Aufsätze zum Post- und Fernmeldewesen in der Pfalz

Das Fernmeldewesen in Kaiserslautern

Die Post in Kreimbach und Kaulbach

 


 

 

Postgeschichtliche Entwicklung im Königreich Bayern

– bezogen auf die bayrische Pfalz von 1808 bis 1909 –

 

1. März 1808 Übergang des bayrischen Postwesens (rechtsrheinisch) von der Thun und Taxis’schen Generaldirektion in Staatsverwaltung
29. Mai 1813 Eröffnung der optischen Telegraphenlinie Metz – Mainz (auch über Albessen und Ulmet)
Mitte Februar 1814 Die Fürstlich Thun und Taxis’sche Postverwaltung übernimmt das Postwesen in der Pfalz
30. April 1816 Die jetzige Pfalz kommt als „Rheinkreis“ zu Bayern
1. Mai 1816 Übergang des Postwesens im Rheinkreise in Staatsverwaltung
4. Mai 1816 Beginn der Postbesitznahme im Rheinkreise durch Bayern
5. Juli 1816 Errichtung des Oberpostamtes Speyer
1. Januar 1827 Neuformation der Postverwaltungsbehörden:
Das Oberpostamt Speyer wird aufgehoben. In Speyer wird ein Postamt eingerichtet. Die Geschäfte des bisherigen Oberpostamtes Speyer sind vom Postamt daselbst zu besorgen
1838 König Ludwig I. verleiht dem Rheinkreise den geschichtlichen Namen „Pfalz“
15. Mai 1841 Errichtung des ersten Eilpostwagens in der Pfalz (Zweibrücken – Landau – Karlsruhe und Mannheim – Speyer – Landau)
1. Januar 1842 Die Boîtes werden allgemein und überall da eingeführt, wo dies nur immer den Lokalverhältnissen angemessen erscheint.
1. August 1845 Einrichtung der ersten Karriolpost (leichtes Post-Pferdefuhrwerk, einachsig mit Kastenaufbau) in der Pfalz (Kaiserslautern – Wolfstein)
1. August 1851 Einrichtung der ersten staatlichen Postomnibusverbindung in der Pfalz (Germersheim – Rheinzabern – Kandel)
1. Januar 1852 Das Postamt Speyer wird wieder in ein Oberpostamt umgewandelt
6. November 1853 Eröffnung der ersten Telegraphenanstalt in der Pfalz (Speyer)
1. Oktober 1855 Aufhebung der letzten Reitpost in der Pfalz (Oggersheim – Dürkheim)
1. April 1859 Aufhebung des letzten Eilpostwagens in der Pfalz (Kusel – Baumholder)
1. Dezember 1882 Eröffnung der ersten Telephonanlage in Bayern (Ludwigshafen)
1. September 1884 Eröffnung der ersten öffentlichen Telephonstelle in Bayern (Ludwigshafen)
Einführung der Telefonbillette (Vom 1. Sept. 1908 an wieder aufgehoben)
1. Juli 1888 Einrichtung der ersten Postbotenfahrt in der Pfalz (Obermoschel – Waldgrehweiler)
1. April 1892 Einführung der mitteleuropäischen Zeit für den Eisenbahn-, Post- und Telegraphendienst. Die neue Zeitrechnung geht der früher im rechtsrheinischen Bayern angewendeten mittleren Münchner Ortszeit um 13 Minuten und der in der Pfalz angewendeten mittleren Ortszeit von Ludwigshafen um 26 Minuten vor.
1. Oktober 1892 Einführung des verabredeten Gesprächsverkehrs in der Pfalz
1. April 1897 Einrichtung der ersten Posthilfsstellen in der Pfalz (Dittweiler, Hirschhorn, Oberauerbach, Rehweiler und Vorderweidenthal)
20. Dezember 1898 Einführung des Unfallmeldedienstes in der Pfalz
1. Februar 1899 Eröffnung der ersten gemeindlichen öffentlichen Telephonsprechstellen in der Pfalz (Lautersheim, Niederkirchen b. D. und Walsheim b. L.)
19. November 1900 Erstmalige Verwendung von weiblichen Personen im Telephonumschaltedienst in der Pfalz (Ludwigshafen)
1. Juli 1909 Einrichtung der ersten Motorpostlinie in der Pfalz (Landau – Eschbach)
1. Juli 1909 Einrichtung der ersten selbsttätigen (stummen) Umschaltestelle in der Pfalz (Lampertsmühle – Otterbach)

Die Anfänge des Fernmeldewesens in Pfalz

Das Telegrafenwesen

Noch bevor 1809 der erste elektrische Telegrafenapparat gebaut wurde, kannte man in der Pfalz schon den optische Telegrafen. So wurden bereits 1794 eine optische Telegrafenlinie Paris-Landau eingerichtet. Auf Veranlassung Napoleons des Ersten baute man eine weitere Linie 1813 von Mainz nach Metz mit Anschluß an die bereits bestehende Linie Straßbourg-Paris, die ebenfalls durch die Pfalz führte. Aus Funden an hochgelegenen Punkten der Pfalz (Hohe Derst, Kalmit, Eschkopf u.a.) weiß man, daß noch weitere optische Telegrafenlinien die Pfalz durchquerten.

Die Masten des optischen Telegrafen waren an weithin sichtbaren, meist höhergelegenen Punkten errichtet und mit drehbaren Armflügeln versehen. Je nach der Stellung dieser Arme zueinander konnten Buchstaben, Wörter und sogar kurze Sätze von Station zu Station signalisiert werden. Eine gute Sicht war hier natürlich Voraussetzung. Die Durchlaufgeschwindigkeit einer Nachricht über längere Strecken hinweg war nicht gerade sehr hoch, aber immer noch schneller, als andere Fortbewegungsmittel. Dieser optische Telegraf versah seine Dienste, bis der elektrische Telegraf einsetzbar war.

In der Pfalz wurden die ersten elektrischen Telegrafen ab 1849 zunächst nur zur Sicherung des Eisenbahnbetriebs eingesetzt. Ab 1851 wurden diese Bahntelegrafen für die Übermittlung von chiffrierten amtlichen Nachrichten mitbenutzt. Die erste Staatstelegrafenlinie zwischen Altbayern und der Pfalz entstand 1853.

Sie führte von Aschaffenburg über Offenbach-Darmstadt-Worms nach Speyer. Das Kabel, damals “Telegrafentau” genannt, wurde bei Worms sogar unter Wasser durch den Rhein verlegt. Aufgrund seiner industriellen Entwicklung wurde Ludwigshafen bald zur Schaltstelle für den überrheinischen und innerpfälzischen Telegrafenverkehr. Gab es im Jahr 1854 nur 2 Telegrafenstationen in der Pfalz, so nahmen diese Jahr um Jahr sprunghaft zu, so daß um die Jahrhundertwende in der gesamten Pfalz bereits 254 Telegrafenstationen vorhanden waren. Die technische Entwicklung der Telegrafenapparate führte von den anfangs eingesetzten Doppelstiftapparaten bis zum Jahr 1932, als der Spring- oder Fernschreiber seinen Einzug hielt.

Quelle: Nachlaß Walter Frenzel, mit freundlicher Genehmigung von Frau Frenzel


Die Anfänge des pfälzischen Telefonverkehrs und seine Entwicklung bis zum Jahre 1900

Der allgemeinen Einführung des modernen, die Ferne überwindenden Verständigungsmittels stand nach Bell und dem ersten Versuch 1877 in Berlin nun in Deutschland nichts mehr im Wege, zumal durch die fortschreitende Industrialisierung ein Bedürfnis dafür vorhanden war. Die Pfalz war in politischer Hinsicht damals von Bayern abhängig, und zwar von der Generaldirektion der Kgl. Verkehrsanstalten (Abteilung für Post- und Telegrafen). Sie erließ am 1. Juli 1882 die ersten Bestimmungen für den Telefonverkehr. Die pfälzischen Handels- und Gewerbekammern, besetzt mit weitschauenden, fortschrittlichen Männern der pfälzischen Wirtschaft, stand in der Förderung der Verkehrsmittel in der
Pfalz an vorderster Stelle. Die Kammer sprach auch zuerst den Wunsch nach der Einrichtung des Fernsprechverkehrs aus. Die pfälzische Regierung gab den Antrag der Handelskammer am 8. Mai 1881 an die Generaldirektion der Kgl. Verkehrsanstalten weiter, zu einem Zeitpunkt, da die Eröffnung des Telefonverkehrs in München nahe bevorstand. man versäumte in der Pfalz nicht, auf diesen Umstand hinzuweisen, damit bei der damals zwischen Mannheim und Ludwigshafen herrschenden Rivalität Ludwigshafen nicht ins Hintertreffen kommen sollte.

Eröffnung der ersten bayerischen Telefonanlage in Ludwigshafen (Rhein)

Damit war die Pfalz oder zunächst nur Ludwigshafen in Bayern der erste Rufer nach einer Fernsprechverbindung, die man in München offenbar aus Prestigegründen nicht so förderte, wie man es in der Pfalz erwartete. Nach etwa einem Jahr, am 15. September 1882, erhielt das Oberpostamt in Speyer von München aus den Auftrag, mit dem Bau der Telefonanlage in Ludwigshafen zu beginnen und auch die Verbindung mit dem benachbarten Mannheim einzurichten. Als Tag der Eröffnung gilt der 1. Dezember 1882, obwohl bei Angabe dieser Frist die zeit von acht Tagen nicht berücksichtig wurde, die notwendig war, um das Postpersonal in der Handhabung des neuen Verkehrsmittels einzuführen. Damit war Ludwigshafen die erste Stadt in Bayern, die sich dieser Einrichtung rühmen durfte. Obwohl für die Anlage einer Sprechstelle später mindestens zehn Teilnehmer notwendig waren, begnügte man sich in Ludwigshafen nur mit acht. Es waren dies: Die Badische Anilin- und Sodafabrik, die Chemische Fabrik vormals Hofmann und Schötensack, die Direktion der pfälzischen Eisenbahnen (Güterexpedition), Rudolf Dreiyér, die Gebr. Röchling und Klingenburg, Hoffmann und Söhne, Karl Huss und die Firma Kühn und Adler.

Schon bald nach der Einführung der ersten Telefonverbindung wurde in den Kreisen der Ludwigshafener Industrie der Wunsch laut, das bescheidene Telefonnetz über den lokalen Bereich hinaus zu erweitern. So forderte die Handels- und Gewerbekammer 1885 als besonders dringlich eine Verbindung nach Frankfurt a. Main. Darüber hinaus sollten auch die verkehrsreichen Orte der Pfalz und auch die entlegenen Orte mit regem Handels- und Gewerbeverkehr in das Fernsprechnetz einbezogen werden. Zunächst dachte man dabei an Frankenthal, das mit Ludwigshafen und Mannheim verbunden sein wollte, ferner an die Fabriken im Neustadter Tal.

