuständig war, wurde weiter ausgebaut.

Am 10. Mai 1940 begann die deutsche Offensive gegen Frankreich, die mit dem Waffenstillstand am 22. Juni 1940 erfolgreich beendet wurde. Unmittelbar daran anschließend kehrten die Dienststellen der DRP wieder in ihre Standorte in der roten Zone zurück. Ihnen folgte die evakuierte Bevölkerung und schon Anfang August 1940 war der normale Zustand wieder hergestellt.

Unverzüglich wurde mit der Übernahme und dem Wiederaufbau des zivilen Fernmeldedienstes in dem unter deutsche Verwaltung gestellten Lothringen begonnen. Mit Hilfe der fast ausnahmslos übernommen lothringischen Kräfte wurden die während des Vormarsches entstandenen Kriegsschäden beseitigt. Nach deutschem Muster wurden die technischen Amtseinrichtungen, die Fernsprechstellen und das Fernmeldenetz dem TBA Saarbrücken unterstellt. Die Bedienung der Vermittlungsplätze und Telegraphenstellen wurden den Postämtern übertragen. Für die Stadt Metz wurde, wie schon er- wähnt, ein Fernsprechamt eingerichtet.

In den ersten zwei Jahren wurde das Gebiet der RPD Saarbrücken (Lothringen, Saarland und später Pfalz) von Kriegshandlungen kaum berührt, da die Fronten weit entfernt in Rußland und an der Atlantikküste verliefen.

Erst als nach dem Eintritt Amerikas in den Krieg im April 1942 die große alliierte Luftoffensive gegen das deutsche Heimatgebiet begonnen hatte, wurde auch der Bereich der RPD Saarbrücken nicht mehr von Kriegsschäden verschont.

Zunächst werden die Großangriffe von der englischen Royal Air Force allein geflogen, die nur nachts stattfinden. In der Nacht vom 29. auf 30 Juli 1942 erlebt die Stadt Saarbrücken, die bis dahin noch keinen nennenswerten Flakschutz besitzt, den ersten Großangriff. Es werden rd. 500 Sprengbomben mit 17 000 Phosphor- und Stabbrandbomben abgeworfen. 170 Einwohner werden getötet, 700 verletzt.

6000 Gebäude werden zerstört oder mehr oder weniger stark beschädigt.

Im pfälzischen Teil des RPD-Bezirks Saarbrücken wird in erster Linie die Industriegroßstadt Ludwigshafen durch die alliierte Luftwaffenoffensive betroffen. Bis Ende 1942 richten sich etwa 50 Luftangriffe gegen das Stadtgebiet, bei denen rd. 200 Gebäude vernichtet bzw. beschädigt werden. Verglichen mit den Erfahrungen der letzten Kriegsjahre müssen alle diese Angriffe als leicht bezeichnet werden. Dementsprechend treten auch nur vereinzelt kleinere Beschädigungen an den Fernmeldeanlagen auf.

In Lothringen geht der Wiederaufbau des Fernmeldedienstes, kaum durch vereinzelte leichte

Luftangriffe beeinträchtigt, ungestört bis in die ersten Monate des Jahres 1944 weiter.

III
Kriegsereignisse vom 01. März 1943 an bis zur Besetzung des Gebietes der Reichspostdirektion Saarbrücken durch die alliierten Streitkräfte im März 1945

Am 01. März 1943 wird die Reichspostdirektion Speyer aufgelöst und ihr Bezirk der Reichspostdirektion Saarbrücken unterstellt. Von diesem Zeitpunkt an bis zum Kriegsende liegen noch ziemlich lückenlose amtliche Aufzeichnungen der Fernmeldeabteilung und des Einsatzstabes F über den Ablauf der Kriegsereignisse und über die eingetretenen Kriegsschäden vor, die durch private Notizen unmittelbar beteiligter Postangehöriger ergänzt werden. Der wesentliche Inhalt dieser Unterlagen ist nachstehend in zeitlicher Reihenfolge zusammengestellt. Besonders ausführlich werden dabei die Vorgänge während des letzten halben Kriegsjahres in der Großstadt Saarbrücken und im Saartal geschildert. Das geschieht nicht nur deswegen, weil gerade aus diesem Gebiet zahlreiche ins einzelne gehende Notizen erhalten geblieben sind. Der Raum von Saarbrücken liegt 5 Monate lang fast bis zum Kriegsende unmittelbar an der Front. Auch nach der erneuten zivilen Evakuierung im Herbst 1944 muß der Fernmeldedienst für die Sicherungs- und Versorgungsstellen und für die kämpfende Truppe im wichtigen Knotenpunkt Saarbrücken noch monatelang von der DRP dicht an der Front aufrecht erhalten werden ohne Rücksicht auf die durch Kampfhandlungen in der Luft und auf der Erde immer massiver werdenden Kriegseinwirkungen, die auch an die zum größten Teil weiblichen Kräfte des Fernsprechvermittlungs- und des Telegraphendienstes stellen und ständig persönlichen Mut und Einsatzbereitschaft verlangen.

10. August 1943

Nächtlicher Luftangriff auf Ludwigshafen. Das Teillager des TBA Neustadt in Ludwigshafen wird völlig zerstört. In den Ortsfernsprechnetzen Ludwigshafen, Neuhofen, Mutterstadt, Dannstadt und Assenheim zahlreiche Beschädigungen des oberirdischen und unterirdischen Leitungsnetzes.

06. September 1943

Schwerer nächtlicher Luftangriff mit mehreren 100 Bombenflugzeugen auf Ludwigshafen. In der Innenstadt werden Dachstuhl und Dachgeschoß des Fernmeldegebäudes durch Feuer vernichtet. Orts- und Fernwählvermittlungsstelle Ludwigshafen-Mitte sowie das handbediente Fernamt werden durch Staub- und Luftdruckeinwirkungen zeitweilig außer Betrieb gesetzt. Zur Überbrückung werden vorübergehend das Notfernamt sowie die vorbereiteten Behelfsfernämter Frankenthal und Speyer eingeschaltet und besetzt.

24. September 1943

Luftangriff auf Frankenthal. Das Postamtsgebäude gerät in Brand und wird bis zur Decke über dem Wählersaal im 1. Obergeschoß zerstört. Die W-Ortsvermittlung für 1000 Anrufeinheiten bleibt betriebsfähig. Die Stromversorgung wird, da das Starkstromnetz ausgefallen ist, durch eine fahrbare Netzersatzanlage sichergestellt. Die benachbarte Ortsfernsprechvermittlungsstelle Bobenheim (100 AE) wird durch Beschädigung des Bezirkskabels Frankenthal – Bobenheim vorübergehend vom Fernverkehr abgeschnitten.

20. Dezember 1943

Abends Luftangriff auf Ludwigshafen-Süd und Altrip. Das OVSt-Gebäude Altrip wird leicht beschädigt und damit das Ortsfernsprechnetz 3 Tage lang völlig stillgelegt.

30. Dezember 1943

Mittags Luftangriff auf Ludwigshafen-Oppau, wodurch Unterbrechungen im Ortsnetz auftreten.

07. Januar 1944

Mittags Luftangriff auf Ludwigshafen. Zahlreiche Schäden in den Anschlußbereichen Mitte, Oppau und Oggersheim am unterirdischen Ortsnetz.

29. Januar 1944

In den Mittagsstunden Luftangriff auf Ludwigshafen. 2 Bezirkskabel und ein Verbindungskabel nach Oggersheim – Frankenthal werden vielfach unterbrochen.

11. Februar 1944

Gegen 16 Uhr Luftangriff auf Ludwigshafen, wobei zwei Ortsverbindungskabel Ludwigshafen – Oppau unterbrochen werden.

02. März 1944

Mittags Luftangriff auf Ludwigshafen, vor allem auf die Stadtteile Mundenheim und Friesenheim mit zahlreichen Störungen im Anschlußkabelnetz.

20. März 1944

Luftangriff auf Mannheim und Ludwigshafen. Sämtliche Fernsprechverbindungskabel zwischen den beiden Städten werden unterbrochen.

20. April 1944

Der Amtsvorsteher des FA Metz, Postrat Dipl.-Ing. Hüttner, wird für dei Übernahme des Referats II B zur RPD Saarbrücken abgeordnet. Das FA Metz wird durch den ständigen Vertreter weitergeführt.

24./25. April 1944

Nächtlicher Luftangriff auf Ludwigshafen-Oggersheim. Oberirdische Fernlinie Oggersheim – Ruchheim unterbrochen.

25. April 1944

Schwerer Tages-Luftangriff auf Flugplatz Metz-Freskaty. Oberirdische Fernlinie unterbrochen.

Wegen der zunehmenden Luftgefährdung wird damit begonnen, die in städtischen Lagern konzentrierten Vorräte an Fernmeldegeräten und Fernmeldebauzeug, Reserve- Kraftfahrzeugen, Ersatzteilen usw. in Lagerorten auf dem flachen Land innerhalb des RPD- Bezirks verteilt unterzubringen. Hierfür werden auch Bunker und unterirdische Räume des nicht besetzten Westwalls sowie das Zwischenwerk Welchenberg der französischen Maginot-Linie bei Diedenhofen zur Verfügung gestellt.

01. Mai 1944

Gegen 18 Uhr Luftangriff auf Verschiebebahnhof Matz-Sablon. Dabei wird das fernmeldemäßig von der DRP betreute Flugwachkommando Metz für den Lothringer Raum in den Obergeschossen völlig zerstört. Die Betriebsräume im Kellergeschoß werden durch Löschwasser unbrauchbar. Die oberirdische Fernlinie Metz – Neuburg – Reichsgrenze wird mehrfach unterbrochen. Zur gleichen zeit erfolgt auch ein Luftangriff auf den Verschiebebahnhof Saargemünd.

02. Mai 1944

Gegen 4 Uhr morgens werden bis zur Instandsetzung des Regelflugwachkommandos Metz etwa 100 Fernleitungen auf das Ausweichflugwachkommando Metz umgeschaltet und in Betrieb genommen.

09. Mai 1944

Gegen 10 Uhr erfolgt ein Luftangriff auf Diedenhofen. Die oberirdischen Fern- und Anschlußlinien werden auf längeren Strecken unterbrochen. Die Fernsprechvermittlung des Flugplatzes Diedenhofen – Niederjeutz wird zerstört, so daß die Ausweichvermittlung in betrieb genommen werden muß. Beim Postpersonal sind keine Verluste zu beklagen.

11. Mai 1944

Gegen 18 Uhr werden bei einem Luftangriff auf Saarbrücken zwei Bombenteppiche abgeworfen, wodurch 1800 Fernsprechanschlüsse unterbrochen werden.
Am gleichen Tag werden durch Luftangriffe in Völklingen 2300 Anschlüsse unterbrochen und in Diedenhofen ein Kilometer oberirdische Fernlinie völlig zerstört.

23. Mai 1944

Im Laufe des Vormittags erfolgt ein Luftangriff auf die Bahnanlagen von Homburg, wodurch das Fernkabel Saarbrücken – Kaiserslautern an zwei Stellen und die oberirdische Fernlinie vielfach unterbrochen wird. In Saarbrücken richtet sich ein Luftangriff gegen die Burbacher Hütte, bei dem das Bezirkskabel Saarbrücken – Saarlouis und das Fernkabel Saarbrücken – Metz getroffen wird.
Zur gleichen zeit wird auch Metz angegriffen, wobei der Fernkabel-Umgehungsring und zwei Festungskabel unterbrochen werden.

25. Mai 1944

Gegen 9 Uhr wird wiederum durch einen schweren Luftangriff der Verschiebebahnhof Metz-Sablon betroffen. 800 m einer oberirdischen Fernlinie mit 30 Doppelleitungen werden völlig zerstört. Das Flugwachkommando Metz wird zum zweiten Mal durch Sprengbomben getroffen und restlos vernichtet, wobei beim Fluko-Personal 15 Todesopfer zu beklagen sind. Beim Postpersonal keine Verluste. Der Notbetrieb wird sogleich im Ausweich-Flugwachkommando aufgenommen.
Gleichzeitig finden Luftangriffe auf Diedenhofen und Saargemünd statt, die umfangreiche Zerstörungen im Anschlußkabel- und oberirdischen Fernleitungsnetz zur Folge haben

27. Mai 1944

Um 13 Uhr richtet sich ein Luftangriff vor allem auf das Gelände des Haupt- und Güterbahnhofs Saarbrücken. Das RPD-Gebäude an der Trierer Straße erleidet durch einen Sprengbomben-Volltreffer erhebliche Schäden im Innern. Auch das Lehrlingsheim des TBA in der Dudweiler Landstraße erhält einen Treffer.
Gleichzeitig finden Luftangriffe auf die Großräume Saarbrücken, Neunkirchen, Metz und Ludwigshafen statt. In Saarbrücken werden das Fernkabel nach Bingerbrück, der Fernkabel- Umgehungsring und zahlreiche Anschlußkabel unterbrochen. Die oberirdischen Fernlinien St. Ingbert – Homburg und Metz – Diedenhofen, die Bezirkskabel Ludwigshafen – Neustadt, Ludwigshafen – Speyer und das Verbindungskabel Neunkirchen – Landsweiler-Reden fallen aus.

06. Juni 1944

Die Invasion beginnt mit der Landung des Gegners in der Seine-Bucht (Normanis).

