Generalpostmeister Heinrich von Stephan

Der Generalpostmeister des Deutschen Reiches und Gründer des Weltpostvereins, Heinrich von Stephan, der in heute noch vorbildlicher Weise das deutsche Postwesen organisiert hatte, war ein Fachmann, wie es in seiner Stellung selten einen geben wird. Denn er hatte von der Pike auf im Postwesen gedient und wußte auf jedem Gebiet dieser so wichtigen Verkehrseinrichtung bis ins kleinste Bescheid.
Stephan liebte es, unvermutet in irgendwelchen Postämtern aufzutauchen und nach dem Rechten zu sehen. Die Postbeamten von Berlin und Umgebung befanden sich daher immer in leiser nervöser Spannung, da der Allgewaltige jederzeit irgendwo auftauchen konnte.
Eines Tages erschien er, nachdem er schon mehrere Ämter überprüft hatte, in einem kleinen uckermärkischen Postamt.
Noch während der ersten Worte, die er mit dem Leiter des Amtes führte, hörte er den Telegraphen ticken. Sofort trat Stephan an den Telegraphentisch und nahm den mit Morsezeichen bedeckten Papierstreifen zur Hand. Er las. Ein Lächeln glitt über sein Gesicht, und schon griff er nach der Morsetaste, um eine Antwort zu senden.
Kopfschüttelnd und nicht ohne Bangen sah der Postamtsleiter diesem Treiben seines höchsten Vorgesetzten zu, der sich bald darauf ohne weitere Kontrollen empfahl.
Kaum war er fort, stürzten die Beamten zum Morsetisch. Zu ihrem Entsetzen lasen sie dort das eben eingelaufene Telegramm:

“achtung – stephan in der gegend – steckt seine nase in alles – achtung”

Mit zitternden Händen suchten die Beamten nach dem Antwortstreifen. Und dort lasen sie:

“nase schon drin – stephan”


Der Hilfspostschaffner Säbelbein

1. Der Hilfspostschaffner Säbelbein lädt für Berlin Pakete ein.
Der Hilfspackmeister Livius schaut treulich, wie er soll und muß,
ob auch Hilfspostschaffner Säbelbein lädt für Berlin Pakete ein.

2. Da naht sich auch Herr Stiefelbrand, der seines Zeichens Praktikant.
Der schauet starr und unverwandt, ob Hilfspackmeister Livius
nachsehe, wie er soll und muß, ob auch Hilfspostschaffner Säbelbein
lädt wirklich die Pakete ein.

3. Darauf kommt wie von ungefähr des Postamts Obersekretär.
Er kontrolliert, ob Stiefelbrand tatsächlich nachprüft unverwandt
ob Hilfspackmeister Livius recht nachschaut, wie er soll und muß,
ob auch Hilfspostschaffner Säbelbein lädt für Berlin Pakete ein.

4. Zuletzt tritt aus dem Bahnhofstor der Postdirektor selbst hervor.
Sein Adlerblick, er blitzt daher: ob auch der Obersekretär
sich überzeugt, daß Stiefelbrand, nachschaue starr und unverwandt
wie Hilfspackmeister Livius sich überzeugt, so wie er muß,
daß Hilfspostschaffner Säbelbein lädt sämtliche Pakete ein.

5. Das Zeichen kommt, fort fährt der Zug.
Doch leider war nicht Zeit genug, daß Hilfspostschaffner Säbelbein
lud sämtliche Pakete ein.
Es blieb, oh böses Mißgeschick, der Ladung Hälfte noch zurück.

6. Der Postdirektor Lobesam enteilt viel schneller als er kam.
Der treue Obersekretär klabastert spornstreichs hinterher.
Worauf der junge Praktikant im Wartesaale 1 verschwand.
Und Livius kippt, ganz ohne Zorn, in 4. Klasse einen Korn.

Auf dem Bahnsteig steht jetzt ganz allein
der Hilfspostschaffner Säbelbein.
Und spricht: „so geht es allemal,
weil Mangel ist am Personal“.