Diese Forderungen wurden jedoch von der Postverwaltung nicht so bereitwillig erfüllt, wie man das erwartete. Man ließ sich Zeit, zumal die neue Einrichtung noch nicht so populär geworden war, wie man vielleicht heute annehmen möchte. immerhin war die Zahl der Abonnenten in Ludwigshafen im Jahre 1886 bereits auf 43 mit 61 Sprechstellen angewachsen. Zwischen Ludwigshafen – Mannheim und Mannheim – Ludwigshafen fanden im gleichen Jahre 108 000 und innerhalb Ludwigshafen 56 000 Verbindungen statt. Die am 1. September 1884 in Ludwigshafen errichtete öffentliche Sprechstelle vermittelte 1886 nur erst 280 Gespräche bei einer Gebühr von 50 Pfennigen und einer Sprechdauer von fünf Minuten. Trotzdem war Ludwigshafen mehrere Jahre lang anderen Ortender Pfalz weit voraus. Bereits im Jahre 1886 hatten sich in Speyer zehn Abonnenten für Sprechstellen gemeldet und damit die Voraussetzung für deren Errichtung erfüllt. Man hätte daher annehmen sollen, daß Speyer als Regierungshauptstadt der Pfalz gleich nach Ludwigshafen in das Fernsprechnetz einbezogen worden wäre. Das geschah aber nicht, und Kaiserslautern erhielt mit seiner Industrie den Vorzug. Der Ausbau des pfälzischen Telefonnetzes richtete sich nicht nach administrativen, sondern nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten. Es war von der Postverwaltung richtig, zunächst die industriellen Schwerpunkte Mannheim, Ludwigshafen und Kaiserslautern einander näher zu bringen, weil nicht einzusehen ist, wie bei den Anfängen des Telefonnetzes in der Pfalz, der Fernsprecher die Geschäfte der Regierung hätte erleichtern können, da ihr Wirkungsbereich nur an der Peripherie – in Ludwigshafen – mit einer Telefonverbindung nach Mannheim erschlossen war. Im Jahre 1889 kam, wie schon gesagt, als zweiter Platz Kaiserslautern hinzu. Folgende Übersicht ergibt ein Bild über den Stand des Telefonverkehrs in der Pfalz im Jahre 1890:

  Stand des Telefonverkehrs 1890 Bei dem Postamt
Ludwigshafen Kaiserslautern
Anzahl der Abonnenten 92 79
Anzahl der Sprechstellen 128 130
Anzahl der hergestellten Verbindungen nach Mannheim
(Gespräche für die Einzelgebühren erhoben wurden)
131 27
von Mannheim 83 11
mit Mannheim (im Abonnement) 292 612
nach Heidelberg 31 2
von Heidelberg 53
nach Kaiserslautern 15
von Kaiserslautern 25
im Stadtbezirk 150 124 61 800
Anzahl der bei den öffentlichen Sprechstellen verkauften Billette 242 403

Es ergibt sich aus dieser Übersicht die überraschende Tatsache, daß das Telefon damals noch kein Fern-Sprecher war und damit seiner wahren Bedeutung noch nicht gerecht wurde. Neben den für den Sprechverkehr innerhalb der Städte aufgeführten beachtlichen Ziffern stehen recht bescheidene oder wie bei Kaiserslautern gar keine, die von Gesprächen in die Ferne berichten können. Die Gründe sind wohl darin zu suchen, daß die Verständigung auf weite Strecken damals noch sehr mangelhaft war.

Weitere Ausdehnung des Fernsprechnetzes in der Pfalz

Dennoch drängte im Jahre 1890 die pfälzische Wirtschaft auf eine beschleunigte Vervollkommnung des Fernsprechnetzes und wie dabei hin auf die Wohltat, die auch kleinen orten daraus erwachsen könnte. Der Fernsprecher, so hieß es, müsse bald Gemeingut der ganzen Bevölkerung werden und dürfe nicht mehr länger ein Verkehrsmittel der besitzenden Klasse bleiben. Vorläufig aber beschränke man die Wünsche auf die Einrichtung von Telefonanlagen in den Städten Frankenthal, Speyer, Neustadt, Landau Pirmasens und Zweibrücken, die das Bedürfnis nach Sprechverbindungen untereinander und mit Ludwigshafen und Mannheim hätten.

Fernverbindungen

Ludwigshafen, das seine Wünsche in dieser Hinsicht erfüllt sah, stellte weit größere Forderungen. Es erstrebte die telefonische Städteverbindung Ludwigshafen – Mannheim – München, die nach einer Pressemeldung im Sommer 1891 verwirklicht schien. Das Oberpostamt Speyer bezeichnete diese Meldung als falsch und wies darauf hin, daß nur der Fernsprechverkehr München – Stuttgart, Stuttgart – Heilbronn und Heilbronn – Mannheim möglich sei. Die Herstellung einer Verbindung zwischen München und Mannheim durch Zusammenschaltung der genannten drei Teilstrecken sei wegen der großen Zahl der Umschaltstationen und aus technischen und betrieblichen Gründen nicht ratsam. Die Herstellung einer eigenen, möglichst direkten telefonischen Verbindung der Pfalz mit Bayern könne erst nach einer weiteren Ausgestaltung des rechtsrheinischen und des pfälzischen Städteverbindungsnetzes in Erwägung gezogen werden. Auch die Fernsprechverbindung zwischen Ludwigshafen und Frankfurt war noch nicht in Betrieb genommen. Sie wurde noch im Jahre 1891 durch die Reichspostverwaltung von der vorherigen Auswechselung der auf der Strecke Frankfurt – Mainz verwendeten Eisendrahtleitung gegen Bronzeleitungen abhängig gemacht. Diese Voraussetzungen waren Ende des Jahres erfüllt, so daß die Eröffnung des Sprechverkehrs in Aussicht gestellt wurde, sobald die Mängel, die sich bei den angestellten Sprechverbindungen durch das Auftreten von Induktionserscheinungen ergaben, beseitigt wären.

Die Zulassung des Sprechverkehrs mit Mainz wollte die Reichspostverwaltung noch so lange hinausschieben, bis sich beurteilen ließ, inwieweit die Verbindungsleitungen Frankfurt – Mainz, die durch Inbetriebnahme des Bezirksfernsprechnetzes für Frankfurt und Umgebung in erhöhtem Maße in Anspruch genommen wurden, eine weitere Belastung ertragen konnten. Mit dem Telefonverkehr der Pfalz mit Worms sollte erst dann begonnen werden, wenn die Verbindung zwischen Mannheim und Worms erfolgt sei.

Inzwischen waren die Sprechversuche zwischen Ludwigshafen und Frankfurt fortgesetzt worden. Es ergaben sich aber weiterhin Unzuträglichkeiten, die ihren Grund darin hatten, daß die Verbindung zwischen Ludwigshafen und Mannheim nur durch eine einfache Leitung bewerkstelligt wurde. Es wurde daher versprochen, den Telefonverkehr zwischen den mit Telefonanlagen versehenen Städten und Frankfurt erst dann einzurichten, wenn die fragliche Verbindung Ludwigshafen – Mannheim durch eine Doppelleitung verbessert sei.
Das Bestreben der Pfalz, über den heimischen Raum hinaus vorzudringen, scheiterte also an den technischen Unvollkommenheiten der vorhandenen Leitungen. Auch die Verbindung mit Worms schien noch im Jahre 1891 für längere Zeit unmöglich zu sein. Die Reichstelegrafenabteilung beabsichtigte mit Bayern einen Vertrag zu schließen, nach dem Bayern auf Rechnung des Reiches auf seinem linksrheinischen Gebiet eine Fernsprechanlage zwischen Mannheim und Worms errichte, in die jedoch Ludwigshafen und Frankenthal nicht einbezogen werden sollten.

Dieser Vorschlag erschien sowohl der pfälzischen Regierung als auch der pfälzischen Handelskammer als eine Mißachtung der pfälzischen Interessen, weshalb die Handelskammer am 4. März 1892 an das bayrische Innenministerium eine Eingabe richtete, in der es hieß: Man habe erfahren, daß die Reichstelegrafenverwaltung plane, von Worms über Frankenthal entlang der Staatsstraße und dann entlang der Distriktstraße Edigheim – Oppau – Friedenheim nach Ludwigshafen und Mannheim eine Fernsprechleitung zu bauen, ohne Berücksichtigung der Städte Frankenthal und Ludwigshafen. Die Handelskammer wies darauf hin, daß man sich schon 1890 bemüht habe, das pfälzische Fernsprechnetz an die angrenzenden Leitungen der Reichspostverwaltung anzuschließen, besonders aber an die Fernsprechanlage der Stadt Worms, Frankenthal und Ludwigshafen legten auf diese Verbindung besonderen Wert, und man könne nicht verstehen, daß man eine Leitung über zwei Städte lege, ohne sie daran zu beteiligen.

Die Verhandlungen führten zu keinem Ergebnis, und die Verwirklichung des Planes der Reichstelegrafenabteilung wurde durch den Einspruch der Pfalz verzögert und schließlich vereitelt.

Weiterer Ausbau des pfälzischen Telefonnetzes

Inzwischen machte aber der Ausbau des pfälzischen Telefonnetzes weitere Fortschritte. Im Laufe des Jahres 1891 wurde Neustadt in den Fernsprechverkehr aufgenommen, nachdem sich überraschend viele Teilnehmer – 63 – gemeldet hatten. Auch die anderen größeren Städte der Pfalz stellten Anträge auf die Einrichtung von Fernsprechanlagen. In Zweibrücken meldeten sich bis zum Frühjahr 1892 38 Abonnenten, während im Laufe dieses Jahres Speyer und Lambrecht in das Telefonnetz aufgenommen wurden. Am Jahresende 1892 bestanden Fernsprechanlagen

in Ludwigshafen mit 116 Teilnehmern und 177 Sprechstellen
in Kaiserslautern mit 90 Teilnehmern und 142 Sprechstellen
in Speyer mit 51 Teilnehmern und 83 Sprechstellen
in Neustadt mit 103 Teilnehmern und 137 Sprechstellen
in Lambrecht mit 13 Teilnehmern und 19 Sprechstellen.

Man sieht aus dieser Entwicklung, daß die Ausdehnung und der Ausbau des pfälzischen Telefonnetzes festhielt an der wichtigen, die Pfalzmitte durchdringenden Verkehrslinie, die auch maßgebend war für die Entwicklung der Industrie. Das Telefonnetz mußte auf Grund der wirtschaftlichen und verkehrspolitischen Voraussetzungen in Ludwigshafen seinen Anfang nehmen, dann nach Kaiserslautern als zweitwichtigsten industriellen Schwerpunkt übergreifen und in der Folge die Lücken zwischen den beiden Städten mit Neustadt und Lambrecht, als den Vorläufern der in der Mitte des 19. Jahrhunderts einsetzenden Industrialisierung der
Pfalz, schließen. Speyer hatte den verhältnismäßig frühen Anschluß wohl nur der Tatsache zu verdanken, daß es Sitz der Regierung war. Die Einladung zur Teilnahme der Städte Landau, Frankenthal und Pirmasens erfolgte um die Jahreswende 1892/93 unter dem Hinweis, daß dem Wunsch um Einbeziehung des Saarlandes in das pfälzische Netz erst entsprochen werden könne, wenn Zweibrücken und St. Ingbert darin aufgenommen wären.

Inzwischen hatte der Stadtrat Frankenthal sich mit der Telefonverbindung Worms – Mannheim befaßt und seine Zustimmung zum Bau einer Leitung Worms – Frankenthal über städtisches Eigentum unter folgenden Vorbehalten gegeben: Die Stadt Frankenthal sollte an der Verbindung Mannheim – Worms teilnehmen und ihre Zustimmung jederzeit widerrufen
können. Dieser letzte Vorbehalt war unklug, so daß das Reichspostamt wohl deshalb den Plan aufgriff, Worms mit einem Kabel durch den Rhein mit der Linie Frankfurt – Darmstadt – Mannheim zu verbinden. Dabei wurde darauf hingewiesen, daß es in Erwartung des gesteigerten Verkehrs auf dieser Strecke fraglich sei, ob Ludwigshafen und Frankenthal an dem Sprechverkehr mit Worms würden teilnehmen können. Die Verhandlungen waren damit zu einem vorläufigen Abschluß gekommen, so daß sich Bayern mit der Absicht trug, einen eigene Verbindung zwischen Ludwigshafen und Frankenthal herzustellen. Allerdings war damit zu rechnen, daß eine Verbindung mit Worms kaum zu erwarten war, wenn Worms auf die genannte Weise an Mannheim angeschlossen werden sollte. Es wurde daher der Stadt Frankenthal geraten, die Forderung der Widerruflichkeit aufzugeben, was auch für Ludwigshafen galt, das einen ähnlichen Standpunkt eingenommen hatte.

Am 10. Mai 1892 entschloß sich der Ludwigshafener Stadtrat zu einer Revision seines Standpunktes in der Hoffnung, daß die Reichstelegrafenverwaltung nun mehr Entgegenkommen zeigen würde. Auch Frankenthal war bereit nachzugeben. Die Vorbereitungen zur Herstellung der Linie Worms – Mannheim in dem oben angegebenen Sinne waren aber schon so weit gediehen, daß das Reichspostamt nicht mehr auf den ursprünglichen ersten Plan zurückgriff.
Innerhalb der frei folgenden Jahre wurde jedoch der Übergangsverkehr nach dem Reichspostgebiet weiter ausgebaut. Die schon in früheren Jahren geforderte Einbeziehung Mannheims ins pfälzische Netz wurde jedoch von dem Reichspostamt immer wieder abgelehnt. Das pfälzische Netz gewann hingegen immer größere Ausdehnung. 1895 war Landau darin aufgenommen worden. Allerdings wurde dadurch die Verbindung Ludwigshafen – Kaiserslautern erschwert, so daß die Vermehrung von Leitungen geboten schien. Landau führte Klage, weil die Verbindungen nach Speyer und Kaiserslautern nur schwer zu erlangen waren.