28. Juni 1944

Um 8,30 Uhrschwerer Luftangriff auf Bahnanlagen und Innenstadt Saarbrücken. Das Gebäude der RPD und des Postamtes 2 in der Trierer Straße erhält 9 Sprengbomben-Volltreffer, weitere 6 Sprengbomben fallen in den Posthof. Es entstehen schwere Gebäudeschäden. Der Dienstbetrieb der RPD und des PA geht weiter. Keine Personenverluste. Zur gleichen Zeit wird durch einen Volltreffer auf das Gebäude des Fernsprechamtes in der Dudweiler Straße die wichtige Verstärkerstelle und die Telegraphenübertragungsstelle im ersten Obergeschoß zerstört. Rundfunk und Drahtfunkverstärkerstelle bleiben betriebsfähig. Die Stromversorgung ist nach Ausfall des Starkstromnetzes durch die Netzersatzanlage im Kellergeschoß sichergestellt. Eines der beiden Fernkabel Saarbrücken – Metz und das Bezirkskabel Saarbrücken – Neunkirchen sind voll gestört. 200 Fernsprech- und 100 Telegraphen- Weitverkehrsstromkreise sind ausgefallen.
An der Peripherie der Stadt werden 2 Verstärkerwagen und 2 Wechselstromtelegraphie-Wagen eingesetzt. Mit dem Aufbau je einer Not-Verstärker- und Telegraphenübertragungsstelle im Kellergeschoß des FA und im Ratskeller des benachbarten Rathauses wird sogleich begonnen.

 

 

13. Juli 1944

Tagesangriff auf Saarbrücken. Die Fernkabel Saarbrücken – Trier, Saarbrücken – Frankfurt, die Bezirkskabel Saarbrücken – Heusweiler, Saarbrücken – Kleinblittersdorf, die Drehkreuzlinien Saarbrücken – Kaiserslautern und Saarbrücken – Diedenhofen werden mehrfach unterbrochen. Zahlreiche oberirdische Fernleitungen in der Umgebung von Saarbrücken sind gestört.

19. Juli 1944

Luftangriffe auf Saarbrücken und Neunkirchen, wobei der Fernkabel-Umgehungsring Saarbrücken und zahlreiche oberirdische Linien unterbrochen werden.
Sprengbomben-Volltreffer auf die Notvermittlung Saarbrücken in einem Felsenstollen an der Brauerstraße. Der Notvermittlungsraum wird als Luftschutzraum für die Kräfte des Fernsprechamtes benutzt. 15 bis 20 Personen werden durch herunterbrechende Fels- und Sandmassen verschüttet. 5 Vermittlungsbeamtinnen können nicht mehr rechtzeitig freigegraben werden und ersticken.

25. Juli 1944

Der Vormarsch der Invasionstruppen geht weiter. Paris wird kampflos vom Gegner besetzt, wobei der zur 3. amerikanischen Armee (General Patton) gehörenden 2. französischen Panzerdivision der Vortritt gelassen wird.

31. Juli 1944

Mittags schwerer Luftangriff auf Ludwigshafen. 4000 Sprengbomben und 5000 Brandbomben werden auf die Innenstadt und den Stadtteil Friesenheim abgeworfen. Das Hauptpostamt am Bahnhof wird in den oberen Stockwerken zerstört. Die Wählvermittlungsstelle Ludwigshafen- Mitte für 3800 Fernsprechteilnehmer und die Selbstwählfernvermittlung für die Netzgruppe Ludwigshafen mit 18 Ortsnetzen werden ebenso wie der Hauptverteiler für 10 000 Anschlußleitungen völlig vernichtet.
Das handbediente Fernamt mit 28 Plätzen, Telegraphenstelle, Stromversorgung und Kabeleinführungsraum werden nur unwesentlich beschädigt und bleiben betriebsfähig. Die Bezirkskabel nach Mannheim und Frankenthal sind unterbrochen. Das Anschlußkabelnetz hat schwere Schäden erlitten. 2700 Hauptanschlüsse und 1000 Nebenanschlüsse sind ausgefallen.
Das im benachbarten Hochbunker bereitstehende Notfernamt und das Not-Ortshandamt werden sogleich mit 40 Fernleitungen und 420 lebenswichtigen Teilnehmeranschlüssen in Betrieb genommen. Die 4 bisher auf Ludwigshafen gestützten automatischen Teil- Vermittlungsstellen Friesenheim, Mundenheim, Oggersheim und Oppau des Ortsnetzes Ludwigshafen werden als selbständige Voll- Vermittlungsstellen weiter betrieben. In Frankenthal, Speyer und Mutterstadt werden vorbereitete selbständige Notfernämter mit Handbedienung in betrieb genommen.

03. August 1944

Mittags Luftangriff auf Saarbrücken. Ein Fernkabel Saarbrücken – Metz und die Bezirkskabel Saarbrücken – Saarlouis und Saarbrücken – Heusweiler werden unterbrochen.

09. August 1944

Schwerer Luftangriff auf Saarbrücken. Das Dienstgebäude des TBA in der Königin Luisen- Straße wird zum Teil zerstört. Verschiedene Fernkabel und Bezirkskabel sind unterbrochen. Schwere Schäden im unterirdischen Ortsnetz.
Am selben Tag Bombenabwurf auf Pirmasens. Leichtere Schäden an den Bezirkskabeln und erhebliche im Anschlußkabelnetz. Die oberirdischen Fernlinien Pirmasens – Kaiserslautern und Pirmasens – Landau werden im Bereich von Pirmasens zerstört.

11. August 1944

Luftangriff auf Saarbrücken. Das Fernkabel Saarbrücken – Trier und das Bezirkskabel Saarbrücken- Heusweiler werden unterbrochen. Der seit 28.6. am Waldhaus Saarbrücken als Ersatz für die zerstörte Telegraphenübertragungsstelle Saarbrücken eingesetzte Wechselstromtelegraphie-Wagen wird stark beschädigt.

14. August 1944

Schwerer Luftangriff auf Kaiserslautern. Das Gebäude des Fernsprechamtes wird durch 12 Sprengbomben schwer getroffen und brennt im Dachgeschoß aus. Wählersaal und Relaisraum werden teilweise zerstört. Der Kabeleinführungsschacht des Amtes wird durch eine Sprengbombe zerstört. Sämtliche Einrichtungen der Wählerortsvermittlungsstelle für 2000 Teilnehmer werden durch Löschwasser und Trümmerschutt unbrauchbar. Das Notfernamt in der unterirdischen Verstärkerstelle Lothringer Dell wird in Betrieb genommen. Keine Personenverluste.

18. August 1944

Nachmittags Luftangriff auf Metz, vor allem Verschiebebahnhof Sablon und Flugplatz Freskaty. Das Fernkabel Metz – Verdun wird unterbrochen, die oberirdische Fernlinie Metz – Diedenhofen in Metz zerstört.

24./25. August 1944

Nachtangriff auf Ludwigshafen. Erhebliche Schäden in den Ortsnetzteilen Friesenheim und Oppau

28. August 1944

Über Lothringen und dem Saarland nimmt die Tiefflieger-Tätigkeit zu. Die oberirdische Fernlinie Merzig – Mettlach sowie verschiedene Linien in Lothringen werden durch Bordwaffenbeschuß unterbrochen.

30. August 1944

Im Rahmen des amerikanischen Vormarschs in Frankreich nähert sich die Hauptkampflinie dem Bereich von Metz. Das Personal des FA Metz setzt sich ohne Auftrag ab, z.T. bis nach Saarbrücken. Es wird wieder zum Amt entsandt. Ebenso wird der Amtsvorsteher, Postrat Hüttner, der seit 20.4.1944 zur RPD abgeordnet war, wieder mit der Leitung und dem Betrieb des FA Metz beauftragt.
Auch das Personal des Postamts Metz hat aus Anlaß der Offensive sein Amt verlassen und sich nach Saarbrücken abgesetzt. Es wird am 1.9. wieder an seine Arbeitsplätze zurückgeschickt.

03. September 1944

Das FA Metz wird wegen Frontnähe durch eine Einheit der Waffen-SS militärisch besetzt. Es verbleibt mit dem Amtsvorsteher noch männliches Personal für die technische Unterhaltung und Entstörung der Fernmeldeeinrichtungen des Ortsnetzes und der Sprechstellen. Die Handvermittlungseinrichtungen für den Orts- und Ferndienst werden durch Militär bedient.
Später verläßt die Waffen-SS das FA Metz und den Bereich von Metz, nachdem vorbereitete Sprengladungen in der Verstärkerstelle und in den Vermittlungsschränken angebracht wurden, die aber vom Personal des FA sogleich wieder entfernt wurden. Die Besetzung des FA und der Vermittlungsschränke übernimmt eine aus dem Westen zurückgehende reguläre Einheit der Wehrmacht. Von der DRP verbleiben nur der Amtsvorsteher und männliches technisches Personal im Hause.
Am 3.9. findet ein Luftangriff auf Ludwigshafen statt, bei dem u.a. das Fernkabel und das Bezirkskabel zu den Wählerämtern Oppau, Friesenheim, Oggersheim und Ruchheim unterbrochen wer- den.

05./06. September 1944

In der Nacht auf den 06. September erfolgt ein besonders schwerer Luftangriff auf Ludwigshafen, wobei das Stadtzentrum fast vollständig zerschlagen wird. Starke Schäden im unterirdischen Ortsnetz. Die seit dem 31.7. im Hochbunker neben dem Fernmeldegebäude betriebene Not- Fernsprechvermittlungseinrichtungen werden nicht beschädigt und arbeiten weiter.

15. September 1944

Der Amtsvorsteher des FA Saarbrücken, Postrat Dipl.-Ing. Heyes, wird zum Wehrdienst einberufen. Die Amtsleitung übernimmt der von der RPD Trier abgeordnete Postamtmann Jacoby.

26. September 1944

Gegen Mittag erfolgt ein Luftangriff auf Kaiserslautern. Dabei werden die Verbindungskabel zwischen der seit dem 14.8. betriebenen Notvermittlungsstelle in der Verstärkerstelle Lothringer Dell und dem FA-Gebäude unterbrochen.

28. September 1944

Tages-Luftangriff auf Zweibrücken. Das Postamtsgebäude am Bahnhof wird schwer beschädigt. Die darin befindlichen Fernmeldeeinrichtungen der Fernsprechvermittlungsstelle bleiben betriebsfähig. Dagegen sind erhebliche Schäden im Ortsnetz zu verzeichnen. Die oberirdische Fernlinie Zweibrücken – Saarbrücken wird in Zweibrücken zerstört.
Am gleichen Tag findet ein weiterer Luftangriff auf Kaiserslautern statt, bei dem das Fernkabel Saarbrücken – Frankfurt (Main) unterbrochen wird.

Ende September 1944

Die 3. amerikanische Armee ist vor Nancy und Metz, die 1. französische Armee vor den Vogesen in ihrem schnellen Vormarsch zum Stehen gekommen, da allgemein Nachschubschwierigkeiten eingetreten sind.

05. Oktober 1944

Von 20,00 bis 22,50 Uhr erleidet Saarbrücken einen schweren Luftangriff in zwei Wellen. 400 Flugzeuge werfen in der ersten Welle etwa 1000 Sprengbomben und in der zweiten 100 000 Brandbomben ab. 3 700 Gebäude werden völlig zerstört, 1 800 schwer beschädigt. Die Stadtteile Alt-Saarbrücken, Malstatt und Burbach werden fast völlig verwüstet. Die Zahl der Obdachlosen wird auf 45 000 geschätzt. 5 Sprengbomben und hunderte von Brandbomben fallen auf das RPD- Gebäude in der Trierer Straße, das bis zum Erdgeschoß ausbrennt. Ebenso wird das Gebäude des Postscheckamtes in Alt-Saarbrücken völlig vernichtet. Die RPD- Unterkunft in den Obergeschossen des Hotels Terminus am Hauptbahnhof erleidet schwere Brandschäden.
Die Fernkabel nach Trier, Rüdesheim und Metz sind unterbrochen, ebenso die Bezirkskabel nach Saarlouis und Heusweiler. Schwerste Schäden im Anschlußkabelnetz. Das FA-Gebäude bleibt von nennenswerten Schäden verschont.
Auf Grund dieses besonders schweren Luftangriffs wird die offizielle Räumung des Stadtgebietes Saarbrücken von der zivilen Bevölkerung angeordnet. Verbleiben dürfen nur Restkommandos für den Betrieb lebenswichtiger Einrichtungen, Löschkommandos, Polizei, Feuerwehr, usw.

Dienstgebäude Trierer Straße der Reichspostdirektion Saarbrücken nach dem Luftangriff am 05. Oktober 1944

06. Oktober 1944

Die in der Trierer Straße obdachlos gewordenen Referate II C/II M (Einsatzstab F) werden in Kellerräume des FA-Gebäudes Saarbrücken verlegt, so daß der Dienstbetrieb, vor allem im Schaltbüro, unverzögert weitergeführt werden kann.
Fernsprechrechnungs- und Anmeldestelle des FA Saarbrücken werden nach Haßloch (Pfalz) verlegt und bearbeiten von dort aus die Verrechnung der Fernmeldegebühren auch für den Bereich des FA Saarbrücken.
Das ebenfalls obdachlos gewordene Hauptpostamt (PA 2) verlegt seinen Betrieb aus der Trierer Straße in die Rotenbergschule in Saarbrücken 3.

08. Oktober 1944

In der Schule St. Arnual (links der Saar) werden Behelfsunterkünfte für alle im RPD-Gebäude obdachlos gewordenen RPD-Dienststellen eingerichtet und bezogen. Das sind die Referate I A, III A, III B, III C, IV A sowie Präsidialbüro und Oberpostkasse. Auch das Referat II CC// M zieht aus dem Kellergeschoß des FA-Gebäudes in die Schule St. Arnual um. Diese Dienststellen verbleiben hier bis zum 01.12.1944. In dieser Zeit finden häufig Luftangriffe auf Saarbrücken und auch St. Arnual statt. Das Schulgebäude erleidet dabei jedoch nur Luftdruck- und Glasschäden, so daß der Dienstbetrieb laufend durchgeführt werden kann.

10. Oktober 1944

Gegen 10 Uhr findet ein leichterer Luftangriff auf Saarbrücken statt. Geringe Schäden im Fernmeldenetz.

14. Oktober 1944

12,30 Uhr erneuter Luftangriff auf Saarbrücken. Sämtliche von Saarbrücken ausgehenden Fernkabel und Bezirkskabel außer einem Fernkabel nach Metz sind unterbrochen. Erhebliche Schäden im Ortsnetz.