Verwendung des Sammelbegriffs „Postkunde“ als Sammelanrede in Postformblättern

Künftig ist in allen Formblättern usw. mit Sammelanrede einheitlich die Anrede „Sehr geehrter Postkunde“ zu verwenden. Soll nur ein bestimmter Kundenkreis angesprochen werden, kann es beispielsweise auch  „Sehr geehrter Postsparer“ oder „Sehr geehrter Fernsprechteilnehmer“  heißen.
Auch ist künftig die Bezeichnung „Postkunde“ an Stelle von „Postbenutzer“ zu verwenden, soweit es nicht um Vorgänge rechtlicher Art im Post- und Fernmeldewesen (Verwaltungsakte und anderer Schriftverkehr mit rechtlichem Einschlag) oder um wissenschaftliche Veröffentlichungen handelt.

(Auszug aus Vfg BPMin MinÖ 1 1280-9 v. 3.12.1968)


Verwendung  von Schreibmitteln Neufassung von ADA VIII,1 § 54

ADA VIII,1 § 54 erhält von sofort an folgende Fassung:

§ 54

V e r w e n d u g   v o n    S c h r e i b m i t t e l n

I Für die Eintragungen in Kassenbüchern und das Fertigen von Kassenbelegen sind, soweit sie nicht mit der Maschine geschrieben werden, grundsätzlich die amtlich gelieferten Kugelschreiber zu benutzen. Dies gilt insbesondere für
das Vollziehen von Rechnungsbelegen,
Feststellungsbescheinigungen,
Zahlvermerke und
Das Erteilen von Empfangsbescheinigungen und Anerkenntnissen.

II Anstelle der Kugelschreiber kann auch Tinte benutzt werden. Werden ausnahmsweise auch Kugelschreiber benutzt, die nicht amtlich geliefert worden sind, müssen deren Minen dokumentenechte Schreibpaste enthalten. Solche Minen sind mit „DIN“ oder „DIN 16 654“ gekennzeichnet.

III Die Benutzung von Tintenstift durch postfremde bei amtlichen Bescheinigungen, Empfangsbescheinigungen, Anerkenntnissen und Rechnungen ist nicht zu beanstanden.

IV Für Prüfvermerke im Kassenwesen  sind farbige Kugelschreiber zu benutzen.

Es ist vorbehalten

Grün dem Amtsvorsteher,
Zinnoberrot dem ständigen Vertreter des AV,
Blau den Abteilungsleitern und
Violett den Stellenvorstehern.

Andere Farben dürfen nicht benutzt werden.

In der ADA VIII,1 auf der Seite 85 ist auf diese AmtsblVfg hinzuweisen.

(Auszug aus AmtsblVfg Nr. 343/1969 – 10.6.1969)


Schreibweise der Fernsprechnummer

Zur Vfg BPMin II A 1 4100-0 B v. 5.9.1969

Bisher wurde zwischen der Schreibweise für die Fernsprechnummer eines gewöhnlichen Fernsprechanschlusses und eines Anschlusses einer Nebenstellenanlage mit Durchwahl kein Unterschied gemacht. In jedem Fall wurden die einzelnen Ziffern von rechts beginnend gezählt und in Zweiergruppen zusammengefaßt. Für Nebenstellenanlagen mit Durchwahl hat es sich jedoch als zweckmäßig erwiesen, zwischen der Durchwahlnummer und der Nebenstellennummer einen Bindestrich einzufügen. Um für die Fernsprechnummer der Abfragestelle sowie die Durchwahlrufnummern eine gleiche Schreibweise zu erhalten, wurde auch für die Fernsprechnummer der Abfragestelle der Bindestrich eingeführt. Diese Schreibweise soll in allen Unterlagen, soweit die Deutsche Bundespost darauf Einfluß nehmen kann, eingearbeitet werden.

(Auszug aus Vfg BPMin II A 1 4100-0 B v. 5.9.1969)