Im übrigen ergab das pfälzische Telefonnetz am Ende des Jahres 1895 folgendes Bild:

Ort Teilnehmer Sprechstellen Anschlußleitungen
Ludwigshafen 164 266 207
Kaiserslautern 121 183 138
Speyer 73 113 84
Neustadt 181 249 186
Landau 89 123 92
Lambrecht 20 30 23
Zusammen 648 964 730

 

In dieser Übersicht fehlten noch völlig die Städte der Westpfalz. Auch das damals schon industriell hoch entwickelte Frankenthal stand noch außerhalb der Reihe , obwohl dieser Stadt und auch Zweibrücken schon seit Jahren eine Telefonverbindung zugesagt war. Kaiserslautern stellte in dem genannten Jahr den Antrag auf eine direkte Verbindung mit Frankfurt, während alle anderen Städte immer dringender den direkten Fernsprechverkehr Ludwigshafen – München forderten, weil die damals benutzte Linie über Frankfurt – Nürnberg überlastet war und die Gespräche infolge der zahlreichen Zwischenschaltungen sehr schlecht zu führen waren.

Als eine segensreiche Einrichtung verbreitete sich das Telefon über ganz Deutschland, bei der nur zu bedauern war, daß nicht alle Volkskreise daran teilnehmen konnten. Die Pfalz fühlte sich auch andern deutschen Gebieten gegenüber zurückgesetzt, weil ihr noch im Jahre 1896 der Anschluß an Elsaß-Lothringen, das Saargebiet, den Mittel- und Niederrhein, an Norddeutschland, Baden, Württemberg, usw. fehlte. Nur Ludwigshafen konnte mit Bayern sprechen, so daß das pfälzische Netz nur ein internes Bezirksnetz und für den Fernverkehr unbedeutend war.

Die Pfalz wünschte die Gleichstellung mit den benachbarten rechtsrheinischen Städten, insbesondere mit Mannheim. So konnte man 1896 mit Stuttgart und Karlsruhe nur dann sprechen, wenn man die Gefälligkeit Mannheimer Geschäftsfreunde in Anspruch nahm, sich nach Mannheim begab und von dort das gewünschte Gespräch führte. Ähnlich verfuhr man, wenn man mit Straßburg, Berlin und anderen norddeutschen und rheinischen Städten Verbindung haben wollte. Man fragte sich daher mit Recht, warum es nicht möglich war, den Sprechverkehr von Ludwigshafen aus zuzulassen, zumal Mannheim mit den genannten Orten verbunden war.

Die Beschwerden bei der bayrischen Postverwaltung wurden zurückgewiesen mit dem Bemerken, daß das pfälzische Netz erst durch weiteren Ausbau für den Fernverkehr größere Bedeutung gewinnen könne. Auch die Reichspostverwaltung machte den Anschluß an das Reichstelefonnetz von dem inneren Ausbau und dem Zustand der pfälzischen Anlagen abhängig.

Dagegen war es seit dem Ende des Jahres 1896 möglich, von Ludwigshafen aus mit den bayrischen Städten Aschaffenburg, Würzburg, Fürth, Nürnberg und München zu sprechen. Aber auch die anderen Telefonstellen der Pfalz wollten über Ludwigshafen mit allen Telefonstellen Bayerns verbunden werden und forderten eine direkte Verbindung nach München bzw. nach dem Zentrum der Telefonanlagen nach dem rechtsrheinischen Bayern, nach Nürnberg.

Der Verkehr mit den oben genanten Städten ging über Mannheim und Frankfurt. Auf die Herstellung der Verbindungen mußten die Telefonteilnehmer aber sehr lange warten und wenn das Gespräch zustande kam, so war eine gute Verständigung kaum möglich.

In diesem Zusammenhang wies schon jetzt die Pfalz darauf hin, daß bei einem späteren Anschluß des pfälzischen Bezirksnetzes an Norddeutschland eine direkte Linie nach Frankfurt eingerichtet werde, da die Leitungen Mannheim – Frankfurt, über die der pfälzische Verkehr geleitet werde, durch den Durchgangsverkehr von Norddeutschland nach Baden und Elsaß-Lothringen überlastet waren.

Im Laufe des Jahres 1896 wurde eine Reihe öffentlicher Telefonanstalten errichtet und Deidesheim am 1. Januar, Pirmasens am 1. Februar und Frankenthal am 20. März mit Telefonanlagen versehen. Sämtliche Telefonanlagen der Pfalz waren miteinander verbunden und bildeten ein Bezirksnetz, dem außer den eben genannten Orten auch Dürkheim angeschlossen wurde.

Sämtlichen Telefonanlagen standen in Verbindung mit Frankfurt, Heidelberg, Kastel (Rhein), Mainz, Mannheim, Offenburg und Worms, so daß die Gespräche nach dem Reichstelegrafengebiet im Jahre 1896 folgende Ziffern erreichten: In Deidesheim 219, in Dürkheim 718, in Frankenthal 1781, in Kaiserslautern 3172, in Lambrecht 342, in Landau 1650, in Ludwigshafen 3799, in Neustadt 2982, in Pirmasens 1708 und in Speyer 2007. Im gleichen Zeitraum wurden zwischen Ludwigshafen und Mannheim 558 672 und zwischen Neustadt und Lambrecht 49 704 Gespräche geführt.

Die Zahl der Sprechstellen bei Privaten und Behörden betrug Ende 1896:

Bei der Telefonanlage Zahl der
Privatsprechstellen Sprechstellen bei Behörden Teilnehmer einschl. der Behörden
Deidesheim 9 1 7
Dürkheim 54 4 42
Frankenthal 61 114 52
Kaiserslautern 184 27 132
Lambrecht 26 4 22
Landau 119 31 95
Ludwigshafen 280 35 190
Neustadt 259 16 196
Pirmasens 226 7 162
Speyer 104 27 78

 

Die folgenden Jahre brachten einen weiteren Ausbau des pfälzischen Telefonnetzes. Am 1. März 1897 wurde Zweibrücken und am 1. Dezember 1897 Grünstadt darin aufgenommen. Bis dahin waren aber direkte Verbindungen mit Bayern noch nicht zustande gekommen. Lediglich Ludwigshafen war über Frankfurt mit Aschaffenburg, Augsburg, München, Nürnberg und Würzburg verbunden, während die anderen pfälzischen Städte von der Verbindung noch ausgeschlossen waren. Ein Gespräch über die Pfalz hinaus erforderte eine längere Zeit, bis die Verbindung hergestellt war.

So versicherte 1898 eine Firma in Ludwigshafen, daß sie vormittags einen Anschluß in Pirmasens verlangte und diesen erst nachmittags erhielt. Im gleichen Jahr wurden endlich die notwendigen Schritte für eine direkte Telefonverbindung Ludwigshafen – Nürnberg eingeleitet. Auch die schon im Jahre vorher geäußerten Wünsche wegen des Anschlusses des Saargebietes wurden erfüllt. Am Ende des Jahres 1898 waren 11 saarländische Stationen an das pfälzische Netz angeschlossen. Ebenso war der Sprechverkehr mit verschiedenen Stadtfernsprecheinrichtungen in Lothringen zugelassen. Karlsruhe und einige andere Orte in Baden waren durch die pfälzischen Telefonanlagen zu er- reichen, während der Verkehr mit Württemberg in Aussicht gestellt wurde.

Nachdem im Laufe des Jahres 1899 Telefonanlagen eingerichtet wurden in Edenkoben (1.9.), in St. Ingbert (1.11.), in Kirchheimbolanden (1.12.) und in Landstuhl (1.12.), bestand das pfälzische Netz neben zahlreichen öffentlichen Telefonstellen am Schluß des Jahres 1899 aus folgenden Telefonanlagen:

Deidesheim mit 14 Teilnehmern
Dürkheim mit 46 Teilnehmern
Edenkoben mit 59 Teilnehmern
Frankenthal mit 87 Teilnehmern
Grünstadt mit 45 Teilnehmern
Kaiserslautern mit 201 Teilnehmern
Kirchheimbolanden mit 20 Teilnehmern
Lambrecht mit 28 Teilnehmern
Landau mit 197 Teilnehmern
Landstuhl mit 28 Teilnehmern
Ludwigshafen mit 288 Teilnehmern
Neustadt mit 269 Teilnehmern
Pirmasens mit 272 Teilnehmern
Speyer mit 120 Teilnehmern
St. Ingbert mit 38 Teilnehmern
Zweibrücken mit 84 Teilnehmern

Das waren zusammen 1781 Teilnehmer gegenüber 1474 im Jahre 1898.

Im Jahre 1900 wurden noch die Telefonanlagen Haßloch (1.1.), Annweiler (21.9.), Bergzabern (21.9.), Kusel (21.9.) und Albisheim (3.10.) hinzugefügt. Der Zeitpunkt war erreicht, zu dem bereits ein dichtes Telefonnetz die Pfalz überspannte und das Telefon seinen wahren Aufgaben gerecht werden konnte.

Quelle: Nachlaß A. Zink, Zink-Museum Kusel


Das Telefonwesen in der Pfalz von 1912 bis 1976

Am Ende des Jahres 1899 waren in der Pfalz 16 Ortsnetze mit 1796 Teilnehmern eingerichtet. 1912 wurde in Neustadt die erste Vermittlungsstelle mit Zentralbetrieb im deutschen Reichsgebiet errichtet. In der Folgezeit begann die Umrüstung auf halbautomatische Vermittlungseinrichtungen. Die damals eingeführten Steidle-Gruppenumschalter ermöglichten den Teilnehmern kleinerer Ortsnetze, die übergeordnete, ständig besetzte Handvermittlungsstelle anzurufen und sich von dort mit anderen Teilnehmern verbinden zu lassen. Dieses halbautomatische Vermittlungsverfahren brachte neben den vielfältigen technischen Verbesserungen drei entscheidende Vorteile: Es entfielen unwirtschaftliche Personalkosten bei den kleinen Vermittlungsstellen, den Teilnehmern auf dem lande war nun auch eine Telefondienst “rund um die Uhr” wie in den großen Ortsnetzen geboten und schließlich konnte durch die gruppenweise Zusammenfassung von Teilnehmerleitungen der Aufwand im Anschlußleitungsnetz beträchtlich reduziert werden.

Die weiteren Planungen in Richtung auf den Wählbetrieb konzentrierten sich nun mehr auf die Vorderpfalz, die hinsichtlich der Anschlußdichte und ihrer wirtschaftlichen Bedeutung den Vorrang vor der West- und Südpfalz beanspruchen konnte. Mitte der dreißiger Jahre begann in den Netzgruppen Ludwigshafen, Neustadt und Landau der Selbstwählferndienst. Die Teilnehmer in diesen Gruppen konnten sich untereinander anwählen und erreichten auch über die für einen späteren Ausbau des Selbstwählverfahrens bereits eingerichteten Kennzahlen die Fernämter Kaiserslautern, Landstuhl, Pirmasens und Zweibrücken, die dann die weitere Verbindung in die ihnen zugeteilten Ortsnetze herstellten. Umgekehrt konnten die Fernämter alle Teilnehmeranschlüsse der genannten Netzgruppen durch Fernwahl direkt erreichen.