15. Oktober 1944

Leichterer Luftangriff auf Saarbrücken gegen 20 Uhr.

19. Oktober 1944

Tages-Luftangriff auf Ludwigshafen. Die Teil-Vermittlungsstelle Ludwigshafen-Mundenheim mit 600 Anrufeinheiten wird einschließlich des Hauptverteilers vollständig zerstört. Wichtige Teilnehmer werden auf das Nothandamt Mitte im Hochbunker am Hauptbahnhof umgeschaltet.

04. November 1944

Luftangriff auf Saarbrücken und Neunkirchen. In beiden Ortsnetzen werden zahlreiche Anschlußkabel unterbrochen. Das Bezirkskabel Saarbrücken – Neunkirchen wird an mehreren Stellen beschädigt.

05. November 1944

Luftangriff auf Homburg und Ludwigshafen. Geringe Gebäudeschäden am PA-Gebäude Homburg. Die Fernkabel Saarbrücken – Kaiserslautern, Kaiserslautern – Mannheim und die Bezirkskabel Ludwigshafen – Speyer, Ludwigshafen – Frankenthal sind unterbrochen, zahlreiche Anschlußkabel gestört.

09. November 1944

Seit Anfang November finden zahlreiche Angriffe von Jagd- und Bombenflugzeugen auf das Saarland und Lothringen statt. Vor allem werden Mörchingen, St. Avold, Saargemünd, Saarbrücken, Sulzbach und St. Ingbert betroffen. Zahlreiche Schäden an Fernkabeln, Bezirkskabeln und Anschlußkabeln.

14. November 1944

Anstelle des erkrankten und für längere Zeit dienstunfähigen Postamtmann Jacoby übernimmt der vom Reichspostministerium zugewiesene Postrat Dipl.-Ing. Jörns die Leitung des FA Saarbrücken.

17. November 1944

Der Amtsvorsteher und das restliche deutsche Personal verlassen auf Anordnung der Wehrmacht das FA Metz und ziehen sich nach Saarbrücken zurück. Es verbleiben im Amt nur 10 lothringische technische Kräfte des Postpersonals zur Entstörung und zur technischen Unterstützung der deutschen Wehrmacht (1 Technischer Telegrapheninspektor, 3 Obertelegraphensekretäre, 3 Schaltwarte und 3 Ortskabellöter), die später in Metz vom Gegner überrollt werden.

19. November 1944

Der bisherige Amtsvorsteher des FA Metz, Postrat Hüttner, erhält mit dem Technischen Fernmeldeinspektor Klostermann den Sonderauftrag, das entbehrliche Fernmeldegerät aus den bedrohten Räumen in rückwärtige Gebiete zu verlagern. Er errichtet sein Standquartier zunächst bei der RPD in der Schule Saarbrücken-St. Arnual und später in der Ausweichverstärkerstelle im Ratskeller Saarbrücken.

22. November 1944

Metz wird durch die 7. amerikanische Armee nach schwerem Widerstand der Einheit Fahnenjunkerschule VI genommen. Am gleichen Tag werden auch im Elsaß Mühlhausen und Straßburg vom Gegner erobert.

28. November 1944

Beginn des Artilleriebeschusses auf die Stadt Saarbrücken im Zuge des amerikanischen Vormar- sches. Mit der völligen Evakuierung der Bevölkerung bis auf die Restkommandos wird begonnen.

30. November 1944

Während eines gleichzeitigen Fliegerangriffs auf Saarbrücken Artillerieeinschlag in die Giebelwand des FA-Gebäudes Saarbrücken. Die Granate krepiert im Fernamtssaal. Es entstehen glücklicherweise keine Personenverluste, da wegen des Fliegeralarms nur die Ausweichvermittlung im Kellergeschoß besetzt war. Am gleichen Tag schwerer Luftangriff auf Neunkirchen. Die automatische Ortsfernsprechvermittlung und das handbediente Fernamt werden durch Sprengbomben völlig vernichtet. Sämtliche Kabel sind unterbrochen. Beim Personal, das sich rechtzeitig in die Ausweichvermittlung im Keller zurückgezogen hatte, entstehen keine Verluste.

01. Dezember 1944

Die 3. amerikanische Armee unter General Patton hat nördlich Völklingen und südlich Saarbrücken das linke Saarufer erreicht. Merzig, Saarlouis und Saargemünd fallen in die Hand des Gegners.
Das Saarbrücker Wohngebiet links der Saar wird von der Zivilbevölkerung völlig frei gemacht. Die Schule St. Arnual, die immer stärker durch Artilleriebeschuß gefährdet wird, muß von der RPD geräumt werden. Die RPD-Dienststellen, die bisher noch in der Schule St. Arnual, im Hotel Terminus und in der Richard-Wagner-Straße gearbeitet haben, werden zum größten Teil in das frühere RPD-Gebäude in Speyer zurückgezogen. Von den Referaten verbleibt nur ein Restkommando, das im Luftschutzbunker am Eichhornstaden den Dienst aufnimmt. Das Referat II C/II M (Einsatzstab F) zieht, um im Bunker Platz zu machen, in das frei gewordene Dienstgebäude Richard-Wagner-Straße.
Das Hauptpostamt Saarbrücken 2 errichtet zur Abwicklung eine Ausweichstelle in Haßloch (Pfalz). Ein Restkommando mit dem Umfang eines kleinen Postamtes bleibt im Hochbunker Schmollerstraße.

02. Dezember 1944

Das Restkommando der RPD-Dienststellen (außer II C/II M) wird aus dem Bunker Eichhornstaden in der RPD-Gebäude Speyer zurückgezogen. Der Führungsstab der RPD (Präsident, Abteilungsleiter I/III, Personalbüro-Vorsteher und Postschutzbezirksführer) beziehen vorübergehend Räume im PA St. Ingbert und nach Beginn des Artilleriebeschusses von St. Ingbert für längere Zeit das Obergeschoß im PA Landstuhl.
Am gleichen Tag erneuter Granateinschlag in das Dachgeschoß des FA-Gebäudes Saarbrücken. Da ständig mit weiteren Einschlägen ohne Warnung gerechnet werden muß und die Ausweichvermittlung im Kellergeschoß nicht genügend leistungsfähig ist, wird der handbediente Fernvermittlungsbetrieb um 10 Uhr aus dem I. Obergeschoß des FA-Gebäudes in den Hochbunker Richard-Wagner-Straße verlegt. Hier wird dem Fernsprechamt ein ganzes Stockwerk eingeräumt, in dem vom TBA bereits eine größere Ausweichvermittlung eingerichtet wurde.
Der Amtsvorsteher, der Leiter des Entstörungsdienstes und der Vorsteher der Personalstelle des FA beziehen Behelfsbüros im Kellergeschoß des FA-Gebäudes, die gleichzeitig als Schlafstelle dienen. Auch der Telegrammübermittlungsdienst (Springschreiber und Telegrammaufnahme) wird aus dem Erdgeschoß in das Kellergeschoß verlegt.
Die letzten lothringischen handbedienten Fernsprechvermittlungsstellen werden von der Wehrmacht übernommen, Rohrbach am 02. Dezember, Bitsch am 05. Dezember.
Der Artilleriebeschuß auf Saarbrücken, besonders auf das Bahnhofsgelände, wird heftiger. Häufiger werden auch die Einschläge im Block Richard-Wagner-Straße. Der Einsatzstab F (Referat II C/II M) zieht deshalb aus den Obergeschossen des stark gefährdeten Dienstgebäudes in der Richard-Wagner-Straße in den frei gewordenen Bunker Eichhornstaden unmittelbar an der Saar um.

03. Dezember 1944

Der Dienst in dem feuchten und kalten Bunker Eichhornstaden wird immer schwieriger. Außerdem setzt die Starkstromversorgung aus, so daß bei Kerzenlicht gearbeitet werden muß. Es wird daher mit der Übersiedlung der einzigen noch in Saarbrücken verbliebenen RPD- Dienststelle Einsatzstab F in die vorbereitete Ausweiche in einem Waldstück nahe der Hochwiesmühle bei Höcherberg begonnen. Zunächst werden unter ständigem Beschuß die Büromöbel usw. aus dem Bürohaus Richard- Wagner-Straße abtransportiert.

05. Dezember 1944

Nach und nach werden die einzelnen Mitglieder des aus 15 Kräften bestehenden Einsatzstabes (Referat II C/II M) in die Ausweiche Höcherberg überführt.

07. Dezember 1944

Gegen Abend treffen zum Schluß die Beamten des Schaltbüros mit den restlichen Schaltunterlagen und der Leiter des Einsatzstabes F in Höcherberg ein. Mit der Besetzung der Ausweiche und der Aufnahme des Dienstbetriebes wird sogleich begonnen. Die Nachrichten- Verbindungsoffiziere des Heeres und der Luftwaffe beziehen Quartier im benachbarten Höcherberg bzw. in der nahe gelegenen Hochwiesmühle.
Die Ausweiche des Einsatzstabes besteht aus einem großen einräumigen Holzhaus mitten im Wald (bisher Wochenend-Sportheim der Kreissparkasse Homburg), das als Büro eingerichtet wird, und 50 m davon entfernt einem kleinen zweiräumigen Blockhaus, das vom Einsatzleiter F bezogen wird.
In den ersten Tagen wird die Ausweiche mit einem Stichkabel an eine Schaltstelle des in der Nähe vorbeilaufenden Fernkabels Saarbrücken – Kaiserslautern angeschlossen. Es werden Fernsprechleitungen nach Saarbrücken und Kaiserslautern, zum Ortsnetz Höcherberg, zu den Verbindungsoffizieren Heer und Luftwaffe sowie zur Außenstelle des TBA Saarbrücken in St.- Wendel geschaltet. Etwas später kommt noch ein Fernschreibanschluß nach Frankfurt (Main) dazu.

09. Dezember 1944

Die saarländische Fernsprech-Handvermittlungsstelle Lebach wird wegen Rückverlegung der Hauptkampflinie von der Wehrmacht übernommen.

13. Dezember 1944

Die technischen Einrichtungen in den verlassenen oberirdischen Räumen des Fernamtes, der Telegramm-Aufnahme, der Telex-Vermittlungsstelle und der Telegraphenstelle des FA- Gebäudes Saarbrücken werden abgebaut und zurückgeführt.

23. Dezember 1944

Mittags schwerer Luftangriff auf den Raum Homburg. Überraschend wird ein Bombenteppich auf das Wasserwerk der Stadt Homburg in unmittelbarer Nähe der Unterkunft des Einsatzstabes F abgewor- fen, das vermutlich für ein getarntes Treibstofflager angesehen wur- de. Es verbleibt der Belegschaft keine Zeit mehr zum Verlassen des Blockhauses. Glücklicherweise bleibt das Gebäude bis auf eine zertrümmerte Fensterscheibe unbeschädigt.

24. Dezember 1944

In Saarbrücken brennt im Hochbunker Richard-Wagner-Straße die Netzersatzanlage aus. Das städtische Starkstromnetz ist schon längere Zeit vorher ausgefallen. Deshalb wird durch das Trümmerfeld der Innenstadt von der intakten Netzersatzanlage im Keller des FA-Gebäudes Dudweilerstraße zum Hochbunker eine Behelfs-Drehstromleitung gezogen und darüber auch der Hochbunker versorgt.

26. Dezember 1944

Vormittags Jagdbomben-Angriff auf Höcherberg, wobei auch das dortige Postamtsgebäude beschädigt wird.
Postrat Hüttner hat seinen Sonderauftrag vom 19. November (Bergung von Fernmeldegerät im feindbedrohten Gebiet) beendet und tritt zum Einsatzstab F in die Ausweichunterkunft Höcherberg. Die zahlreich im Kampfgebiet sichergestellten Fernmeldegeräte sind zum größten Teil in rechtsrheinische Bergungslager zurückgebracht worden, u.a. in die unterirdische Verstärkerstelle Jeßberg bei Treysa, nach Gießen und Hofgeismar. Schon früher wurden Bergungslager in Pfedelbach bei Öhringen, Adlersberg bei Regensburg (vor allem Verstärker-, Vermittlungs- und Nebenstellengerät) sowie in Münchberg/Oberfranken (Kabel) eingerichtet und beschickt.

27. Dezember 1944

Schwere Luftangriffe auf Neunkirchen, Homburg und St. Wendel mit zahlreichen Unterbrechungen des Fernmeldenetzes.
In Saarbrücken wird der Telegrammübermittlungsdienst (Springschreiber und Telegramm- aufnahme) aus dem Kellergeschoß des FA-Gebäudes in die Ausweich-Telegraphenstelle im Luftschutz-Hochbunker Richard-Wagner-Straße verlegt, in dem auch die Unterkünfte für die weiblichen und die männlichen Kräfte bezogen werden. In der Telegraphenstelle sind etwa 6, im Fernsprechvermittlungsdienst 15 weibliche Kräfte eingesetzt, außerdem 11 männliche Kräfte für den technischen Betrieb der Anlagen im Hochbunker und im FA-Gebäude.
Der technische Betrieb der großen Wähl-Ortsvermittlungsstelle, der Fernsprechentstörungsstelle, der Telegraphenübertragungsstelle, der Verstärkerstelle und der Stromversorgung läuft weiterhin im Hauptgebäude des FA Dudweilerstraße, bzw. im benachbarten Ratskeller.

28. Dezember 1944

Erneute Luftangriffe auf Neunkirchen, Homburg sowie auf Kaiserslautern. Die Fernkabel Saarbrücken – Kaiserslautern, Saarbrücken – St. Wendel sowie das Bezirkskabel Saarbrücken – Neunkirchen werden mehrfach unterbrochen.

03. Januar 1945

Weitere Luftangriffe auf Neunkirchen und Homburg.