Im Zuge einer Neuordnung des Fernmeldebau- und Entstörungsdienstes wurden die damals der Reichspostdirektion unmittelbar unterstellten Leitungs- und Apparatebezirke ab 1935 zu Telegrafenbauämtern zusammengefaßt. Das Telegrafenbauamt für die Pfalz erhielt seinen Sitz im zentral gelegenen Neustadt. Das Fernamt Kaiserslautern war mittlerweile zum Schwerpunkt des bezirklichen und überbezirklichen Fernsprechverkehrs geworden. Da das Postamt Kaiserslautern mit einem Fernmeldebetrieb dieser Größenordnung überfordert war, die Struktur dieser mehr auf dem Fernsprechbetrieb ausgerichteten Dienststelle aber auch nicht in das Organisationsschema eines Telegrafenbauamtes paßte, begann man 1941 mit dem Bau eines selbständigen Fernsprechamtes in Kaiserslautern. Das Amt wurde 1943 mit den damals modernsten technischen Einrichtungen in Betrieb genommen. Der damit für die gesamte Pfalz verbunden Aufschwung währte jedoch nicht lange; bereits 1944 wurden nämlich während eines schweren Luftangriffes fast alle Fernmeldekabel zerrissen.

Nach dem 2. Weltkrieg war kaum die Hälfte des pfälzischen Fernleitungsnetzes noch benutzbar; die Ortskabel waren zu 2/3 zerstört. Der gesamte zivile Fernsprechverkehr war für die damals rund 15 000 Teilnehmer in der Pfalz zunächst einmal stillgelegt. Der Neubeginn nach Kriegsende war ein völliger Neuanfang. Fernsprechanschlüsse durften nur mit Billigung der Besatzungsmacht eingerichtet werden. Für die wenigen Anschlüsse waren Notämter mit Handvermittlung eingerichtet worden, die den geringen Verkehr behelfsmäßig erledigten.

Der eigentliche Wiederaufbau des öffentlichen Fernsprechwesens begann 1949. Nach und nach ersetzten Wählämter modernster Bauart die veralteten Anlagen. Bereits ein Jahr nach der Währungsreform wurden wieder 42 v. H. der Ferngespräche im Selbstwählferndienst abgewickelt. Mit diesem Ergebnis lag die Pfalz damals an der Spitze des Selbstwählferndienstes der gesamten Bundesrepublik. Der Wiederaufbau wurde im Jahre 1959 mit der Aufhebung der letzten pfälzischen Handvermittlungsstelle in Lauterecken abgeschlossen. Heute ist der Selbstwählferndienst so weit ausgebaut, daß über 90 v. H. der Teilnehmer des europäischen Auslandes und seit 1973 in zunehmendem Umfang auch außereuropäische Teilnehmer direkt angewählt werden können.

Die Entwicklung des pfälzischen Fernsprechwesens stellt sich – gemessen an der Zahl der Sprechstellen und Gespräche – folgendermaßen da:

1882 1900 1936 1950 1960 1970 1975
Sprechstellen 10 3 695 34 000 43 645 101 626 211 728 325 169
Mio Stück
Ortsgespräche 14,0 21,4 57,3 79,5 121,5
Ferngespräche 4,6 8,2 23,4 65,2 96,6

 

Die letzte pfälzische Handvermittlung in Lauterecken

Quelle: Auszug nach A. Wagner, Blätter zur Postgeschichte der OPD Neustadt/Weinstraße


Ein halbes Jahrhundert Gruppenumschalter in der Pfalz

Als in den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts der Fernsprecher sich durch- zusetzen begann, stand unser pfälzischer Bezirk dabei in keiner Weise zurück. In der Geschichte des Fernmeldewesens ist er sogar mit zwei bemerkenswerten Ereignissen vertreten: 1882 wurde in Ludwigshafen am Rhein die erste Vermittlungsstelle Bayerns errichtet und 1912 erhielt Neustadt an der Haardt die erste Vermittlungsstelle mit vollem Zentralbatteriebetrieb im deutschen Reichsgebiet. Die Pfalz war damals als “bayerischer Rheinkreis” ein Bestandteil des Königreiches Bayern, dem nach der Reichsverfassung von 1871 die selbständige Verwaltung des Post- und Telegraphenwesens belassen worden war. Wenn sich das Fernmeldewesen in Bayern im Vergleich zum ehemals alten Reichspostgebiet mit sichtbarem zeitlichen und technischen Vorsprung entwickelte, so war das vor allem die Folge einer vorausschauenden Personalpolitik, die in ihrem Kern schon um die Jahrhundertwende jene Laufbahnen schuf, die heute im technischen Fernmeldedienst bestehen. Unter den führenden Köpfen war einer der hervorragendsten, der königlich bayerische Oberpostassessor Dr.-Ing. Steidle, der zunächst durch seinen Gruppenumschalter bekannt wurde, der als spezifisch bayerische Vermittlungseinrichtung ein halbes Jahrhundert hindurch gute Dienste leistete. Die Tatsache, daß gerade hier in der Pfalz der letzte Gruppenumschalter des Bundesgebietes 1958 aus dem Betrieb gezogen wurde, gibt die Veranlassung dazu, die Periode dieser Vermittlungstechnik in unserem Bezirk nochmals hervorzuheben.

Mit der Entwicklung des Gruppenumschalters wollte Steidle zwei wesentliche, die Ausbreitung des Fernsprechers damals noch erschwerende Hemmnisse beseitigen. Aus personal- wirtschaftlichen Gründen konnten die kleinen handbedienten Vermittlungsstellen in den Zeiten geringer Gesprächsdichte nicht betriebsbereit gehalten werden. Eine auf die Hauptverkehrsstunden am Vormittag und Nachmittag sowie Sonntagmorgen beschränkte Dienstbereitschaft war die Regel. Den ländlichen Ortsnetzen den Vorteil einer ununterbrochenen Dienstbereitschaft zu verschaffen, war der eine Hauptzweck des Gruppenumschalters. Bei der allgemein noch sehr geringen Gesprächsdichte der Anschlüsse waren aber auch die Leitungen sehr schlecht ausgenützt. Der erhebliche Kostenanteil für das Leitungsnetz behinderte ebenfalls die Ausweitung des Fernsprechnetzes. Durch gruppenweises Zusammenfassen der Anschlüsse den Aufwand für Leitungen zu vermindern, war – neben sonstigen betrieblichen und technischen Vorteilen – der andere wesentliche Zweck des Gruppenumschalters.

Der Gruppenumschalter war die erste halbselbsttätige Vermittlungseinrichtung. Sie bestand in ihrem wesentlichen Teil aus einem im Anschlußschwerpunkt aufgestellten Relaisgestell, an das die Anschlußleitungen herangeführt waren, die dort sowohl mit einer der beiden zum fernbedienenden Handvermittlungsamt führenden Gruppenhauptleitungen wie auch unter sich verbunden werden konn- ten. In der Ausführung für 20 oder 40 Anschlüsse konnte sie als Vermittlungseinrichtung eines kleineren Ortsnetzes und als Teil-Vermittlung in einem größeren Handvermittlungsbereich verwendet werden. Die Betriebsweise glich dem späteren Überweisungsdienst für Ortsnetze mit Wählbetrieb. Die Batterie wurde über die Gruppenhauptleitungen hinweg ferngeladen. Für den Amtsanruf war die Gruppensprechstelle mit einer Anruftaste versehen. Ein zweiter, zusätzlicher Wecker war zum Vormerken bei besetzter Gruppenhauptleitung vorgesehen. War er durch einen Hebel eingeschaltet, so diente sein automatischer Ruf bei dem Freiwerden der Hauptleitung dazu, den wartenden Teilnehmer herbeizuholen. In der den Gruppenumschalter fernbedienenden Handvermittlung war der noch nicht bekannte Nummernschalter durch einen Wähl-Klinkenstreifen ersetzt. Nach dem Abstecken der entsprechenden Klinke lief der Wählvorgang ab, wenn der Wählkipper umgelegt wurde. Auch waren schon elektrische Gesprächszähler eingebaut, die sogar Mehrfachzählung zuließen. Darüber hinaus waren weitere technische Feinheiten eingearbeitet, die uns zum Teil heute noch diesen Entwurf bewundern lassen.

Die ersten Einrichtungen dieser Art wurden ab 1906 in der Umgebung von München aufgestellt. Wann die ersten Gruppenumschalter in der Pfalz aufgebaut wurden, läßt sich leider nicht mehr genau feststellen. Sicher ist, daß schon vor 1914 das Fernamt Ludwigshafen mit besonderen Gruppenplätzen ausgestattet war, um die 6 Gruppenumschalter zu 20 Anrufeinheiten und 3 Gruppenumschalter zu 40 Anrufeinheiten zu bedienen, die sich in Altrip, Dannstadt, Maudach, Mutterstadt, Neuhofen, Oppau, Oggersheim und Ruchheim befanden und zusammen mit 126 Anschlüssen beschaltet waren. In rascher Folge wurden dann im Bereich fast aller größeren Fernsprechvermittlungsstellen Gruppenumschalter aufgebaut, die den technischen Amtseinrichtungen nach dem 1. Weltkrieg hier das Gepräge gaben. Verdrängt wurden sie zunächst in der Vorderpfalz, als Ende des 2. Jahrzehnts die Umstellung auf den Wähldienst begann und die Netzgruppen für den Selbstwählnahverkehr bayerischer Technik in Ludwigshafen, Neustadt und Landau eingeschaltet wurden. Westlich davon wurde der Bedarf an Anrufeinheiten auf dem Lande aber durch Erweitern und Ausbau der Gruppeneinrichtungen gedeckt. Nach vorsichtiger Schätzung können damals im Bezirk der Oberpostdirektion Speyer maximal etwa 180 Gruppenumschalter in Betrieb gewesen sein.

Der wirtschaftliche Niedergang zu Ende der dreißiger Jahre lähmte auch hier de Weiterentwicklung. Hinzu kam dann ab 1935 die Umstellung des gesamten Dienstes auf die Regelungen und Verhältnisse im ehemals alten Reichspostgebiet, so daß erst die Errichtung einer Wählvermittlungsstelle und eines neuen Fernamts in Pirmasens 1938 den Bestand an Gruppenumschaltern wieder etwas verminderte. Aber auch das 1942/43 aufgebaute und damals modernste Fernamt Kaiserslautern besaß noch Gruppenplätze, an die eine größere Anzahl von Gruppenumschaltern herangeführt war. Man hatte zwar bei der Rückkehr der Bevölkerung in die sogenannte rote Zone längs der französischen Grenze nach dem Westfeldzug Handvermittlungseinrichtungen aufgestellt in der Hoffnung, sie bald durch Wähleinrichtungen ersetzen zu können. Für weite ländliche Gebiete um Kaiserslautern, Kusel, Kirchheimbolanden, Rockenhausen, Alsenz, Rülzheim und Kandel war aber der Gruppenumschalter als Vermittlungseinrichtung die Regel. Sogar das Fernamt Landau, das seit der Errichtung der Netzgruppe nur noch den Weitverkehr vermitteln sollte, besaß noch Gruppenplätze, die bei der Erneuerung des Fernamts 1951 wieder vorgesehen werden mußten, wie auch sogar nach Kriegsende Gruppenumschalter neu aufgestellt wurden. Erst die planmäßige und laufende Umstellung auf den Wähldienst im Gleichlauf mit dem wirtschaftlichen Aufschwung nach 1950 lichtete den Bestand an Gruppenumschaltern merklicher. Aber erst am 12. Dezember 1958 bei dem Abschluß des Ausbaues in der Pfalz wurde im Bereich Kusel der letzte Gruppenumschalter des Bezirks außer Betrieb gesetzt. Er war zugleich der letzte des Bundesgebietes, nachdem man in den ehemals bayerischen Bezirken, wo die Entwicklung ähnlich verlief, schon etwas früher mit der Umstellung fertig war. Ein rundes halbes Jahrhundert lang konnte somit diese Einrichtung trotz des ständig fernsprechtechnischen Fortschritts ihren Zweck erfüllen.