09. Januar 1945

Der schwere Beschuß der Innenstadt von Saarbrücken verstärkt sich. Im 50 m-Umkreis des FA- Gebäudes werden allein 6 Treffer schweren Kalibers gezählt. Die Behelfs-Starkstromleitung zum Hochbunker wird immer wieder zerschossen und muß ständig in den Feuerpausen repariert werden.
Ein Baukommando von 23 Mann ist seit 05. Januar dabei, die Schäden an und im FA-Gebäude zu flicken, sowie bauliche Sicherungs- und Verstärkermaßnahmen durchzuführen.

13. Januar 1945

14,15 Uhr schwerer Luftangriff auf Kaiserslautern. Die Fernkabel Saarbrücken – Kaiserslautern, Kaiserslautern – Mannheim, 2. Bezirkskabel Kaiserslautern – Neustadt sowie die Drehkreuzlinie Kaiserslautern – Saarbrücken werden mehrfach unterbrochen.
Zur gleichen zeit Luftangriff auf Ludwigshafen und Mannheim, wobei die Bezirkskabel nach Neustadt, Mannheim und Speyer unterbrochen werden.
15,30 Uhr schwerer Luftangriff auf die Innenstadt von Saarbrücken. Volltreffer in die noch nicht in betrieb befindliche Not-Verstärkerstelle und in den Kabeleinführungsraum des FA Saarbrücken. Die WT-Einrichtungen, die Drahtfunksender, die Leitungs- und die Rundfunkverstärker werden zerstört. Der Kabeleinführungsraum wird teilweise verschüttet. Der Hochspannungsraum wird zerstört und dadurch der endgültige Starkstrom-Netzausfall herbeigeführt. Die Netzersatz-Dieselanlage läuft unbeschädigt weiter und übernimmt von da an dauernd die Stromversorgung auch für den Hochbunker Richard-Wagner-Straße und die Verstärkerstelle im Ratskeller bis zur Besetzung des FA durch den Gegner im März 1945. Der Fernkabelmeßbeamte Technischer Telegrapheninspektor Dörrie, der sich im Kellergang vor dem getroffenen Kabeleinführungsraum befand, wird durch den Luftdruck durch die geschlossene Tür in den gegenüber etwas tiefer liegenden Dieselraum geschleudert, bleibt aber wie durch ein Wunder bis auf Prellungen unverletzt. Sämtliche der über 100 aus Saarbrücken herausführenden Fernsprech- und Telegraphenleitungen werden bis auf 3 unterbrochen.
19,30 Uhr zweiter Luftangriff auf Saarbrücken, der von dem Restkommando des FA, dem Amtsvorsteher des TBA, dem Leiter des Einsatzstabes F und seinem Vertreter im Kabelaufteilungsraum des FA überstanden wird. Volltreffer in die überbaute Toreinfahrt des FA. Dabei Zerstörung des dort abgestellten Kraftwagens des Einsatzstabes und des in den Ostteil des Ortsnetzes führenden Hauptkabelkanals der Ortsvermittlungsstelle. Weiterer Volltreffer in die Dudweilerstraße dicht vor dem FA-Gebäude, der die Straßenbahnschienen herausreißt und die Rolläden und Fenster der Telegraphendienststelle und des Postamtes im FA-Gebäude zerstört.

14. Januar 1945

15 Uhr dritter Luftangriff auf die Innenstadt von Saarbrücken. Durch die 3 Luftangriffe sind fast alle die Stadt verlassenden Fern- und Bezirkskabel mehrfach unterbrochen.
Das schon früher stark beschädigte Gebäude des TBA in der Königin-Luisen-Straße wird durch 3 Volltreffer restlos zerstört.
Die Verstärkerstelle Saarbrücken, die in der Ausweichunterkunft im Ratskeller des benachbarten Rathauses betrieben und von der Diesel-Netzersatzanlage des FA ständig mit Strom versorgt wird, bleibt unbeschädigt, ist aber lahmgelegt, da ihre sämtlichen Leitungen über den zerstörten Kabeleinführungsraum im FA laufen. Auch der Betrieb des Notfernamtes und der Not- Telegraphenstelle im Hochbunker Richard-Wagner-Straße ist infolgedessen unterbrochen. Schon in der Nacht vom 13. Auf 14. Januar wird mit dem Aufbau eines Ersatzverteilers im Keller des FA begonnen. eine Anzahl von Durchgangsleitungen wird behelfsmäßig durchverbunden. In den auf Saarbrücken gestützten Wähler-Ortsvermittlungen Sulzbach, St. Ingbert und Heusweiler werden vorbereitete Notfernämter besetzt und in Betrieb genommen.
Im Laufe der nächsten Tage werden die noch brauchbaren Kabeleinführungsgestelle instand gesetzt und im Kellergeschoß des FA Saarbrücken wieder aufgebaut. Mit Hilfe noch vorhandener Wechselstromtelegraphie-Einrichtungen werden die Achtzehnfach-WT-Linien nach Kaiserslautern und Frankfurt wieder eingerichtet.
Es gelingt, eine größere Anzahl von Fernsprechleitungen für die Durchgangs-Verstärkerstelle im Ratskeller sowie für das Handfernamt und die Springschreiber-Telegraphenstelle im Hochbunker Richard-Wagner-Straße wieder bereitzustellen, so daß der Fernmeldebetrieb für den Raum Saarbrücken wieder sichergestellt ist.
Der Ortsfernsprechverkehr in Saarbrücken, soweit die Hauptanschlüsse noch betriebsfähig und besetzt sind, wird weiter durch die unbeschädigt gebliebene Wählvermittlungsstelle im 1. Obergeschoß des FA-Gebäudes, dessen Fenster zugemauert wurden, vermittelt. Die Starkstromversorgung des FA-Gebäudes, der Verstärkerstelle im Ratskeller sowie des Hochbunkers Richard-Wagner-Straße ist durch die ununterbrochen laufende Diesel- Netzersatzanlage im Keller des FA gesichert. Zwischen FA-Gebäude und Hochbunker wird durch die Keller der größtenteils in Trümmern liegenden Gebäude ein einigermaßen gegen den ständigen Artilleriebeschuß geschützter Verbindungsweg geschaffen, um weniger gefährdet von der Unterkunft im Hochbunker, die die fernmeldetechnischen Räume im FA und im Ratskeller zur Betreuung der Ortsvermittlungsstelle, der Telegraphenübertragungsstelle, der Verstärkerstelle und der Stromversorgung erreichen zu können. Nach der völligen Zerstörung des Dienstgebäudes in der Königin-Luisen-Straße und wegen der immer stärker werdenden Artilleriebeschießungen werden die Innendienststellen des TBA Saarbrücken in vorbereitete Ausweichunterkünfte in Rammelsbach bei Kusel verlegt. Die Apparatewerkstatt wird aus der ebenfalls stark angeschlagenen Malzfabrik im Neugrabenweg nach Kusel verlegt. Auch die Lagerbestände werden zum großen Teil in den Raum Kusel überführt. Es verbleiben noch, vor allem in den geräumigen Felsenkellern der Saarbrücker Malzfabrik, Fernmeldebauzeugbestände, ein Lagerkommando von etwa 10 Mann, sowie Lötertrupps und Kabelmeßtrupps.
Ausbildungsstelle und Lehrlingsheim werden in die Nähe von Türkismühle verlegt. Die Fernkabelmeßstelle bleibt beim Restkommando des TBA in Saarbrücken, das aus dem Amtsvorsteher mit etwa 15 – 20 Mann besteht und im Hochbunker Richard-Wagner-Straße Arbeitsräume und Schlafstelle behält.

19. Januar 1945

Durch die schweren Angriffe der vergangenen Tage ist die städtische Starkstrom- und Wasserversorgung in Saarbrücken völlig ausgefallen. Trinkwasser wird durch städtische Wasserwagen den Restkommandos im Hochbunker, FA, Ratskeller und Malzfabrik zugeführt. Die Starkstromversorgung übernimmt nach wie vor die Netzersatzanlage im Keller des FA, die durch Wassereinbrüche aus den zerschossenen Kanälen und aus dem Grundwasser immer wieder gefährdet ist. Mit einer Luftschutz-Motorspritze wird das eindringende Wasser ständig abgepumpt.

22. Januar 1945

Das städtische Elektrizitätswerk Saarbrücken ist wieder teilweise in Betrieb. Aus dem zerstörten und verlassenen Dienstgebäude des PA 2 in der Trierer Straße wird der dort nicht mehr benötigte Hochspannungstransformator ausgebaut und im Keller des FA-Gebäudes an stelle der zerstörten Hochspannungsanlage in Betrieb genommen. Dadurch kann die Netzersatzanlage in Reserve gehen.
Der Rundfunksender Heusweiler der DRP wird von Tieffliegern mit Bordwaffen beschossen, wobei die Stromversorgungsanlage beschädigt wird. Der Sendeleiter Telegraphenoberwerkmeister Schneider wird durch 3 Schüsse schwer verletzt.

11. Februar 1945

Tieffliegerangriffe auf Neunkirchen und Bahnhof Mittelbexbach.

12. Februar 1945

Die noch in den oberirdischen Räumen des FA-Gebäudes Saarbrücken verbliebenen, nicht mehr erforderlichen Fernamts-, Verstärker-, Drahtfunk-Rundfunk- und Wechselstromtelegraphie- Einrichtungen werden abgebaut und in die rechtsrheinischen Ausweichlager zurückgeführt.

13. Februar 1945

Jagdbomberangriffe auf Neunkirchen und St. Wendel. Auch in den nächsten Tagen herrscht starke Jabo-Tätigkeit in diesem Raum.

16. Februar 1945

Luftangriffe auf Mittelbexbach und Landau. Im Bereich der DRP treten nur Schäden an den Linien auf.

17. Februar 1945

Das Restkommando des Kraftfahrreferats, das bisher im Luftschutzstollen des zerstörten PA 2 Saarbrücken, Trierer Straße, sein Standquartier hatte, rückt nach Speyer ab.

19. Februar 1945

Der Führungsstab der RPD zieht sich vom PA Landstuhl auf das RPD-Gebäude in Speyer zurück, wo schon mit Ausnahme von II C/II M alle Referate der RPD vereinigt sind.

20. Februar 1945

Kämpfe zwischen Kleinblittersdorf und Forbach. Starkes Artilleriefeuer von beiden Seiten.

22. Februar 1945

Bei einem Jagdbombenangriff auf Lauterecken und Kirchheimbolanden werden alle Fernleitungen durch Sprengbomben und Bordwaffenbeschuß unterbrochen und 70 Hauptanschlüsse außer Betrieb gesetzt. Die Jagdbomber machen nach Abwurf ihrer Sprengbomben immer mehr von ihren Bordwaffen für den Erdbeschuß Gebrauch und zerstören dabei häufig auch oberirdische Fernlinien nachhaltig.

23. Februar 1945

Jagdbomberangriff im Raume Neunkirchen – St. Wendel – St. Ingbert, wodurch Bezirkskabel und oberirdische Fernlinien unterbrochen werden, darunter wieder auch die wichtige Drehkreuzlinie Saarbrücken – Kaiserslautern.

24. Februar 1945

Bombentreffer auf das Bezirkskabel St. Wendel – Neunkirchen.

25. Februar 1945

21,45 Uhr Artillerievolltreffer auf das FA-Gebäude Saarbrücken. Der nicht mehr benutzte und zum großen Teil geräumte Fernamtssaal wird stark beschädigt. Die noch im Gebäude betriebenen Fernmeldeeinrichtungen bleiben intakt. Verschiedene oberirdische und Kabellinien in den Räumen Niederkirchen – Kusel und Landau – Albersweiler werden durch Jagdbomberbeschuß und durch Sprengbomben unterbrochen.

27. Februar 1945

Das Fernkabel Saarbrücken – Kaiserslautern – Frankfurt (Main) wird an 3 Stellen durch Sprengbomben unterbrochen.

01. März 1945

Schwerer Luftangriff auf Ludwigshafen. Das Gebäude des Hauptpostamtes in der Jägerstraße wird nunmehr völlig zerstört. Im halbzerstörten Hofgebäude, wo die Fernmeldedienste und das Postscheckamt untergebracht sind, entstehen Dachstuhlbrände, die abgelöscht werden können. Der Fernsprech- und Telegraphenbetrieb kann mit der seit 31. Juli 1944 betriebenen Noteinrichtung im benachbarten Hochbunker wie bisher beschränkt weitergeführt werden. Sämtliche Kable in Richtung Mannheim sind unterbrochen.
Das ebenfalls in der Front liegende Fernamt Trier, mit dem von Saarbrücken aus noch direkte Leitungen betrieben werden, stellt seinen Betrieb ein. Das Fernkabel Saarbrücken – Trier wird in Saarbrücken durch Unterbrechung der Kupferader unter dem Bleimantel abgeschirmt.
Die Dienstleistungs-Vermittlung der Verstärkerstelle Saarbrücken wird aus dem Ratskeller in den Hochbunker Richard-Wagner-Straße verlegt. Der Betrieb in der Verstärkerstelle Ratskeller läuft unbemannt weiter.

03. März 1945

Jagdbomberangriff auf Dahn. Das Fernmeldedienstgebäude wird durch Bombenvolltreffer zerstört. Sämtliche Fernleitungen sind unterbrochen.
Am gleichen Tag Jagdbomberangriff auf Germersheim, wobei die oberirdische Fernlinie Speyer- Germersheim an 5 Stellen zerstört wird.
Ebenfalls durch Jagdbomber wird die Fernlinie Freinsheim – Erpolzheim unterbrochen.
In Völklingen wird das Bezirkskabel Völklingen – Püttlingen durch Artilleriebeschuß zerstört.

07. März 1945

Artillerietreffer in die Giebelwand des FA-Gebäudes Saarbrücken, wodurch die Decke des darunter liegenden Wählersaales beschädigt wird. Die technische Einrichtung bleibt verschont, so daß der Ortswählbetrieb ungestört weiter läuft.
Die 1. amerikanische Armee unter General Courtney Hodges erreicht von Aachen her bei Remagen den Rhein und bildet über die beschädigte Rheinbrücke den ersten Brückenkopf rechts des Rheins.

Vom 08. März 1945 an erstatten die Restkommandos des FA und des TBA Saarbrücken, die im Hochbunker Richard-Wagner-Straße ihr Standquartier haben, täglich ausführliche Lageberichte an den Einsatzstab F in Löcherberg, so daß eine lückenlose Übersicht über die Vorgänge im Saarbrücker Raum für die letzten Wochen bis zur Besetzung durch den Gegner vorliegt.

08. März 1945

Im Fernsprechdienst werden im Notamt Saarbrücken – Hochbunker über 23 Fernleitungen 867 Ferngespräche vermittelt und 779 Telegramme bearbeitet.
Die Kabel nach Güdingen und Fechingen, die die Front überschreiten, werden wegen Abhörgefahr durch Löter des TBA unter direktem Artilleriebeschuß abgeschirmt.
677 Artillerieeinschläge im Ortsnetzbereich Saarbrücken. Die Front verläuft zwischen Stieringen und Saarbrücken.
Gegen 20 Uhr schwerer Luftangriff auf Homburg. Zahlreiche Schäden an den Kabelanlagen.

09. März 1945

Es werden in Saarbrücken 780 Ferngespräche und 363 Telegramme vermittelt.
Die Kräfte des TBA sind, wie auch an den folgenden Tagen, vielfach unter Artilleriebeschuß Tag und Nacht mit der Instandsetzung von Kabeln und Beseitigung von Leitungsschäden im Großraum Saarbrücken beschäftigt.
Gezählt werden 603 Artillerieeinschläge. Die wirtschaftliche Räumung und Rückführung lebenswichtiger Güter aus Saarbrücken wird fortgesetzt.

10. März 1945

Die Maurerarbeiten zur Sicherung des Maschinenraumes im Erdgeschoß des FA-Gebäudes gegen Artillerieeinwirkung werden beendet.
681 Ferngespräche, 481 Telegramme, 652 Artillerieeinschläge.
Das Bezirkskabel Saarbrücken – Kleinblittersdorf wird gegen Abhören abgeschirmt.
Die oberirdische Fernlinie Homburg – Höcherberg wird durch Tieffliegerbeschuß zerstört.
Abwurf von Spreng- und Brandbomben auf Klarenthal, Ottenhausen und Schönecken.
Erneuter Jagdbomberangriff auf den DRP-Rundfunksender Heusweiler. Die Flugzeuge fliegen mehrmals das Ziel an und beschränken sich auf Bordwaffenbeschuß im Tiefflug. Über 100 Einschläge im Dach des Senderhauses. Sendeanlage und Maschinenanlage an vielen Stellen durchschossen. Sender endgültig ausgefallen.

11. März 1945

Das Personal des TBA Saarbrücken ist im ganzen Saarland mit der Beseitigung von Kriegsschäden an den oberirdischen und unterirdischen Linien pausenlos beschäftigt. Zwischen Völklingen und Püttlingen wird ein Kabellöter bei Instandsetzungsarbeiten verwundet.
In Saarbrücken werden 373 Ferngespräche und 151 Telegramme übermittelt. 610 Artillerieeinschläge sind im Stadtgebiet zu verzeichnen.
Auf die Stadt Völklingen werden 6 Propagandagranaten mit Flugblättern abgeschossen.
Ferner findet ein Tieffliegerangriff mit Sprengbomben und Bordwaffen auf Gersweiler und Völklingen statt, wobei zwei Flugzeuge abgeschossen werden.

12. März 1945

Über 21 Fernleitungen des Notamtes Saarbrücken, davon für den Weitverkehr nach Karlsruhe, Bad Kreuznach und Mannheim, werden 818 Ferngespräche und 681 Telegramme befördert.
Die bisher in Saarbrücken eingesetzte Division wird durch andere Truppen abgelöst.
716 Artillerieeinschläge im Stadtgebiet werden gezählt.
Die ausländischen Fremdarbeiter rotten sich in zunehmendem Maße zu bewaffneten Banden zusammen und werden durch Gendarmerie-Sonderkommandos bekämpft.
Jagdbomber greifen Homburg, Kirkel und Rohrbach an. Zwischen Völklingen und Püttlingen wird vom TBA Saarbrücken eine unterirdisches Kabel ausgelegt.

13. März 1945

Die Front vor Saarbrücken verläuft durch Stieringen im lothringischen Gebiet. Die deutschen Truppen beginnen sich abzusetzen und räumen das linke Saarufer von Hostenbach bis Wehrden bei Völklingen. Die Panzersperren in Gersweiler, Ottenhausen und Klarenthal links der Saar sowie am Deutschmühlenweiher werden geschlossen. Gegen 6 Uhr wird die Saarbrücke zwischen Saarbrücken- Burbach und Gersweiler gesprengt.
Im Notamt Saarbrücken sind 18 Fernleitungen und je eine Springschreiberleitung nach Kaiserslautern und Frankfurt (Main) betriebsbereit, über die 520 Ferngespräche und 980 Telegramme vermittelt werden.
Seit dem 08. März werden 11 männliche fernmeldetechnische Kräfte intensiv im Vermittlungsdienst ausgebildet, um noch weitere weibliche Kräfte aus dem Kampfgebiet zurückführen zu können.
951 Artillerieeinschläge sind im Stadtgebiet festzustellen.
Die Maurerarbeiten an der durch Granateinschlag zerstörten Giebelwand des FA-Gebäudes Saarbrücken werden weitergeführt.

14. März 1945

Im Notamt Saarbrücken werden 662 Ferngespräche vermittelt und 632 Telegramme bearbeitet. 790 Artillerieeinschläge liegen in Saarbrücken, besonders im Stadtzentrum.
Eine bewaffnete Fremdarbeiterband hat sich am Bahnhof Saarbrücken-Schleifmühle verbarrikadiert und wird von der Gendarmerie bekämpft.

15. März 1945

Schwerer Luftangriff auf Neunkirchen mit 150 zweimotorigen Bombern. Der Luftschutzraum im Tiefkeller des Finanzamtes, in dessen oberem Keller (Souterrain) das Notfernamt betrieben wird, erhält einen Volltreffer, durch den 32 Personen getötet werden. Darunter befinden sich 12 Fernmeldebeamte (Betriebskräfte) der DRP, die den Luftschutzraum während des Angriffes aufgesucht hatten. Das Notfernamt selbst im darüber liegenden Kellergeschoß bleibt unbeschädigt.
Luftangriff auf Homburg, durch den das Fernkabel Saarbrücken – Kaiserslautern an 10 Stellen unterbrochen wird und sämtliche Anschlußkabel ausfallen. Gegen 4 Uhr am nächsten Morgen wird am Stadtausgang nach Kaiserslautern ein Fernmeldekopf eingerichtet und zunächst mit einer Leitung Homburg – Landstuhl in Betrieb genommen. Die Erweiterung durch eine Leitung nach Saarbrücken wird eingeleitet.
Große Ausfälle an den Fernlinien durch starken Artilleriebeschuß auf Dudweiler, Sulzbach, Fischbach und Quierschied. In Püttlingen, Heusweiler, Lebach, St. Wendel und St. Ingbert arbeiten die Kräfte des TBA Saarbrücken intensiv an der Beseitigung von Kriegsschäden im Leitungsnetz. Die Bautruppunterkunft mit Bauzeuglager in St. Ingbert wird durch Granattreffer zerstört. Das Bezirkskabel Saarbrücken – Kleinblittersdorf und die Anschlußkabel nach Brebach werden gegen Abhören abgeschirmt.
223 Ferngespräche und 312 Telegramme werden im Notamt Saarbrücken vermittelt.
In Saarbrücken werden 1904 Artillerieeinschläge hauptsächlich an den Ausfallstraßen nach Osten, beobachtet.
Die deutsche Hauptkampflinie von Saarbrücken verläuft am Schanzenberg über das Ehrental nach St. Arnual. Der Gegner steht bei Schönecken, am Sportplatz Gersweiler und im Stiftswald. Die Höhe von Klarenthal ist vom Gegner besetzt. Das Restkommando beim PA Völklingen stellt den Betrieb ein und setzt sich nach Osten ab.

16. März 1945

4,50 Uhr wird von der Wehrmacht in Saarbrücken die Bismarckbrücke gesprengt.
Auf Saarbrücken fallen 4607 Artilleriegranaten, dazu zahlreiche Granatwerfer-Geschosse auf die Großherzog-Friedrich-Straße und das Befreiungsfeld. Hierdurch entstehen etwa 60 Personenverlus- te.
Viele Artillerieeinschläge auch im Raum Dudweiler. Das Kesselhaus des Kraftwerkes Luisenthal wird durch 4 Granattreffer schwer beschädigt.
Die Bahnlinie Wehrden – Hostenbach links der Saar wird vom Gegner besetzt. Die Notstandsarbeiten im Kraftwerk Wehrden müssen eingestellt werden. Auch die Röchlingwerke in Völklingen stellen wegen starkem Beschuß und Strommangel zum großen Teil die Arbeit ein.
Güdingen und Brebach werden vom Gegner besetzt. Damit ist der Gegner nunmehr im Saarland rechts der Saar eingedrungen. Die deutschen Truppen gehen auf die Westwall- Bunkerlinie hinter der Höcker-Hindernis-Linie zurück.
Beginn des Artilleriebeschusses im Raum Homburg. 15,30 Uhr schwerer Luftangriff auf Lan- dau. Volltreffer in die Ausweich-Fernsporechvermittlung im Kellergeschoß des PA Landau. 8 Vermittlungsbeamtinnen werden getötet. Wählerortsvermittlung und Regel-Fernamt im Obergeschoß werden nicht beschädigt. Gegen 20 Uhr folgt ein zweiter Luftangriff auf Landau, vorwiegend mit Brandbomben.

17. März 1945

Um 14 Uhr stehen, von Norden kommend, amerikanische Panzer vor Alsfassen bei St. Wendel.

18. März 1945

Um 7 Uhr trifft ein bei der Kraftfahrbetriebsstelle Waldmohr angeforderter 26sitziger Kraftomnibus im Quartier des Einsatzstabes F in Höcherberg Wald ein. Entbehrliche Akten werden vernichtet. Der Omnibus wird mit dienstlichem Schriftgut und Gerät sowie Privatgepäck beladen.
Da in Saarbrücken kaum noch Bedarf für telegraphische Nachrichtenübermittlung besteht und fast alle F- und T-Leitungen ausgefallen sind, wird auf Anordnung der DRP und mit Zustimmung der Wehrmacht im Hochbunker Richard-Wagner-Straße um 12 Uhr der Betrieb der Telegraphenstelle eingestellt. Der Vermittlungsdienst für Ferngespräche im Bunker- Fernamt wird vom männlichen technischen Personal (Entstörer) übernommen. Die bisher eingesetzten weiblichen Bediensteten werden in das Hinterland (Sulzbach, Neunkirchen usw.) zu ihren Familien zurückgeführt.
16 Uhr schwerer Bombenangriff auf Bad Dürkheim und Wachenheim, wo ein höherer deutsche Stab Quartier bezogen hat. Starke Zerstörungen. Die Bevölkerung hat 351 Tote.
Gegen Abend werden die für die Rückführung des FA-Restkommandos von Saarbrücken geschützt im Waldgebiet ostwärts der Stadt bereitgestellten Kraftfahrzeuge (1 Kraftomnibus, mehrere Personenkraftwagen und Kombi-Fahrzeuge) an den Hochbunker Richard-Wagner- Straße gebracht und im Splitterschutz des Hochbunkers beladen.
Um 23 Uhr werden amerikanische Panzerspitzen bei Werschweiler und Breitenbach ostwärts St. Wendel sowie Niederwürzbach und Blieskastel ostwärts Saarbrücken gemeldet.
Kurz vor Mitternacht ist beim Quartier des Einsatzstabes F im Höcherberger Wald starker Lärm vorrückender Panzer aus dem 3 Km entfernten Kleinottweiler wahrnehmbar.
Um 24 Uhr wird in Saarbrücken auf Befehl der Wehrmacht auch der Vermittlungsdienst für Ferngespräche eingestellt. Die immer noch intakte automatische Ortsvermittlungsstelle im 1. Obergeschoß des FA-Gebäudes Dudweilerstraße bleibt weiterhin ohne Ferndienst in Betrieb.