Die Gründe dafür lagen in den Wesenszügen ihrer Konstruktion. Für den Teilnehmer war es wichtig, daß ihm damit der ununterbrochene Dienst geboten wurde. An die Eigenarten dieses Betriebes gewöhnte er sich rasch. Für die Verwaltung war dieses halbselbsttätige System in jeder Hinsicht ein Vorteil. Der Aufwand an Kupfer je Anschlußleitung sank durch die Bündelung beachtlich. Aber auch an personellem Aufwand wurde ganz erheblich gespart. Ohne Gruppenumschalter hätten kleinere und kleinste Handvermittlungsstellen betrieben werden müssen, die auch bei beschränkter Dienstbereitschaft im Mittel mindestens 3 Kräfte je Vermittlung erfordert hätten. Durch das Zusammenlegen dieser Vermittlungstätigkeiten bei einem zentralen Fernamt wurde, den Gesetzen verkehrsmäßiger Erscheinungen entsprechend und im Sinne einer Rationalisierung nur ein Bruchteil dieses Personals gebraucht. Die Anforderungen an das vermittlungstechnische Können waren zwar höher. Das durch Kriegswirren hier eingesetzt gewesene, bezirksfremde Personal mußte zunächst besonders eingewiesen werden, weil es diese Einrichtungen nicht zu bedienen verstand. Bei dem Stammpersonal war es dagegen Ehrensache, auch an dem schwierigen Gruppenplatz sicher arbeiten zu können. Die Gruppenschalter selbst waren technisch sehr robust. Wenn man ihn aufsuchen wollte, brauchte man nur hinauf in das Dachgeschoß des Schul- oder Gemeindehauses zu gehen, wo der übliche Aufstellungsort war. Miete wurde dafür meist nicht entrichtet. In Bayern waren für Stützpunkte des oberirdischen Netzes besondere Verträge abgeschlossen, in denen sich die Post verpflichtete, die sogenannten “Ständer- entschädigungen” zu zahlen, die auch den Gruppenumschalter mit einschloß. Empfindlich war der Gruppenbetrieb nur für Mängel im Leitungsnetz, weil hier elektrische Veränderungen Schaltvorgänge auslösten. Auch die Stromversorgung war von der Güte der Leitungen abhängig. Die Fernladung der örtlichen Batterie über die Gruppenhauptleitungen in den Gesprächspausen war im Zusammenhang mit der unsicheren Starkstromversorgung in ländlichen Gebieten zu jener Zeit sehr vorteilhaft. Sie konnte aber auch eine Schwäche des Systems sein, wenn die Gesprächsbelastung das vorgesehene Maß wesentlich überschritt oder die Leitungen gestört waren. Damit hing auch zusammen, daß der Gruppenumschalterbetrieb versagte, als mit der Errichtung des Westwalls 1938 Belastungen auftraten, für die der Gruppenumschalter konstruktiv nicht mehr geeignet war. Die Gesprächsdichte der Anschlüsse stieg plötzlich auf nie vermutbar gewesene Werte an. Hierzu kam, daß die zahlreichen Bautrupps aus dem Altreichsgebiet, sie zur Bewältigung der Aufgaben des Fernmeldebaudienstes herbeigezogen wurden, in der Verkennung der Zusammenhänge kaum darauf bedacht waren, Baustörungen in den Gruppenleitungen zu vermeiden. Solchen betrieblichen Stürmen war der Gruppenumschalter nicht mehr gewachsen. In den Brennpunkten wurden daher die Gruppeneinrichtungen durch Handvermittlungsstellen ersetzt. Das technische Personal kam oft kaum mehr damit nach, die erschöpften Batterien gegen geladene auszutauschen. Auch die Nachrichtentruppe der Wehrmacht stand zunächst ratlos vor solchen, ihr unbekannten Einrichtung- en, als sie sich an unser Netz anschalten wollte. In normalen Zeiten und in Gebieten nicht zu starker Gesprächs- und Anschlußdichte bewährte sich der Gruppenumschalter aber noch rund zwei weitere Jahrzehnte, bis an einem naßkalten und trüben Dezembertag das Schrittschaltwerk der Amtseinrichtung in Kusel die letzte Verbindung hergestellt und zum letzten Mal und endgültig in die Ruhestellung zurückgedreht hatte. Die Relais, die aus der Zeit des 1. Weltkriegs stammten, hatten ausgetickt. Jetzt schwirren dort modernste Motorwähler mit Edelmetall-Kontaktgabe. Man spricht davon, daß die Entwicklung elektronische Wähler gute Fortschritte mache. Ob nach einem weiteren halben Jahrhundert noch Motorwähler laufen?

Quelle: Nachlaß Walter Frenzel, mit freundlicher Genehmigung von Frau Frenzel

 


Der Fernsprechdienst der Pfalz im Spiegel einer alten Dienstanweisung

In welch rascher Folge in unseren Tagen der Durchgriff der Technik, Rationalisierung und Automation dem Ablauf des dienstlichen Geschehens zu ändern vermag, wird deutlich, wenn man die noch gültigen Dienstanweisungen, insbesondere die des Fernmeldewesens durch- sieht. Manches Dienstwerk, das lange erwartet, nach mühevoller und sorgfältiger Ausarbeitung endlich erschienen war, bedurfte bald wieder der Berichtigungen. Wenn auch Anweisungen für den Postdienst sich bis in die Zeit des 17. Jahrhunderts zurückverfolgen lassen, so empfinden wir bei der Hast unserer Zeit den Inhalt einer solchen aus den Jahren um die Jahrhundertwende schon in starkem Maße als geschichtliches Spiegelbild. Vermehrt wird dieser Eindruck noch, wenn es sich um eine Dienstanweisung des ehemals bayerischen Verwaltungsbereichs handelt, die zudem für uns in der Pfalz als damals bayerischem Kreis besonders interessant ist.

Nach der Wiedergründung des Deutschen Reiches in Jahr 1871 gingen die Postverwaltungen des Norddeutschen Bundes, Badens und des Elsaß in der Reichspostverwaltung auf. Eigene Landespostverwaltungen blieben jedoch noch in Bayern und Württemberg bestehen, wobei zwar die Postgesetzgebung auch dort dem Reiche zustand, Dienstanweisungen im Sinne des Verordnungsrechtes aber Landessache blieben. Der Begriff der “guten alten Zeit” bezieht sich nicht auf einen besonderen Abschnitt der Geschichte. In vielen Generationen war dieser Ausdruck schon mit wehmütigem Unterton im Gebrauch. Für die Zeit vor dem ersten Weltkrieg darf diese Bezeichnung aber in vielfacher Hinsicht zutreffend angewendet werden, in besonderem Maße jedoch auf das damalige Land Bayern, das in dieser Epoche fast unberührt von vielen Problemen außenpolitischer, sozialer und wirtschaftlicher Natur, die auf dem reich und manchem seiner Länder lasteten, eine lange Reihe glücklicher Jahre erlebte. Ein Hauch vom Stil dieser Münchner Zeit weht uns auch heute noch aus dieser bayerischen Dienstanweisung entgegen. Köstlich ist es in dem an sich so trockenen Stoff zu lesen, daß die Bestimmungen unter anderem sich auch mit dem Hofbräuhaus befassen und wegen Staubbildung die zulässige Länge der Damenröcke festsetzte.

Nachdem in Berlin 1881 die erste Vermittlungsstelle in Deutschland dem Betrieb übergeben worden war, folgten in den größeren Städten rasch weitere Einrichtungen solcher Art. Am 1. März 1883 konnte man auch in München telephonieren, wobei das damals noch kleine Ludwigshafen mit dem Fernsprecher der Landeshauptstadt zuvorgekommen war. Die Zahl der Ortsnetze und Fernsprechanschlüsse stieg sehr bald sprunghaft an. Am 20. Dezember 1899 hatte die Reichsregierung “Bestimmungen über den Fernsprechverkehr im Reichstelegraphengebiete” erlassen, die auch eine Fernsprechgebührenordnung einschloß. Im Schlußparagraphen war aber bestimmt, daß diese Verordnung mit Ausnahme eines Paragraphen (Fälligkeit der Gebühren und Einzugsgrundlage) auf den inneren Verkehr von Bayern und Württemberg nicht anzuwenden waren, nach einer Fußnote zu den Ausführungsbestimmungen jedoch für den “telephonischen Wechselverkehr” zwischen Bayern und dem Reichstelegraphengebiet galten.

Wenn wir die “Bestimmungen über den Telephonverkehr”, ein Abschnitt der Bayerischen Post- und Telegraphendienstanweisung aus dem Jahre 1904 durchsehen, so finden wir hier eine Reihe von Abweichungen und Unterschieden im Vergleich mit den uns heute geläufigen Regelungen.

Zunächst hatte der neue “Abonnent” zwei Tarifsysteme zur Auswahl, entweder eine “Bauschgebühr” oder eine Grundgebühr zuzüglich Einzelgesprächsgebühr. Die Bauschgebühr war von 80 bis 150 Mark jährlich je Teilnehmerzahl des “Ortstelephonnetzes” gestaffelt. Ortsgesprächsgebühren wurden dabei nicht erhoben, auch nicht, wenn Dritten der Anschluß überlassen wurde. Staatsbehörden zahlten nur 75 Mark, unabhängig von der Teilnehmerzahl. Voraussetzung war dafür aber unter anderem Bedingungen , daß keine privatberufliche Mitbenutzung vorlag. in diesem Zusammenhang war ausgeführt: “Unter Privatberuf ist eine auf Erwerb gerichtete und berufsmäßig ausgeübte, nicht amtliche Tätigkeit zu verstehen. Die Ausübung eines Privatberufes ist nicht gegeben, wenn eine an sich privatberufliche Tätigkeit zu den Aufgaben einer Behörde gehört, wie beispielsweise der Betrieb des Königlichen Hofbräuhauses”. Für die Telephoneinrichtungen des königlichen Hauses und der königlichen Hofstellen wurden die Jahresgebühren nicht erhoben. Bei dem Grundgebührentarif lag der zwischen 60 und 90 Mark gestaffelte Jahresbetrag niedriger, dafür trat aber die Gesprächsgebühr von 5 Pfennig hinzu, die aber für mindestens 400 Gespräche im Jahr zu zahlen war. Von einer Tarifart konnte zu jeder Zeit auf die andere übergegangen werden.

Die Anmeldung selbst umfaßte nicht nur den eigentlichen Anschluß, sondern auch nach Wunsch die Zulassung zum Vororts- und Nachbarortsverkehr oder zum Bezirksverkehr. Die Teilnahme am erstgenannten Verkehr setzte voraus, daß die höchste Bauschgebühr dieser Netzstufe entrichtet wurde. Für den Bezirksverkehr war ein Zuschlag von 50 Mark zu zahlen, der jedoch 1000 gebührenfreie Bezirksgespräche einschloß. Für den Nachbarverkehr Ludwigshafen – Mannheim bestand die Sonderregelung, daß “jenen Teilnehmern des Ortstelephonnetzes Ludwigshafen am Rh., welche behufs Erlangung kostenfreien Verkehrs mit Mannheim an Stelle der für Ludwigshafen treffenden Bauschgebühr die für Mannheim entrichten und zugleich am pfälzischen Bezirksverkehr teilnehmen”, eine Ermäßigung der Zuschlaggebühr um 25 Mark gewährt wurde. In diesem Zusammenhang ist bezeichnend, daß in der ersten Zeit des Fernsprechbetriebes in Ludwigshafen die Geschäftswelt dort erklärte, an einem Telephonverkehr mit Mannheim bestünde kein Interesse. Für Nebenstellen Dritter waren aber 50 Mark zu zahlen.

Die formblattgebundenen Aufträge waren dem Oberpostamt (spätere OPD) vorzulegen, wo sie in ein Einlaufjournal (das spätere Anmeldebuch der Fernsprechanmeldestelle) einzutragen waren und geprüft werden mußte, “ daß keine Zweifel über den wirklichen Willen des Anmelders offen sind”. Das Bestätigungsschreiben enthielt unter anderem auch den heute wieder zeitgemäßen Vordruck: “Eine frühere Ausführung ist nicht möglich, weil eine große Anzahl älterer Anmeldungen vorliegt und weil die Ausführung Ihres Anschlusses noch von der viele Zeit in Anspruch nehmenden Herstellung eines neuen Leitungsstranges/Kabelstranges abhängig ist”. Anträge auf Anschlüsse, deren Leitungslänge 10 Kilometer überschritt, waren dem Verkehrsministerium vorzulegen, dem Bahn und Post in Bayern damals unterstellt waren, was – nebenbei bemerkt – dem Postpersonal die gleichen Freifahrtberechtigungen verschaffte wie dem Bahnpersonal. Teilnehmer, die Bauschgebühr zahlten, konnten in den auf dem Grundstück ihres Hauptanschlusses befindlichen Wohn- und Geschäftsräumen anderer Personen oder in Wohn- und Geschäftsräumen auf anderen Grundstücken Nebenstellen zu ihren Hauptanschlüssen errichten lassen, deren zahl aber auf 5 begrenzt war. Die Inhaber dieser Nebenstellen waren zum Sprechverkehr mit dritten Personen wie der Inhaber der Hauptstelle berechtigt.