19. März 1945

Um 2,50 Uhr Aufbruch des Einsatzstabes F von der Unterkunft im Höcherberger Wald mit 10 männlichen und 3 weiblichen Bediensteten in einem Omnibus und einem Personenkraftwagen auf Waldwegen in Richtung Waldmohr. Artilleriefeuer aus 3 Richtungen auf die Hauptstraßen. Hinter den Fahrzeugen werden die vorbereiteten Panzer-Baumsperren geschlossen. Gegen Morgen Auftanken der Fahrzeuge und Übernahme größerer Treibstoffreservemengen in Kanistern, Fässern und sogar in gläsernen Säureballons (!) im Kraftwagenstützpunkt Waldmohr.
Gegen 5 Uhr Durchfahrt durch Landstuhl, das um 20 Uhr von der generischen Panzerspitze erreicht wird. Weiterfahrt über Kaiserslautern bis Hochspeyer, wo die beiden Fahrzeuge um
7,30 Uhr in einen heftigen Jagdbomberangriff geraten. Zur Vermeidung von Verlusten marschieren die Fahrgäste des Omnibus zu Fuß von Hochspeyer über Johanniskreuz – Schwarzbach nach Speyerbrunn. PKW und unbesetzter Omnibus fahren getrennt nach Speyerbrunn. Auf Johanniskreuz nochmaliger Jagdbomberangriff, der ohne Verluste an Menschen und Fahrzeugen überstanden wird. Nach Beginn der Dunkelheit gegen 20 Uhr Aufbruch mit dem wieder besetzten Omnibus von Speyerbrunn, der 22 Uhr Neustadt erreicht, wo behelfsmäßig in den Räumen des TBA Neustadt und im Lehrlingsheim übernachtet wird.
Gegen 16 Uhr haben amerikanische Panzerspitzen von Norden her bereits Worms und Monsheim mit Richtung auf Neustadt erreicht.
Auch in Saarbrücken bricht im Morgengrauen des 19. März die Kolonne des FA- Restkommandos unter Führung des Amtsvorstehers Postrat Dipl.-Ing. Jörns mit etwa 30 Personen (darunter auch noch einige weibliche Bedienstete) über Landsweiler – Höcherberg – Landstuhl nach Osten auf. Ankunft in Haßloch am 20. März morgens 2 Uhr.
Zusammen mit dem FA-Restkommando startet ebenfalls das Restkommando des PA 2 Saarbrücken in einem Kraftomnibus auf dem gleichen Weg Richtung Haßloch.
In den Morgenstunden des 19. März wird auch vom Rastpfuhl am Nordeingang von Saarbrücken her das Geräusch herannahender Panzer hörbar.
Auch das in Saarbrücken noch verbliebene Restkommando des TBA Saarbrücken verläßt daher die Stadt. Die Orts- und Bezirkskabelmeßstelle des TB trifft mit der gleichzeitig von Urexweiler aufgebrochenen Fernkabelmeßstelle in der Verstärkerstelle Lothringer Dell bei Kaiserslautern zusammen und zeiht sich nach Neustadt zurück. Ebenso begibt sich der Führungsstab des TBA vom Hochbunker Richard-Wagner-Starße zu den TBA-Unterkünften bei Kusel, Rammelsbach und Türkismühle und beginnt mit der Rückführung von Personal, Fahrzeugen und Material in Richtung Neustadt. Im weiteren Verlauf des Tages besetzen amerikanische Truppen das PA- Gebäude in Kusel und stoßen bis Otterbach vor. Etwa 10 Männer des TBA Saarbrücken werden in den Ausweichunterkünften Rammelsbach und Kusel zur Bewachung der Bauzeug- und Gerätebestände zurückgelassen. Die Bautruppe und das Personal der Fernmeldebaubezirke verbleiben ebenfalls zu größten Teil in ihren Dienststellen im Saarland. Insgesamt sammeln sich im Laufe des 19. März unter Führung ihres Amtsvorstehers etwa 80 Personen mit 24 Kraftfahrzeugen des TBA Saarbrücken beim TBA Neustadt.
Panzerdivisionen der aus der Eifel auf den Rhein bei Oppenheim vorgehenden 3. amerikanischen Armee unter General Patton schwenken nach Süden ab. Sie dringen im Laufe des 19. März außer in Saarbrücken und Kusel auch in Mainz und Bad Kreuznach ein und vereinigen sich mit der 7. amerikanischen Armee (General Patch), die aus dem Saartal nach Osten vorgeht. Die deutsche Wehrmacht zieht sich fluchtartig zurück, so daß es nicht mehr zu nennenswerten Kämpfen und Kriegsschäden kommt.

20. März 1945

Die feindliche Tieffliegertätigkeit ist den ganzen Tag über äußerst heftig und unterbindet jeglichen Fahrzeugverkehr in der Vorderpfalz und Südpfalz.
Morgens zieht sich die deutsche Wehrmacht aus Kaiserslautern zurück. Der Versuch, vorher den Kabeleinführungsraum des immer noch in Betrieb befindlichen Fernsprechamtes zu sprengen, wird durch energisches Auftreten des Personals verhindert. Jedoch kann die Sprengung der beiden Antennentürme des Rundfunksenders Kaiserslautern nicht verhindert werden.
Inzwischen ist Zweibrücken in die Hand des Gegners gefallen. Gegen Mittag rücken amerikanische Truppen in Kaiserslautern ein. Auch die unterirdische Verstärkerstelle im Lothringer Dell ist noch von Postpersonal besetzt. Jedoch sind alle Verstärker- und Wechselstromtelegraphie- Einrichtungen abgeschaltet. Am nächsten Tag wird der Führer des Fernmeldebaubezirks Kaiserslautern von den Amerikanern zum Leiter des Fernmeldedienstes in Kaiserslautern und in den Landkreisen Kaiserslautern, Kirchheimbolanden, Rockenhausen und Kusel ernannt. In den Mittagsstunden stehen die Panzer bereits bei Hochspeyer und gegen Abend in Bad Dürkheim und Frankenthal.

Die Rheinbrücke in Ludwigshafen wird gegen 18 Uhr von der deutschen Wehrmacht gesprengt.

Die in der vorhergehenden Nacht von Saarbrücken in Haßloch eingetroffene Amtsleitung des FA Saarbrücken löst im Laufe des 20. März die dorthin verlagerten FA-Dienststellen (Fernsprechrechnungsstelle, Anmeldedienste, Personalstelle), die bis zu diesem Zeitpunkt ordnungsgemäß den Fernsprechrechnungsdienst für Saarbrücken von hier aus abgewickelt haben, auf. Die Rechnungsunterlagen und Personalakten werden in die Kraftfahrzeuge des FA verladen.
Mit Beginn der Dunkelheit verläßt der tagsüber am Stadtrand getarnt abgestellte Kraftomnibus mit dem

Einsatzstab F Neustadt in Richtung Speyer, wo er 21,30 Uhr im Hof des RPD-Gebäudes ankommt.

IV
Rückführung der Dienststellen und Ämter der Reichspostdirektion Saarbrücken über den Rhein nach der vollständigen Besetzung des Bezirkes

Schon vor Beginn der alliierten Invasion war vom Reichspostministerium angeordnet worden, daß beim Eindringen des Gegners das Personal der RPD Saarbrücken nach Osten ausweichen, nach vollständiger Besetzung des RPD-Bereichs über den Rhein zurückgehen und Bergungsgebiete rechts des Rheins aufsuchen sollte. Diese Absetzung über den Rhein war obligatorisch vorgeschrieben für alle Männer bis zum 45. Lebensjahr vor allem in den Dienststellen des Fernmelde-, Kraftfahr- und Postfachdienstes, soweit sie noch rechtzeitig zusammengezogen werden konnten. Über den Rhein mitzuführen waren dabei möglichst sämtliche Kraftfahrzeuge, Wertgegenstände, wertvolles Betriebsgerät und Bauzeug sowie alle wichtigen Betriebs-, Kassen- und Personalunterlagen, um ihre Beschädigung oder ihren Verlust zu vermeiden. Als Bergungsgebiet für die RPD Saarbrücken waren zunächst Gebiete im Bereich der Reichspostdirektion Nürnberg und Stuttgart vorgesehen.

Als nach dem 15. März 1945 mit Sicherheit anzunehmen war, daß das linke Rheinufer nicht gehalten werden konnte, wurde von der RPD-Leitung als Sammel- und Ablaufpunkt für den Rheinübergang Speyer festgelegt. Vom Kraftfahrlinienreferat wurde vom 20. März an im RPD- Gebäude Speyer mit der Ausschreibung und Übergabe der Marschbefehle für die einzelnen Rückführungskolonnen begon- nen. Nicht alle Männer unter 45 Jahren konnten dabei erfaßt werden, da besonders kleine abgelegene Außenstellen oder einzeln tätige Kräfte nicht mehr rechtzeitig verständigt werden konnten oder keine Transportmöglichkeit hatten und deshalb im linksrheinischen gebiet vom Gegner überrollt wurden. Einige wenige Bedienstete unterhalb der Altersgrenze glaubten auch, nicht mehr die eindeutigen Anordnungen ihrer vorgesetzten Dienstbehörde befolgen zu müssen und zogen aus persönlichen oder familiären Gründen vor, sich von ihrer Dienststelle eigenmächtig abzusetzen und im linksrheinischen Gebiet zu verbleiben. Dafür schlossen sich zahlreiche Postangehörige über 45 Jahren und viele weibliche Kräfte freiwillig der Rückführung über den Rhein an, sei es aus besonders starkem Pflichtbewußtsein, sei es, daß ihre Angehörigen bereits in das rechtsrheinische Gebiet zurückgeführt waren, oder daß sie links des Rheines nichts mehr zu verlieren hatten.

Nach Kriegsende und Rückkehr des Personals in seinen Heimatbezirk wurde vereinzelt von den berechtigt oder unberechtigt zurückgebliebenen Postangehörigen versucht, die Rückkehrer, die in Erfüllung ihrer Dienstpflicht sich befehlsgemäß über den Rhein abgesetzt hatten, zu diffamieren und sie als “Kriegsverlängerer” zu bezeichnen. Man mag darüber denken, wie man will. Fest steht jedenfalls, daß fast sämtliche zurückgeführten Kraftfahrzeuge und die in die rechtsrheinischen Bergungsgebiete verlagerten lebenswichtigen Geräte und Materialmengen zum größten Teil wieder in den RPD-Bezirk zurückgebracht wurden und für den Wiederaufbau zur Verfügung standen. Die wenigen im Bezirk zurückgelassenen Kraftfahrzeuge, deren Bergung nicht mehr möglich gewesen war, wurden bei der Besetzung durch den kriegsmäßig vorgehenden Gegner entweder vernichtet, militärisch beschlagnahmt oder von Zivilisten entwendet oder bis auf das Fahrgestell ausgeschlachtet. Ähnlich erging es mit dem beweglichen Gerät und Material, soweit es auch für militärische oder private Zwecke verwendbar und begehrenswert war. Im Gegensatz zu den rechtsrheinischen Bergungsgebieten im innern des Reiches, wo die Besetzung nahezu kampflos vor sich ging, fand linksrheinisch der Gegner keine Zeit, sich mit Waffengewalt rasch vorkämpfend, auch noch womöglich Rücksicht auf die für die spätere Wiederaufnahme des zivilen Post- und Fernmeldedienstes unentbehrliche Sachgüter der DBP zu nehmen und sie gegen Vernichtung und Entwendung zu schützen. Nach der Besetzung von Speyer z.B. wurden sogleich sämtliche männlichen Einwohner unter 45 Jahren, soweit sie sich nicht verbergen konnten, auf den Straßen zusammengetrieben und im Zuchthaus Bruchsal wochenlang interniert. Das ganze RPD- Gebäude wurde als Truppenunterkunft beschlagnahmt. Das gesamte Schriftgut, alle Akten und Geräte, die in den Räumen im Wege waren, – glücklicherweise waren die wichtigen technischen sowie Kassen- und Personalunterlagen mit über den Rhein zurückgeführt worden – wurden kurzer Hand aus den Fenstern in die Höfe hinuntergeworfen, wo sie verrotteten, da kein Postangehöriger das Gebäude betreten durfte.

Für den gerade in der Pfalz und im Saarland so überraschend begrüßenswert schnellen Wiederaufbau und die unverzügliche Ingangsetzung des seit dem 20. März 1945 völlig unterbrochenen Fernmeldedienstes war in erster Linie ausschlaggebend, daß schon wenige Wochen nach Kriegsende das unverzögert und geschlossen zurückkehrende Fachpersonal wieder zur Verfügung stand und die im Reichsinnern geborgenen Kraftfahrzeuge, Geräte und Baustoffe sofort zurückgebracht und eingesetzt werden konnten.

So betrachtet, haben sich die Anstrengungen, Entbehrungen und Gefährdungen, die mit der nachstehend geschilderten vorübergehenden Unterbringung von Personal und Sachgütern im rechtsrheinischen Bergungsgebiet und mit ihrer Rückkehr in das Heimatgebiet nach Kriegsende verbunden waren, als durchaus gerechtfertigt erwiesen.

21. März 1945

Bereits am Abend vorher gegen 21 Uhr haben die Omnibusse und sonstigen Fahrzeuge der RPD über die Rheinbrücke Speyer in Richtung Heidelberg verlassen. Sie sind voll mit Geräten, Akten und sonstigem Schriftgut beladen, so daß sich das RPD-Personal zu Fuß nach Heidelberg in Marsch setzen muß, wo es in den ersten Morgenstunden im Hof des Postamtes ankommt.
Kurz nach Mitternacht um 0,30 Uhr überschreitet das Personal des Einsatzstabes F mit seinem Omnibus die Speyerer Rheinbrücke und passiert gegen 5 Uhr morgens Heidelberg. Das Fahrzeug wird tagsüber im Wald bei Petersthal 6 Km nordostwärts Heidelberg getarnt abgestellt, wo das Personal bis zum nächsten tag Notquartier im Forsthaus bezieht.
Um 3 Uhr morgens ist die Kolonne des FA Saarbrücken von Haßloch aufgebrochen, während bereits am anderen Ortsende die Panzer des Gegners die Straßensperren beschießen und durchbrechen. Sie kommt gegen 7 Uhr im OPD-Gebäude Speyer an, wartet den Einbruch der Dunkelheit ab und passiert um 19 Uhr die Rheinbrücke mit Ziel Heidelberg – Schweinfurt. Gegen Abend trifft von Neustadt aus die aus 24 Fahrzeugen bestehende Kolonne des TBA Saarbrücken in Speyer ein, die um 22 Uhr über die Rheinbrücke das RPD-Gebiet verläßt und über Heidelberg den zunächst vorgesehenen Bergungsort Pfedelbach bei Öhringen ansteuert.
Anschließend daran begeben sich auch der Leiter des Einsatzstabes F und sein Vertreter im Personenkraftwagen nach Heidelberg und von dort nach Petersthal zu ihrer Einheit.
Wenige Stunden später wird noch nachts die Speyerer Rheinbrücke gesprengt.
Im Laufe des 21. März haben die Panzerspitzen des Gegners Lambrecht, Frankenthal und Ludwigshafen-Oggersheim erreicht und dringen gegen 18 Uhr in Neustadt ein.
Von Süden kommend erreicht der Gegner Bergzabern