Hauptanschlüsse wurden nicht nur als Bestandteil von Ortstelephonnetzen hergestellt, sondern auch an Öffentliche Sprechstellen herangeführt, die mit der Umschaltstelle unmittelbar verbunden waren und somit als Untervermittlungen verwendet werden konnten.

Die Einrichtungskosten wurden pauschal erhoben, zu Beispiel 55 Mark für den Anschluß an eine einfache Umschaltestelle (Vermittlungsstelle ohne Vielfachfeld), 105 Mark in München und Nürnberg. Die Kostensätze waren vom Telegaphenkonstruktionsamt (Vorläufer des heutigen FTZ in Bayern) und dem Postrevisionsamt (eine zentrale Prüfstelle) zu prüfen, die Beträge sodann durch Kassenverfügung an den Ausgaben des für die Erweiterung des Ortstelephonnetzes zugewiesenen Kredites zu kürzen, was betriebswirtschaftlichen Grundsätzen entsprach. Die Oberpostämter waren ermächtigt, weitere Weckvorrichtungen und das Aufstellen von Tischapparaten zuzulassen. Auch für Verlegungen waren feste Sätze vorgesehen, je nach Verlegung im gleichen Raum, auf dem gleichen Grundstück oder auf ein anderes Grundstück. Die ausgeführten Verlegungen hatten die Mechaniker unmittelbar dem Telephonbetriebsreferat des Oberpostamtes zu melden.

Die Mindestdauer der Teilnahme war nicht wie heute nach dem Umfang der Teilnehmereinrichtungen gestaffelt, sondern auf die Länge der Anschlußleitung bezogen, bis 5 Km 1 Jahr, bis 10 Km 2 Jahre und darüber hinaus nach besonderer Festsetzung. Auch war die Teilnahme am Vororts- und Nachbarortsverkehr oder am Bezirksverkehr auf mindestens 1 Jahr festgelegt.

Die Gebühren waren Grundsätzlich im Vierteljahr voraus zu erheben, was bei den Gebühren für die Telegrammkurzanschriften sich noch bis in unsere Zeit erhalten hat. Man kannte auch bereits die Sperre bei Zahlungsverzug, nur wurde sie vom Amtsvorstand selbst gehandhabt. Er mußte die Sprechstelle anrufen und mitteilen, daß “von nun an der Telephonverkehr gesperrt sei”. Weiter war festgelegt: “Die Sperre geschieht sofort mittels rotgefärbter Holzstöpsel, welche in die Abfrageklinke, bei Vielfachbetrieb außerdem in die treffenden Verbindungsklinken eines jeden Arbeitsplatzes von dem Amtsvorstand persönlich eingeführt werden. Die persönliche Vornahme der Sperre wird den Vorgenannten zur Pflicht gemacht, dem Umschaltpersonal ist die Vornahme irgendwelcher Änderungen an den Sperrstöpseln strengstens verboten. Der Amtsvorstand hat sich täglich davon zu überzeugen, daß die Sperrstöpsel an den Umschaltvorrichtungen den Einträgen im Sperrverzeichnis wirklich entsprechen. An Sonn- und Feiertagen wird die Telephonsperre nicht vorgenommen”.

Der “Umschalte- und Fernleitungsdienst” (Orts- und Fernvermittlungsdienst) wurde in der Regel von männlichem Personal im Stehen versehen. Nur in den “großen Ortstelephonnetzen mit Zentralumschaltern” wurde bereits weibliches Personal verwendet, das im Sitzen arbeitete und, um die Staubbildung zu verhüten, fußfreie Röcke tragen (mindestens 1 Centimeter über dem Fußboden endigend) sowie die Straßenschuhe wechseln mußte. Im Fernverkehr innerhalb Bayerns waren alle Ortstelephonnetze uneingeschränkt zugelassen, im Verkehr zwischen Bayern und dem Reichstelegraphengebiet durften höchstens 3 Leitungen zusammen- geschaltet werden, bei 2 Leitungen konnten es 6 Anstalten sein. Die in einer Fernleitung zusammengeschalteten Anstalten wurden mit kennzeichnenden Rufzeichen gerufen. Bei Verbindungen waren zudem auch noch die Drahtstärken der Leitungen zu beachten, 2 mm für Nah- und 3 oder 4 mm für Fernverbindungen. Für Württemberg waren die Öffentlichen Sprechstellen nicht zugelassen. Bei Gesprächen nach Österreich war die Entfernung auf 250 Km begrenzt und nur die Orte der Telegraphendirektionen Innsbruck, Linz und Prag (damals zum österreichischen Kaiserreich gehörend) einbezogen. Im innerbayerischen Fernverkehr war die Gesprächsdauer auf 5 Minuten begrenzt, grenzüberschreitend auf 3 Minuten festgelegt. Lagen weitere Anmeldungen vor, so mußte getrennt werden, sofern es sich nicht um Verbindungen des Hofes oder hoher Regierungsstellen handelte. Im innerbayerischen Fernverkehr waren zudem auch gebührenfrei herzustellen Verbindungen für “S. M. den König, S. K. Hoheit den Prinzregenten, die regierenden Fürsten der Staaten des Deutschen Reiches, deren Gemahlinnen, Witwen, die Beamten der Umgebung und das Gefolge oder der Hofstaaten der genannten Allerhöchsten und Höchsten Herrschaften”.

Sehr bezeichnend für den Fernsprechbetrieb in jener Zeit ist auch die Anweisung für den Teilnehmer: “Nach Anruf der Umschaltestelle werden die beiden Hörtelephone von den Haken genommen und mit leichtem Druck so gegen die Ohrmuscheln gehalten, daß die kreisrunde Öffnung in Mitte des Schallbechers genau dem Gehörgang gegenüber liegt. Von diesem Augenblick an bis zur Beendigung des Gespräches dürfen die Hörtelefone nicht mehr von den Ohren genommen werden. Will nur ein Hörtelephon benutzt werden, so ist stets das am linken Haken hängende in Gebrauch zu nehmen”. nachdem Anschlußleitungen zum Teil noch als Einfachleitungen über Erde betrieben wurden, Fernleitungen aber nur als Doppelleitungen geführt waren, mußte an den “Umschaltern” die Verschiedenheit der Verbindungsschnüre beachtet werden.

Den Telegaphenanstalten mit Telephonbetrieb wurde täglich “um 3 Uhr nachmittags” mit besonderem Rufzeichen die genaue Zeit übermittelt und auch der Wetterbericht durchgesprochen. Auch Teilnehmer konnten sich die Wettervorhersage durchgeben und auch die Ankunft der Güter von der Güterstation der Staatseisenbahn im Sinne einer Sondergesprächsart ankündigen lassen. Hinsichtlich der Feuermeldung heißt es:
“ . . . . . . . . . geschieht in der Weise, daß der Teilnehmer, welcher zur Bewältigung eines ausgebrochenen Brandes die Hilfe der Feuerwehr in Anspruch nehmen will, die im Teilnehmerverzeichnis unter Feuermeldestelle vorgetragenen Sprechstelle anruft”, eine Formulierung, aus der man schließen könnte, daß damals das Eingreifen der Feuerwehr nicht in allen Fällen erwünscht war. Weiter ist bestimmt, daß “Anfragen von Teilnehmern an die Feuermeldestelle um Auskunft über stattfindende Brände nicht zulässig sind, da der Brandort von der Umschaltestelle erfragt werden könne”.
Auch die telephonische Droschkenbestellung war besonders geregelt. Durch ein von der Umschaltestelle zum nächsten Droschkenwarteplatz gegebenes Klingelzeichen wurde dort ein Kutscher veranlaßt, bei der Vermittlungsstelle vorzufahren, wo man ihm einen entsprechenden Auftragszettel aushändigte. Von Störungsmeldungen war ohne Verzug der Amtsvorstand zu verständigen.

Wenn auch seit der Mitte des 19. Jahrhunderts der elektrische Telegraph die Nachrichtenübermittlung auf größere Entfernungen in zuvor nicht vermutetem Maße beschleunigt hatte, so löste doch erst der Fernsprecher, der es gestattete, unmittelbar in Frage und Antwort über den Draht miteinander in Verbindung zu treten, die Boten und Diener ab, die zuvor mit Briefchen und Handzetteln Nachrichten übertrugen und Antworten brachten. Wenn jetzt wiederum Postbedienstete, zwar für den Teilnehmer unsichtbar, die Gespräche vermitteln und durch ihre Tätigkeit dabei noch den Akzent persönlicher Mitwirkung aufrechterhielten, so zeichnete sich doch schon bald die Wendung zum toten technischen Automaten ab. gerade dort in München, wo, wie wir mit Recht vermuten dürfen, auch der Fernsprechbetrieb – irgendwie von der damaligen gemütlichen und behaglichen besonderen Atmosphäre dieser Stadt beeinflußt – in angenehmster Weise ablief, wurde mit Eifer an halbautomatischen Einrichtungen gearbeitete und bald auch der Wählbetrieb eingeführt. Die Teilnehmer waren über diese Neuerung durchaus nicht begeistert, ebenso wie heute vielfach bedauert wird, immer seltener von der Fernplatzbeamtin bedient zu werden. Das Rad der Geschichte läßt sich nicht zurückdrehen, auch das der Technik nicht. Aber der Blick sollte trotz vieler Probleme unserer Zeit gelegentlich nach rückwärts gerichtet sein, und wenn es auch nur einmal das Blättern in einer alten Dienstanweisung ist.

Quelle: Nachlaß Walter Frenzel, mit freundlicher Genehmigung von Frau Frenzel


Die Handvermittlungsstellen der bayerischen Pfalz mit den zugehörigen Postorten

Stand 1. Oktober 1925

– nach “Berufsverzeichnis sämtlicher Fernsprechteilnehmer der Pfalz”; nicht komplett –