22. März 1945

Das TBA Neustadt war bereits am 19.3. von der RPD-Leitung beauftragt worden, mit seinem technischen Personal, den Kraftfahrzeugen, wichtigem Baugerät und Bauzeug den Rhein zu überschreiten und sich in einer in Nußdorf bei Vaihingen (Enz) vorbereiteten Ausweiche zu sammeln.
In den ersten Morgenstunden des 22. März überschreitet das TBA nach Sammlung in Speyer mit etwa 120 Mann in einzelnen Gruppen den Rhein über die noch intakte Brücke bei Germersheim und erreicht wenig später das Reiseziel Nußdorf. Es handelt sich vor allen Dingen um die Amtslei- tung, die Kabelmeßstelle und die Baubezirke von Neustadt und Ludwigshafen. Die übrigen Baubezirke verbleiben zum größten Teil in den nunmehr besetzten Teilen der Pfalz.
Die Städte Landau und Pirmasens werden von dem aus Nordwesten anrückenden Gegner besetzt. In Pirmasens hat die deutsche Wehrmacht vor ihrem Abmarsch die automatische Ortsfernsprechvermittlung der DRP fast völlig zerstört.
In den Morgenstunden des 22. März erreicht die Kolonne des TBA Saarbrücken nach ununterbrochener Nachtfahrt die vorgesehene Ausweichunterkunft Pfedelbach bei Öhringen, wo bereits ein Lager mit zurückgeführten Apparaten und Fernmeldebauzeug besteht. Die Zahl von 80 Personen, mit denen der RPD-Bereich verlassen wurde, ist inzwischen durch Abgabe an andere RPD-Bezirke auf 58 zusammengeschmolzen.
Gegen 12 Uhr trifft der Einsatzleiter F bei dem im Wald bei Petersthal abgestellten Omnibus seiner Dienststelle ein. Wegen der starken Fliegertätigkeit kann der Weitermarsch erst gegen 22 Uhr in Richtung Würzburg über eberbach – Mudau – Walldürn angetreten werden.
Die FA-Kolonne Saarbrücken hat um 6 Uhr morgens Schweinfurt erreicht und setzt ihre Fahrt gegen 18 Uhr nach Münnerstadt bei Bad Kissingen fort, das um 23 Uhr erreicht wird und wo Quartiere bezogen werden.
Die 3. amerikanische Armee unter General Patton ist durch die Eifel zum Rhein vorgestoßen und hat bei Oppenheim den zweiten Brückenkopf rechts des Rheins gebildet.

23. März 1945

In Ludwigshafen dringen die Amerikaner in die Innenstadt ein. Der Betrieb des Notortsamtes und des Fernamtes im Bunker wird von der DRP am Nachmittag eingestellt. Die Einrichtungen (Glühlampenschränke) werden von der deutschen Wehrmacht bei ihrem Abzug zerstört. Gegen 19 Uhr setzen die noch in Ludwigshafen befindlichen Kräfte des TBA Neustadt (ein bezirksbauführer und zwei Bautruppführer) mit einem Boot der Wehrmacht über den Rhein und erreichten die TBA-Kolonne Neustadt am nächsten Tag in Nußdorf bei Vaihingen.
Der Einsatzstab F erreicht nach Durchfahrt durch das zerstörte Würzburg und kurzer Pause in Werneck um 13 Uhr Bad Kissingen. Hier gemeinschaftliche Übernachtung im großen Saal des Kurhauses, das als Auffanglager eingerichtet ist.

24. März 1945

Als Bergungsort für sämtliche zurückgeführten Dienststellen der RPD sowie des FA und PA 2 Saarbrücken ist nach dem Rückführungsplan der kleine Ort Münnerstadt 10 Km nordostwärts Bad Kissingen vorgesehen. Hier sind in der Zeit vom 22. bis 24. März diese Einheiten eingetroffen. Da für die 12 Personen des getrennt marschierenden Einsatzstabes F bei ihrer Ankunft im überfüllten Münnerstadt keine Quartiere mehr zu haben sind, wird als Auffangort Sulzthal, Sitz einer Fernkabelverstärkerstelle der RPD Nürnberg, 10 Km südwestlich Bad Kissingen gewählt und die Abwicklungsstelle des Einsatzstabes F im Gasthaus Hesselbach eingerichtet.
Links des Rheines haben am 24. März die Amerikaner Speyer von Neustadt her und Germersheim von Bergzabern her erreicht und besetzt.

25. März 1945

Darmstadt wird von amerikanischen Einheiten genommen.

26. März 1945

Der Einsatzstab F nimmt in Sulzthal im Gasthof Hesselbach den Dienstbetrieb auf, wo auch die gemeinsame Verpflegung vereinbart wird. Das Büro ist über dem Hauptanschluß des Gasthauses und die Dienstleitungen der Verstärkerstelle Sulzthal zu erreichen. Die Privatquartiere werden bezogen. Mit der RPD-Leitung und den anderen Dienststellen in Münnerstadt wird fernmündlich und durch eine tägliche Dienstfahrt des Einsatzleiters F Verbindung gehalten.
Die Panzerspitzen des Gegners sind inzwischen bis Lohr und Gemünden am Main nordwestlich Würzburg vorgerückt.
Auf Anordnung der RPD-Leitung wird daher das TBA Saarbrücken von Pfedelbach bei Öhringen nach Pfaffenhofen bei Aichach (RPD-Bezirk München) in Marsch gesetzt und belegt dort Räume in der Verstärkerstelle und in der Schule.

27. März 1945

Der Gegner ist mit Panzern bis Hammelburg, 12 Km westlich von Sulzthal, durchgebrochen.

28. März 1945

Die in Hammelburg eingebrochenen Panzer werden vernichtet. Vorübergehend festigt sich die Lage in diesem Abschnitt. Trotzdem wird alles für einen schnellen Aufbruch des Einsatzstabes F von Sulzthal vorbereitet. Die Akten werden gesichtet und ausgesondert, die Fahrzeuge beladen.

29. März 1945

Auf Anordnung des Reichspostministeriums werden der Amtsvorsteher Dipl.-Ing. Bach und sein Abteilungsleiter Technischer Telegraphenoberinspektor Sauerbrey vom TBA Neustadt in der Ausweichunterkunft Nußdorf bei Vaihingen zum Einsatz im Bereich der RPD Chemnitz abgeordnet. Die Amtsleitung in Nußdorf übernimmt der Technische Telegraphenoberinspektor Frenzel. Vom Personal des TBA Neustadt in Nußdorf wird eine größere Zahl der zurückgeführten Kräfte mit ihren Kraftfahrzeugen zur Dienstleistung an benachbarte süddeutsche Reichspostdirektionen abgegeben.
Die 7. amerikanische Armee (General Patch) überschreitet bei Worms den Rhein, besetzt Mannheim, nimmt mit der nördlich vorgehenden 3. amerikanischen Armee (General Patton) Verbindung auf und dringt weiter im Neckartal aufwärts.

30. März 1945

Das TBA Saarbrücken wird von Pfaffenhofen im Bezirk der RPD München nach Ried über Mering im RPD-Bezirk Augsburg umgesetzt. Dort weitere Abgabe von Personal an bayerische Reichspostdirektio- nen. Es verbleibt noch ein Bestand von 28 Personen und 24 Kraftfahrzeu- gen.

31. März 1945

Jagdbomberangriff auf Münnerstadt. Das PA Saarbrücken hat dabei einen Toten und mehrere Verletzte zu beklagen.
Die 1. französische Armee unter General de Lattre de Tassigny überschreitet den Rhein zwischen Speyer und Maximiliansau, besetzt Karlsruhe und dringt bis Heilbronn und Pforzheim vor.

01. April 1945
Ostersonntag

Erneuter Jagdbomberangriff auf Münnerstadt. Beim Personal der RPD Saarbrücken ein Toter und drei Verletzte. Bürgermeister und Bevölkerung von Münnerstadt, die Bisher noch nicht die letzten Phasen eines Krieges kennengelernt haben, sind der Meinung, daß die Anwesenheit der DRP-Stellen im Ort Anlaß für die Luftangriffe seien und drängen auf Abmarsch der DRP- Einheiten. Da auch mit einer baldigen Besetzung durch den Gegner zu rechnen ist, entschließt sich die RPD-Leitung, den bisherigen Auffangraum Bad Kissingen – Sulzthal – Münnerstadt zu verlassen und als endgültiges Bergungsgebiet den südlichen Teil des RPD-Bezirks Augsburg zu wählen.
Um Mitternacht setzt sich bereits die Kolonnen des FA Saarbrücken mit dem Ziel Forchheim von Münnerstadt ab.

02. April 1945

Gegen Abend brechen die Fahrzeugkolonnen der RPD und des PA Saarbrücken mit etwa 70 Kraftfahrzeugen (vorzugsweise Omnibusse) von Münnerstadt nach Forchheim auf, nachdem der Personalstand durch weitere Abgaben an RPD München herabgesetzt wurde. Forchheim wird am 03. April morgens erreicht und in einem Wald nahe bei der Stadt ein Ausweichlager fliegergetarnt errichtet.

03. April 1945

Um 5 Uhr verläßt auch der Einsatzstab mit seinen beiden Fahrzeugen sein Quartier in Sulzthal und erreicht über Schweinfurt – Bamberg gegen 8 Uhr das Ausweichlager im Forchheimer Wald. Hier werden die Fahrzeuge aus den bei der RPD-Kolonne mitgeführten Tank- und Werkstattwagen versorgt. Gegen 19 Uhr bricht der Einsatzstab F aus dem Forchheimer Wald in Richtung Nürnberg mit dem Endziel Augsburg auf, während die Kolonne der RPD und das PA 2 Saarbrücken noch 2 Tage im Forchheimer Wald verbringen. Das völlig zerstörte Nürnberg wird durchfahren und gegen 22 Uhr wird Roth erreicht, wo im Postamt durch das außerordentliche Entgegenkommen des Amtsvorstehers die Nacht verbracht werden kann.
Am gleichen Morgen begibt sich das TBA Neustadt mit dem noch nicht untergebrachten Rest des Personals von Nußdorf bei Vaihingen zur RPD Stuttgart, wird aber dort sogleich zum TBA Tübingen weitergeleitet, das noch voll in Betrieb ist. Die Neustädter werden im Lehrlingsheim untergebracht und mit ihren Fahrzeugen und Geräten für Arbeiten im TBA-Bereich Tübingen eingesetzt.

04. April 1945

14,50 Uhr Aufbruch des Einsatzstabes F vom PA Roth in Richtung Augsburg über Donauwörth zum Schloßgut Scherneck, 12 Km nördlich Augsburg, wo der Schloßherr entgegenkommend Aufenthalt, Unterkunft und Verpflegung für 2 Tage gewährt. Das FA Saarbrücken verläßt um 23 Uhr das Ausweichlager im Forchheimer Wald und erreicht am folgenden Tag um 18 Uhr Lechbruck im Allgäu, das ihm als Bergungsort angewiesen wird.

06. April 1945

Die Kolonnen der RPD und des PA 2 Saarbrücken verlassen den Lagerplatz im Wald bei Forchheim und sammeln sich im RPD-Gebäude Augsburg. Dort trifft auch gegen Mittag der Einsatzstab F von Schloß Scherneck ein.
Die endgültigen Unterkünfte für die verschiedenen Einheiten werden festgelegt.
Die RPD-Dienststellen (ohne Fernmeldeabteilung) werden in Nesselwang und Lechbruck unterge- bracht. Für die Fernmeldeabteilung wird das Dorf Ried über Mering, 14 Km südostwärts von Augsburg auf der rechten Lechseite bestimmt, wo sich seit dem 30. März bereits das TBA Saarbrücken befindet. Das FA Saarbrücken muß die schon in Lechbruck bezogenen Quartiere für die RPD freimachen und in der Nacht vom 06. auf 07. April ebenfalls endgültig nach Ried umziehen, das am 07. April gegen 13 Uhr nach 19 Tagen seit dem Abmarsch von Saarbrücken und nach einer Fahrt von über 1000 Km erreicht wird.
Auch die kleine Kolonne des PA Völklingen wird in Ried untergebracht, wodurch das kleine Dorf nunmehr voll belegt ist.
Der Einsatzstab F bezieht deshalb in der Kleinstadt Friedberg gegenüber Augsburg auf der rechten Lechseite und 10 Km nördlich Ried sein endgültiges Quartier.
Dem PA 2 Saarbrücken wird der Ort Trauchgau im Allgäu zugewiesen. Damit haben bis zum 07. April alle aus dem Saarland zurückgeführten Dienststellen ihr Endziel erreicht.

07. April 1945

In einem Klassenzimmer der Schule Ried wird das Abwicklungsbüro der RPD- Fernmelde- abteilung eingerichtet. Mit der Sichtung der zurückgeführten Unterlage und Akten wird begonnen. Weitere entbehrliche Kräfte der Fernmeldeabteilung einschließlich Einsatzstab F werden an die RPD Augsburg abgegeben. Der Einsatzstab F richtet sein Büro in der Packkammer des benachbarten PA Friedberg ein.

17. April 1945

Schwerer Luftangriff auf Tübingen. Der Einmarsch des Gegners steht bevor. Deshalb bricht das Restkommando des TBA Neustadt in der Nacht zum 18. April über Urach in Richtung Augsburg auf, um den allgemeinen Sammelpunkt der RPD Saarbrücken zu erreichen.

19. April 1945

Gegen Morgen gerät die TBA-Kolonne Neustadt in einem Wald bei Sontheim in einen Tieffliegerangriff, der aber durch Tarnung im Wald ohne Verluste an Menschen und Fahrzeugen überstanden wird.

20. April 1945

Gegen 18 Uhr findet ein Angriff von 9 Jagdbombern auf das Bahnhofs- und Postamtsgelände von Friedberg statt, das mit Bomben und Bordwaffen angegriffen wird. Geringfügige Schäden am PA- Gebäude, jedoch keine Verluste beim Personal des Postamtes und des Einsatzstabes F. Der Angriff kann nach den bisherigen Erfahrungen als leicht bezeichnet werden. Trotzdem herrscht bei der Bevölkerung von Friedberg größte Aufregung, da es sich um den ersten feindlichen Angriff seit Kriegsbeginn handelt und Friedberg somit seine Feuertaufe erhält.