Handvermittlungsstelle
angeschlossene Orte
Albisheim Borckensteiner Mühle Post Harxheim
Bubenheim
Dörrmühle Post Harxheim
Einselthum
Gauersheim
Harxheim
Heyerhof
Immesheim
Niefernheim
Ottersheim b. Harxheim
Stetten
Zell
Alsenz Daubhausmühle Post Alsenz
Feil
Feilbingert
Gaugrehweiler
Hochstätten
Mannweiler
Münsterappel
Neudorferhof Post Odernheim
Niedermoschel
Oberhausen a. Appel
Obermoschel
Oberndorf
St. Alban
Steckweiler
Winterborn
Altenbamberg (auch Amt Ebernburg)
Annweiler Eusserthal
Queichhambach
Rinnthal
Sarnstall
Taubensuhl
Wernersberg
Assenheim Hochdorf
Rödersheim
Bad Dürkheim Friedelsheim
Gönnheim
Hardenburg
Jägerthaler Papiermühle
Kallstadt
Leistadt
Pfeffingen
Seebach
Ungstein
Wachenheim
Bergzabern Birkenhördt
Deutschhof Post Bergzabern
Dörrenbach
Gleishorbach
Gleiszellen
Kaplaneihof Post Bergzabern
Liebfrauenberg
Oberotterbach
Pleisweiler
Schweigen
Brottenbach Einöderwiesenhof
Bruchmühlbach Bamsterhof Post Bruchmühlbach
Bechhofen
Elschbacherhof
Gerhardsbrunn
Hauptstuhl
Lambsborn
Langwieden
Martinshöhe
Miesau
Spesbach (auch Amt Hütschenhausen)
Dahn Bruchweiler-Bärenbach
Bundenthal
Busenberg
Erfweiler bei Dahn
Dannstadt Schauernheim
Deidesheim Forst
Königsbach
Meckenheim
Niederkirchen bei Deidesheim
Ruppertsberg
Hildenbrandseck Post Königsbach (auch Amt Neustadt a. Hdt.)
Dörrmoschel Teschenmoschel
Duttweiler Böbingen
Edenkoben Altdorf
Burrweiler
Buschmühle Post Weyher
Edesheim
Flemlingen
Großfischlingen
Kropsburg Post St. Martin
Ludwigshöhe (Schloß)
Modenbacherhof Post Ramberg
Rhodt
Roschbach
St. Martin
Venningen
Weyher
Elmstein Appenthal
Helmbach
Iggelbach
Schwarzsohl
Speyerbrunn
Enkenbach Alsenborn
Daubornerhof
Neuhemsbach
Schorlenberger Forsthaus
Ensheim Hunackerhof Post Ormesheim
Fischbach b. Dahn Schönau
Frankenthal Beindersheim
Edigheim
Flomersheim
Gerolsheim
Großniedesheim
Heßheim
Heuchelheim bei Frankenthal
Kleinniedesheim
Lambsheim
Mörsch
Nonnenhof Post Bobenheim a. Th.
Ormsheimerhof
Roxheim
Studernheim
Eppstein (auch Amt Ruchheim)
Freinsheim Bobenheim a. Berg
Dackenheim
Erpolzheim
Herxheim am Berg
Weisenheim am Berg
Weisenheim am Sand
Germersheim Holzmühle Post Westheim
Lingenfeld
Sondernheim
Glan-Münchweiler Bettenhausen
Börsborn
Dietschweiler
Matzenbach
Nanzdiezweiler
Niedermohr
Quirnbach
Rehweiler
Schrollbach
Steinbach a. Glan
Göllheim Biedesheim
Breunigweiler
Dreisen
Eisenberg
Elbisheimerhof
Herfingerhof Post Börrstadt 2
Kerzenheim
Lautersheim
Rüssingen
Standenbühl
Steinbach a. Donnersberg
Weitersweiler
Großsteinhausen Kleinsteinhausen
Riedelberg
Walshausen
Grünstadt Albisheim a. Eis
Asselheim
Battenberg
Bissersheim
Dirmstein
Ebertsheim
Großbochenheim
Großkarlbach
Heidesheim
Kindenheim
Kirchheim a. Eck
Kleinbockenheim
Kleinkarlbach
Laumersheim
Mertesheim
Mühlheim, Eis
Neuleiningen
Neuoffstein
Obersülzen
Obrigheim
Quirnheim
Rodenbach b. Ebertsheim
Sausenheim
Haßloch Böhl
Geinsheim
Iggelheim
Hauenstein Meisenhalde
Schwanheim
Spirkelbach
Wilgartswiesen
Hettenleidelheim Altleiningen
Carlsberg bei Grünstadt
Drahtzug
Hertlingshausen
Höningen
Maihof
Ramsen
Tiefenthal
Wattenheim
Hinterweidenthal Kaltenbach
Hinzweiler Horschbach
Nerzweiler
Hochspeyer Diemerstein Post Frankenstein
Fischbach bei Hochspeyer
Frankenstein
Waldleiningen
Hornbach Althornbach
Bickenaschbacherhof Post Mittelbach
Kirschbacherhof, Kirschbachermühle
Monbijou, Post Hornbach
Ingenheim Appenhofen
Billigheim
Heuchelheim bei Klingen
Klingen
Klingenmünster
Rohrbach b. Landau
Steinweiler
Kaiserslautern Dansenberg
Einsiedlerhof
Eselsfürth
Galappmühle Post Kaiserslautern
Hohenecken
Morlautern
Kandel Hatzenbühl
Hayna
Jockgrim
Langberg
Winden
Kirchheimbolanden Bennhausen
Bischheim
Bolanden
Bolanderhof Post Kirchheimbolanden
Dannenfels
Haide
Heubergerhof
Marnheim
Morschheim
Obertierwasen
Orbis
Rittersheim
Weierhof Post Marnheim
Konken Albessen
Herschweiler-Petersheim
Wahnwegen
Kriegsfeld Oberwiesen
Kusel Altenglan
Bedesbach
Diedelkopf
Godelhausen
Haschbach bei Theisbergstegen
Mühlbach a. Glan
Pfeffelbach
Rammelsbach
Rutsweiler a. Glan
Schellweiler
Thallichtenberg
Theisbergstegen
Lambrecht Breitenstein (Forsthaus)
Erfenstein
Esthal
Frankeneck
Lindenberg
Luhrbach (Forsthaus)
Morschbacherhof
Neidenfels
Ratsteig (Forsthaus)
Sattelmühle
Silbertal (Forsthaus)
Spangenbergerhof
Lampertsmühle-Otterbach Erfenbach
Katzweiler
Otterbach
Siegelbach
Landau Arzheim
Birkweiler
Böchingen
Dammheim
Dreihof Post Offenbach a. Queich
Eschbach
Frankweiler
Godramstein
Ilbesheim bei Landau
Impflingen
Insheim
Knöringen
Mörlheim
Mörzheim
Nußdorf
Queichheim
Ranschbach
St. Johann Post Albersweiler
Siebeldingen
Walsheim bei Landau
Wollmesheim
Landstuhl Bann
Kindsbach
Kirchenarnbach
Mittelbrunn
Oberarnbach
Queidersbach
Ramstein
Schernau Post Ramstein
Steinwenden
Weltersbach
Langmeil Börrstadt (Ort)
Gonbach
Hahnweilerhof (Gemeinde Börrstadt)
Münchweiler a. Alsenz
Lauterecken Grumbach (Bez. Trier)
Heinzenhausen
Ludwigshafen a. Rh. Friedensau Post Mutterstadt 2
Oggersheim
Oppau
Rheingönheim
Lustadt Freisbach
Gommersheim
Schwegenheim
Weingarten
Westheim
Zeiskam
Maximiliansau Pfortz
Wörth a. Rhein
Mehlingen-Neukirchen Neukirchen
Sembach
Meisenheim (Glan) Bez. Coblenz Becherbach
Odenbach
Rehborn
Münchweiler a. Rod. Hombrunnerhof Post Münchweiler a. Rod.
Merzalben
Ruppertsweiler
Neuburg a. Rh. Berg
Hagenbach
Neulauterburg
Neustadt a. Haardt Benjenthal (Forsthaus)
Diedesfeld
Gimmeldingen
Haardt
Hambach
Lachen
Maikammer
Mußbach
Speyerdorf
Kirrweiler (auch Amt Edenkoben)
Niederhochstadt Oberhochstadt bei Lustadt
Niederkirchen i. Osterthal Saal
Selchenbach
Odernheim Duchroth
Oberhausen a. Nahe
Offenbach (Glan) Bez. Trier Hundheim
Otterberg Schallodenbach
Pirmasens Beckenhof
Erlenbrunn
Fehrbach
Gersbach
Lemberg
Niedersimten
Petersberg
Rodalben
Stephanshof Post Lemberg
Windsberg
Ramberg Dernbach
Rockenhausen Dielkirchen
Gerbach
Imsweiler
Katzenbach bei Rockenhausen
Marienthal
Neubau (Gemeinde Ransweiler)
Ruchheim Fußgönheim
Rülzheim Bellheim
Herxheimweyher
Hördt
Knittelsheim
Kuhardt
Leimersheim
Meupfotz
Rheinzabern
Rumbach Nothweiler
Scheidt Dierbach
Freckenfeld
Schweighofen
Steinfeld
Vollmersweiler
Schifferstadt Limburgerhof
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Schopp Geiselberg
Krickenbach
Speyer Berghausen
Deutschhof Post Speyer
Dudenhofen
Harthausen
Heiligenstein
Ludwigshof
Mechtersheim
Otterstadt
Thaleischweiler Biebermühle
Höhfröschen
Thalfröschen
Johanniskreuz
Mölschbach
Schmalenberg
Karlsthal (auch Amt Schopp)
Trulben Eppenbrunn
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Niederalben
Obereisenbach
Patersbach
St. Julian
Waldfischbach Burgalben
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Donsieders
Heltersberg
Hermersberg
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Horbach
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Steinalben
Waldgrehweiler Finkenbach
Waldmohr Altenkirchen
Bruchhof
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Dittweiler
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Frohnhofen
Kübelberg
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Schönenberg
Wallhalben Herschberg
Knopp
Oberhausen b. Wallhalben
Saalstadt
Weilerbach Eulenbis
Hirschhorn
Kollweiler
Mackenbach
Miesenbach
Rodenbach b. K’lautern
Untersulzbach
Winnweiler Falkenstein
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Hochstein
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Lohnsfeld
Potzbach
Winterbach Battweiler
Wolfstein Einöllen
Eßweiler
Kreimbach
Oberweiler-Tiefenbach
Röckweilerhof
Roßbach
Rutsweiler a. Lauter
Schmeißbach
Schneeweiderhof Post Eßweiler
Zweibrücken Bombacherhof
Bubenhausen
Contwig
Dellfeld
Ernstweiler
Freudenbergerhof
Gersbergerhof Post Oberauerbach
Großbundenbach
Heckenaschbacherhof Post Contwig
Heidelbingerhof Post Contwig
Hengstbach
Ixheim
Käshofen
Kaplaneihof
Kirrberg
Mittelbach
Mörsbach
Niederauerbach
Oberauerbach
Offweilerhof
Rimschweiler
Truppacherhof
Tschifflick
Wattweiler

 


 

Das Fernmeldewesen in Kaiserslautern

I
Von den Anfängen bis zum ersten Weltkrieg

Bemühungen, Nachrichten schneller als durch Boten zu übermitteln, sind schon aus der Zeit des Altertums bekannt. Aber erst zum Ende des 18. Jahrhunderts war es dem Franzosen Claude Chappe gelungen, einen praktisch brauchbaren Telegraphen herzustellen, der nach einer optischen Methode arbeitete und bis um die Mitte des vergangenen Jahrhunderts in großem Umfang verwendet sowie auch von anderen Ländern übernommen wurde. Nachdem er und sein Bruder Ignace Urbain, der sich an dem Vorhaben beteiligte, Vertretern der in Paris tagenden gesetzgebenden Versammlung mit einer 25 km langen Versuchsstrecke überzeugend beweisen konnten, wie leistungsfähig dieses System war, mit dem man auch längere Texte einwandfrei über solche Entfernungen durchgeben konnte, ordnete die Regierung die Erstellung einer Linie von Paris nach Lille an, die sich bei der Niederwerfung des dort ausgerufenen Royalistenaufstandes so gut bewährte, daß man beschloß, noch weitere, wichtig erscheinende optische Telegraphenverbindungen bauen zu lassen. Als später Napoleon die Staatsgewalt übernahm, ordnete er, in richtiger Einschätzung der Vorteile dieses neuen Fernmeldemittels, die beschleunigte Erweiterung des Netzes, auch weit über die Grenzen Frankreichs hinaus, an. Im Zusammenhang damit wurden erstmals die Bezeichnungen “Telegraph” und “Telegraphie” verwendet. Claude Chappe, der 1805 Selbstmord beging, wurde zum Staats- Telegrapheningenieur, sein Bruder Urbain, der das Unternehmen dann weiterführte, zum Staats- Telegraphendirektor ernannt.

Dieser optische Telegraph bestand im Grundsatz aus einem hohen Mast, der oben einen drehbaren Querbalken trug, an dessen Enden wiederum beiderseits ein kleinerer Flügel in acht Stellungen angebracht werden konnte, so daß sich insgesamt 196 Kombinationen als Signalbilder ergaben. Aufgestellt waren diese Stationen auf Türmen oder Berggipfeln mit weiter Sicht. Bewegt wurden der Querbalken und die Flügel von einem geschlossenen Raum oder einer Holzhütte aus am Fuße des Mastes über Stellhebel und Zugstangen. Die Signalbilder mußten zur Weitergabe an die nächste Station von der rückwärtigen Nachbarstation in etwa 10 bis 15 Km Abstand mit einem Fernrohr abgelesen werden. Man verwendete dabei einen vierstelligen Zifferncode, der auf einem Zahlensystem niederer Ordnung als der des Zehnersystems beruhte. Nachdem ein Zeichen eine Strecke von 100 km in 1,5 Minuten durchlief und die Zeichen im 10-Sekunden-Takt aufeinander folgten, war ein Telegramm mit 20 Wörtern in wenigen Minuten durchgegeben.