21. April 1945

Nach Weiterfahrt während der Nachstunden erreicht die Neustadter TBA-Kolonne gegen Morgen Riedlingen, wo die RPD Stuttgart bereits ihr Ausweichquartier bezogen hat und alle Unterkünfte belegt sind. Deshalb begibt sich die TBA-Kolonne bei Anbruch der Dunkelheit auf die Weiterfahrt nach Ochsenhausen.

22. April 1945

Weiterfahrt der TBA-Kolonne Neustadt am Morgen bis Osterberg bei Kellmünz (Iller), wo es gelingt, Quartiere zu finden. Da der Gegner sehr schnell auch in dieses Gebiet nachrückt, wird das Personal zum größten Teil entlassen und ihm nach Ausfertigung von Marschbefehlen freigestellt, auf eigene Faust den Rückweg in die Heimat anzutreten. Der Rest von 7 Bediensteten des TBA Neustadt verbleibt bis zum Einrücken des Gegners in Osterberg.

26. April 1945

Die Amerikaner erreichen Osterberg. Die 7 hier verbliebenen Beamten des TBA Neustadt treten den Rückweg nach Neustadt an, das sie in langwierigen Fußmärschen am 12. Mai 1945 erreichen.

27. April 1945

Die Amerikaner nähern sich von Dillingen her der Stadt Augsburg. Die Einwohner von Friedberg protestieren vor dem Rathaus gegen die Fortsetzung des Widerstandes und erreichen die Genehmigung zur Beseitigung der an den Ortseingängen errichteten Panzersperren. Mit Feuereifer wird sogleich damit begonnen, was zunächst durch einsetzendes Hagelwetter und später durch Einheiten der Waffen-SS behindert wird, die rechts und links vor dem Ort Feldgeschütze in Stellung bringen.
Die Starkstromversorgung setzt aus, da vermutlich das die Stadt Augsburg und ihre Umgebung versorgende Lechkraftwerk ausgefallen oder feindbesetzt ist.
Im Laufe des 27. April besetzen amerikanische Truppen auch das Allgäu und damit die Orte Nesselwang, Lechbruck und Trauchgau, wo die RPD Saarbrücken (ohne Fernmeldeabteilung) sowie das PA 2 Saarbrücken untergebracht sind.

28. April 1945

Kurz nach Mitternacht wird durch 5 Minuten langes Heulen der Augsburger Luftschutzsirenen Panzeralarm gegeben. Gleichzeitig beginnt stärkeres Artilleriefeuer auch auf Friedberg, das von den rechts und links des Ortes in Stellung gegangenen deutschen Batterien der Waffen-SS erwidert wird. Die Bevölkerung sucht Schutz in den zum großen Teil sehr behelfsmäßigen Luftschutzräumen. Auch in der Nähe des Postamtsgebäudes Friedberg sind Artillerieeinschläge hörbar, wobei es sich anscheinend um leichtere Kaliber handelt und Personenverluste nicht zu beklagen sind.

29. April 1945
Sonntag

Das Artilleriefeuer hat aufgehört. Die Waffen-SS hat sich anscheinend abgesetzt. Friedberg beweist durch

einen Wald weißer Fahnen, die von der Bevölkerung unter Verwendung von Betttüchern und Besenstielen aus allen Fernstern herausgehängt werden, seine Bereitschaft zur kampflosen Übergabe.
Gegen Mittag ziehen bei strahlendem Sonnenschein die amerikanischen Panzer und motorisierten Infanteriekolonnen ein. Die Bevölkerung muß sich in ihren Häusern halten – der Einsatzstab F im PA-Gebäude – , die von den Amerikanern einzeln durchgekämmt werden.
Zur gleichen zeit rücken in Ried ebenfalls die Panzer des Gegners ein und ergreifen Besitz von der Ortschaft.
Damit sind auch die letzten zurückgeführten Dienststellen der RPD Saarbrücken – 38 Tage nach Aufgabe des RPD-Bezirks und 10 Tage vor dem Waffenstillstand – überrollt.

V
Heimkehr

Sobald nach der deutschen Kapitulation am 08. Mai 1945 die Waffenruhe eingetreten war, versuchten die in Friedberg bei Augsburg und im Allgäu (Nesselwang, Lechbruck, Trauchgau) endgültig untergebrachten Einheiten der RPD mit allen Mitteln, möglichst bald in ihren Heimatbezirk Saarbrücken zurückzukommen, um dort ihre Arbeit aufnehmen zu können. Das war insofern besonders schwierig und langwierig, weil nicht nur jede einzelne Person namentlich in den Passierscheinen aufgeführt sondern auch für die Rückfahrt der zahlreichen Kraftfahrzeuge und des mitgeführten Bergungsgutes entsprechende Genehmigungen und Fahrbefehle bei der Besatzungsmacht erwirkt werden mußten.

Am schnellsten gelang das bei dem sehr entgegenkommenden amerikanischen Stadtkommandanten von Friedberg, der bereits am 13. Mai – 5 Tage nach dem Waffenstillstand – die erforderlichen Ausweise für die in Ried bzw. Friedberg zum Aufbruch bereitstehenden Kolonnen des Fernmeldedienstes ausstellte.

Durch die vorangegangenen Abgaben von Personal an die bayerischen Reichspostdirektionen waren die Fernmeldeabteilungen der RPD in Ried und der Einsatzstab F in Friedberg auf insgesamt 14 Köpfe (11 Männer und 3 Frauen) zusammengeschmolzen, für deren Rücktransport die beiden Fahrzeuge des Einsatzstabes F (1 Omnibus und 1 Personenkraftwagen) ausreichten.

Das FA Saarbrücken in Ried umfaßte zusammen mit den noch verbliebenen 3 Kräften des PA Völklingen, die sich dem FA angeschlossen hatten, 26 Personen mit etwa 8 Kraftfahrzeugen. Die dritte Kolonne bildete das TBA Saarbrücken mit 26 Köpfen und 24 Kraftfahrzeugen.

Am Morgen des 14. Mai 1945 brachen diese drei Kolonnen mit zusammen 34 Kraftfahrzeugen gemeinsam von Ried über Friedberg nach Westen auf. In Ulm mußten neue Passierscheine und Fahrbefehle von der Besatzungsdienststelle erbeten werden, die westlich der Donau zuständig war. Schon wegen der schwierigen Quartierbeschaffung für die Übernachtungen erwies es sich als zweckmäßig, von Ulm aus jede der 3 Kolonnen getrennt und selbständig fahren zu lassen. Meistens mußten dabei die Hauptstraßen gemieden werden und Nebenstraßen benutzt werden.

Die Kolonne der RPD-Fernmeldeabteilung kam am 14. Mai abends bis Donzdorf nördlich von Geislingen. Am 15. Mai wurde die Fahrt nach Heilbronn fortgesetzt, wo neue Fahrgenehmigungen besorgt werden mußten, die bis Mannheim Gültigkeit hatten. Die Nacht auf den 16. Mai wurde in Rohrbach, 22 Km westlich Heilbronn, verbracht Mannheim wurde nachmittags erreicht, die Genehmigung zur Überschreitung der Behelfsrheinbrücke nach Ludwigshafen aber erst für den 17. Mai erteilt. Die Nacht mußte deshalb in den beiden Fahrzeugen überstanden werden. Am Morgen des 17. Mai konnte dann endlich wieder der Boden des Heimatbezirks in Ludwigshafen betreten werden. Der größte Teil des RPD-Bezirks war zu dieser Zeit von amerikanischen Truppen besetzt. Nur die Südpfalz mit Speyer, Landau, Germersheim war in der Hand der französischen Besatzungsmacht. Die Demarkationslinie verlief vom Rheinufer über Limburgerhof in westlicher Richtung. Ursprünglich war als Endziel für die Rückfahrt das RPD-Gebäude in Speyer, von dem die Verlagerung über den Rhein ausgegangen war, vorgesehen. Vorsichtshalber rückte die Fernmeldeabteilung mit ihren beiden Fahrzeugen zunächst nur bis zur BASF-Siedlung 3 Km nördlich Speyer vor und bezog dort Privatquartiere. Am nächsten Tag, den 18. Mai, wurde durch ein Erkundungskommando zu Fuß in Speyer festgestellt, daß das RPD-Gebäude von französischen Truppen belegt sei und das auf Anordnung der Amerikaner in Neustadt (im amerikanischen Sektor der Pfalz) eine Oberpostdirektion Mittelrhein-Saar im Aufbau sein. Vor einer Einfahrt in Speyer wurde dringend gewarnt, da mit der Beschlagnahme der Kraftfahrzeuge durch die französische Besatzung gerechnet werden mußte. Nach einer weiteren Übernachtung in der BASF-Siedlung setzte sich daher die Kolonne am Morgen des 19. Mai (Pfingstsamstag) von der Siedlung aus unter Umgehung von Speyer nach Neustadt an der Weinstraße in Marsch, wo die mitgeführten Akten und Geräte dem Leiter der unter amerikanischer Aufsicht neu eröffneten Oberpostdirektion Mittelrhein-Saar zur Verfügung gestellt.

Die Kolonne des FA Saarbrücken erreichte zusammen mit der Kolonne des TBA Saarbrücken nach der Trennung von der Fernmeldeabteilung in Ulm und nach zwei Übernachtungen in Michelbach bei Öhringen und in Heuberg bei Heilbronn am 16. Mai die bei Speyer über den Rhein führende Behelfsschiffbrücke, die zu Fuß überschritten werden mußte, während die Wagen nur mit den Fahrern die Brücke leer passieren durften. In Schwegenheim wurden die beiden Kolonnen durch die französische Militärpolizei festgehalten und scharf kontrolliert. Erst am nächsten Tag, den 17. Mai, durften die Fahrzeuge des FA Saarbrücken nach nochmaliger scharfer Kontrolle über Landau – Neustadt – Landstuhl weiterfahren und kamen am Abend in Miesau an, wo die Nacht in den Fahrzeugen verbracht wurde. Am 18. Mai 1945 wurde über Höcherberg Saarbrücken erreicht, wo die Wiedereinrichtung des FA-Betriebes im Gange war.

Die Kolonne des TBA Saarbrücken wurde in Schwegenheim von den Franzosen noch einen weiteren Tag festgehalten. Der Amtsvorsteher wurde vorübergehend verhaftet, ein Personen- kraftwagen wurde beschlagnahmt und am 19. Mai konnte die TBA-Kolonne mit noch 23 Fahrzeugen ihre Fahrt nach Kusel fortsetzen. In der früheren Ausweichunterkunft des TBA in Kusel und Rammelsbach waren bei dem Aufbruch am 19. März – genau vor zwei Monaten – 10 Angehörige des TBA zur Bewachung des Lagers und der Werkstätte zurückgelassen worden. Sie wurden vollzählig vorgefunden. Ebenso waren die Lagervorräte im wesentlichen unversehrt. Mit den Vorbereitungen für die Rückführung nach Saarbrücken wurde sogleich nach Ankunft der TBA-Kolonne begonnen. Nach mancherlei Schwierigkeiten – ein Personenkraftwagen wurde z.B. von einem Fremdarbeiter für persönliche Zwecke gestohlen – konnte die TBA-Kolonnen am 26. Mai 1945 mit 30 Personen in noch 22 Kraftwagen nach Saarbrücken starten, das am gleichen Tage erreicht wurde. Dort wurden Personal, Fahrzeuge und Material von dem unter Leitung des TechnTI Schlicker im Wiederaufbau befindlichen TBA übernommen. Während die zurückverlegten Einheiten des Fernmeldedienstes RPD-Fernmeldeabteilung, FA Saarbrücken und TBA Saarbrücken innerhalb eines Zeitraumes von nur 10 bis 18 Tagen nach dem Waffenstillstand wieder an ihre Arbeitsplätze zurückkehren konnten, hatten die im Allgäu untergebrachten anderen Abteilungen der RPD und das PA 2 Saarbrücken weniger Glück. Schon gleich nach der Besetzung wurden die Postangehörigen mit ihren Fahrzeugen von der amerikanischen Besatzungsmacht vielfältig für Aufräumungs- und Instandsetzungsarbeiten eingesetzt. Ein Teil der männlichen Kräfte wurde sogar in Sammellagern interniert. Nach fast 2 Monaten dauernden Verhandlungen und Personalüberprüfungen wurde endlich die Genehmigung für die Rückkehr der Kolonne, die immer noch über 50 Fahrzeuge umfaßte, bei den Amerikanern erwirkt. Am 28. Juni 1945 konnte zunächst die Kolonne des PA 2 Saarbrücken aufbrechen. 2 bis 3 Tage später folgten die Fahrzeuge der RPD.

Anfang Juli 1945 waren auch diese Einheiten wieder an ihren früheren Dienstort zurückgekehrt und standen für den Wiederaufbau zur Verfügung.

Obwohl die Zukunft zunächst wenig erfreuliche Aspekte aufzuweisen hatte, wurde von allen, die in den letzten Jahren die Unbilden und Schrecken des Krieges bis zum bitteren Ende ausgekostet hatten, der Wegfall der täglichen Bedrohung von Leib und Leben und die Rückkehr in den vertrauten Heimatbezirk von Herzen begrüßt.

Sogleich nach der Rückkehr wurde mit dem Rücktransport der umfangreichen im Rechtsrheinischen geborgenen Lagerbestände begonnen, die fast ausnahmslos vollständig geblieben waren. Ebenso wurden die den rechtsrheinischen Postdienststellen bei der Rückführung zur Verfügung gestellten Kraftfahrzeuge zurückgeholt. Die an die Reichspostdirektionen im Bergungsgebiet abgegebenen Postbediensteten kehrten nach und nach im Laufe des Sommers 1945 zurück und meldeten sich in Saarbrücken bzw. in Neustadt zum Dienst, bis auf die, die aus persönlichen Gründen vorzogen, in anderen Direktionsbezirken zu verbleiben.