Den pfälzischen Raum durchzogen damals die Linien Paris – Metz – Straßburg, später verlängert nach Basel und über die Alpen in die Lombardei, Paris – Metz – Landau, Landau – Mainz und Metz – Mainz. Leider sind die Standorte der Stationen dieser Telegraphenverbindungen – mit Ausnahme der letztgenannten – kaum bekannt. Wir wissen nur, daß sich auf dem Schorlenberg bei Alsenborn und dem Eschkopf unweit südlich von Johanniskreuz eine solche befand. In unserem großen Heimatbuch “Die Pfalz und die Pfälzer” von August Becker ist die frühere Station auf dem “Eschkopf” erwähnt und wird berichtet, daß man sich damals noch an den “Dillegraf”, wie er im Volksmund bezeichnet wurde, erinnert.

Als zu Anfang des 19. Jahrhunderts bedeutende elektrophysikalische Entdeckungen bekannt wurden, ergaben sich damit neue Aspekte, um das Problem eines Telegraphen befriedigender lösen zu kön- nen, als das mit dem von der Tageszeit und dem Wetter abhängigen optischen System möglich war. Kluge Köpfe ersannen unter der Mitwirkung geschickter Handwerker im mehreren europäischen Ländern geeignete Geräte verschiedenster Art. Beschleunigt wurde diese Entwicklung durch den in jener Zeit aufkommenden Eisenbahnbetrieb, der ohne ein die Haltestationen und Bahnhöfe verbindendes Nachrichtensystem sich bald als nicht durchführbar erwies. Obwohl mehrere Apparatetypen nach deutschen Konstruktionen dafür gut geeignet gewesen wären, waren es solche der Engländer Wheatstone und Cooke, die erstmals hier an einer Bahnlinie, jener von Aachen nach Ronheide, tickten. Auch die Pfalzbahn bezog die Telegraphenapparate für ihre Mitte der vierziger Jahre erbaute Bahnlinie Bexbach – Rheinschanze (dem späteren Ludwigshafen) von dem damals in Mannheim ansässigen Engländer Fardely, der solche Geräte nach seinen Angaben in einer Schwarzwälder Werkstätte herstellen ließ und sie zur Ausstattung von Bahnlinien verkaufte. Daß diese Telegraphenverbindung längs der Ludwigsbahn zuverlässig arbeitete, aber schlecht ausgenutzt war, geht mittelbar aus einer Entschließung der königlich bayerischen Regierung der Pfalz vom 21.10.1851 hervor, mit der die Landkommissariate, die Vorläufer unserer heutigen Kreisverwaltungen waren, die Berechtigung erhielten, diesen Bahntelegraphen mitzubenutzen, soweit sie ihren Sitz an der Bahnlinie hatten. Somit kann das Jahr 1851 als jenes gelten, in dem das elektrische Fernmeldewesen in Raum Kaiserslautern seinen Anfang nahm. in welchem Umfang von dieser Regelung, die das Ergebnis entsprechender Vereinbarungen der Regierung mit der Pfalzbahn, einer konzessionierten Gesellschaft, war, Gebrauch gemacht wurde, ist nicht bekannt. Ein Hemmnis war sicherlich der Umstand, daß damit Speyer nicht erreicht werden konnte, weil diese Stadt erst viel später Anschluß an das Eisenbahnnetz erhielt.

Im Königreich Bayern hatte inzwischen die Regierung schon 1850 beschlossen, ein Telegraphennetz zu errichten, um damit den häufig erhobenen Forderungen zu entsprechen, Telegraphenverbindungen als öffentliches schriftliches Verkehrsmittel freizugeben und somit “dem Fortschritt in dieser Richtung zu huldigen”. Die bayerische Rheinpfalz, als durch das Königreich Württemberg und die Großherzogtümer Baden und Hessen getrennte Enklave, sollte auf dem kürzesten “ausländischen Weg” angeschlossen werden, der sich von Aschaffenburg im westlichen Zipfel Bayerns her über Worms nach Speyer, dem Sitz der pfälzischen Regierung, ergab. Im Frühjahr 1853 konnte dort eine Telegraphenstelle den Dienst in zunächst bescheidenem Umfang aufnehmen.

Nachdem in den nächsten Jahren keine Anzeichen für eine Weiterführung dieser Telegraphenleitung zu erkennen waren, wandte sich 1859 der Landrat der Rheinpfalz – eine Institution, die in der Sonderform des Bezirkstages heute noch hier besteht – mit einer Bittschrift an den König, in der er die “Vervollständigung der Telegraphenverbindung” als “dringendes Bedürfnis” herausstellte und darauf hinwies, daß “in den jenseitigen Kreisen Bayerns das Telegraphennetz nahezu vollendet sein”. Sie schloß mit der Bitte, “es möge Seiner Majestät dem König gefallen, die notwendigen Anordnungen gnädigst verfügen zu wollen”. Der Antrag wurde mit dem Hinweis abgelehnt, Mittel stünden dafür nicht bereit. Erst Ende 1861 wurden 200.000 Gulden bewilligt. Damit sollte auch mit einer Linie von dem damals pfälzischen Städtchen Homburg bis zur preußischen Grenze eine Verbindung nach Saarbrücken hergestellt werden. Am 28. März 1863 konnte endlich in Kaiserslautern in einem angemieteten Raum im Anwesen Fackelstraße 15 eine Telegraphenstelle für den allgemeinen Verkehr eröffnet werden. Über den Umfang des Betriebs und seine Abwicklung ist uns aus den Anfangsjahren nichts überliefert. Auch die einzige, damals wöchentlich erscheinende Zeitung brachte keine Notiz. Durch Vergleich mit dem Verkehr anderer Anstalten darf geschätzt werden, daß anfangs jährlich insgesamt etwa 1.600 Telegramme bearbeitet wurden. Aber 1880 waren es schon rund 40.000, somit täglich mehr als 100.

Anzumerken ist, daß das Postamt Kaiserslautern, dem diese Telegraphenstelle zugewiesen worden war, sich noch in der Steinstraße befand und erst 1871 in die Fackelstraße verlegt wurde. Ausgerüstet hatte man die bayerischen Telegraphenstationen mit Streifenschreibern, die von der Telegafenbauanstalt Siemens & Halske Berlin konstruiert und hergestellt worden waren. Man bezeichnete sie zwar als Morseschreiber; zu beachten ist aber dabei, daß das seit Beginn der offiziellen Telegraphie weltweit verwendete, aus Punkten und Strichen gebildete Telegraphenalphabet von Gerke, dem damaligen Leiter der Telegraphenlinie Hamburg – Cuxhafen stammt, und des Malers Morse Anteil an der Erfindung dieses elektromechanischen Schreibers minimal und sehr fraglich war, nachdem er von gesetzmäßigen physikalischen Zusammenhänge keine Ahnung besaß, bei der praktischen Anwendung seiner angeblichen Idee völlig versagte und aufgab, nachdem er ansehnliche, staatlich bereitgestellte Mittel nutzlos vertan hatte.

Auch der Fernsprecher wurde in Kaiserslautern nicht sogleich eingeführt. Nachdem es dem Generalpostmeister – (im Rang eines Reichspostministers) – Stephan nach zähem Bemühen 1881 gelungen war, in Berlin ein Fernsprechortsnetz in Betrieb gehen zu lassen, folgte zwar Bayern diesem Beispiel schon ein Jahr später, erstmals in dem noch kleinen Ludwigshafen. Jedoch mußte sich Kaiserslautern, die damals größte pfälzische Stadt, noch 8 Jahre gedulden, was jedoch auch damit zusammenhing, daß erst in dem schon länger vorgesehenen Neubau für das Postamt geeignete Räume zur Verfügung stehen konnten. In den Jahren 1889/90 wurde auf einem für 50.000 Mark in der ehemaligen städtischen Bleiche erworbenen Grundstück mit einem Aufwand von 200.000 Mark das prächtige Gebäude errichtet, das heute noch als Dienstgebäude des Fernmeldeamts Kaiserslautern längs der Karl-Marx- und der Münchstraße genutzt wird. Am 1. März 1890 konnte der Fernsprechbetrieb eröffnet werden. In einer Zeitungsnotiz wurde berichtet: “Da die Schalterhalle” – (des Postamts) – “abends um 8 Uhr geschlossen wird, so ist für den bis 11 Uhr dauernden Telephon- und Telegraphendienst in dem Vestibül vor der Halle ein Nachtschalter angebracht”, und weiter: “Das über der Schalterhalle” – (ein Rundbau) – “errichtete Gewölbe trägt die Oberlichter, das Dach und darüber einen Telefonturm zur Aufnahme von 500 Drähten”. Die Anschlußleitungen waren somit von der Vermittlungsstelle im Postamtsgebäude als oberirdische Freileitungen zu den Teilnehmersprechstellen geführt. Über die Bauart und den Umfang der ersten Einrichtungen ist leider nichts überliefert.

Wir dürfen aber annehmen, daß es sich um sogenannte Klappenschränke einfachster Bauart handelte, wie sie damals durchweg üblich waren. Die Sprechstellen hatten jeweils ein galvanisches Element (Glasgefäß mit Kohlestab und Zinkzylinder in Salmiaklösung) als Stromquelle. Die Vermittlungsstelle wurde durch Drehen eines kleinen Kurbelinduktors gerufen, dessen Stromstoß eine nach vorne kippbare Klappe magnetisch freigab, so daß die darauf vermerkte Anschlußnummer erschien. 1890 waren im Ortsnetz Kaiserslautern 80 Anschlüsse mit 130 Sprechstellen in Betrieb. Als Personalbestand waren sieben Bedienstete – ohne Telegrammzusteller – ausgewiesen. In den folgenden Jahren wurden auch in den anderen pfälzischen Städten und größeren Dörfern Ortsnetze errichtet, so daß um die Zeit der Jahrhundertwende der Fernsprecher fast überall eingeführt war. Die öffentlichen Sprechstellen in kleinen Dörfern und Wohnplätzen wurden zunächst durch sogenannte Sp-Leitungen angeschlossen. Dabei handelte es sich um weitergeführte Anschlußleitung- en, an die geeignet liegende Sprechstellen parallel angeschaltet und diese durch ein bei dem damaligen Handruf mögliches unterschiedliches akustisches Kennzeichen gerufen wurden. Die Abkürzung “Sp” sollte den Unterschied gegenüber gleichartig geschalteten Telegraphenleitungen ausdrücken.

Die Vermittlungseinrichtungen in Kaiserslautern wurden 1904 und 1909 zum Teil ersetzt, erneuert oder erweitert und im letztgenannten Jahr auf die damals aufkommende zentrale Stromspeisung der Sprechstellen umgestellt. Bei den Umbauarbeiten im Jahr 1904 hatte man die Einrichtungen vom Dachgeschoß in das erste Obergeschoß des Flügels längs der Münchstraße verlegt, in dem sie bis zum Abbruch rund vier Jahrzehnte lang verblieben. Das mit zunehmender Anschlußdichte auftretende Problem, auch ländliche Gebiete in wirtschaftlicher Weise für den Fernsprechdienst zu erschließen, führte in Bayern zu der Entwicklung eines halbselbsttätigen Systems, des sogenannten Gruppenumschalters von Postrat Dr. Steidle, München. Es handelte sich im Grundsatz um eine im Außenbereich aufgestellte Vermittlungseinrichtung, die es den Teilnehmern eines ländlichen Ortsnetzes gestattete, zu jeder Zeit die übergeordnete, ständig besetzte Handvermittlungsstelle zu erreichen und von dort weiterverbunden zu werden, während umgekehrt von dort Verbindungen zu diesen Teilnehmern und zwischen ihnen hergestellt werden konnten. Damit ergaben sich drei wesentliche Vorteile: Es entfielen die meist unwirtschaftlichen Personalkosten kleiner, schlecht ausgenutzter ländlicher Vermittlungsstellen, den Teilnehmern solcher Ortsnetze wurde der ununterbrochene Dienst geboten, und es verringerte sich der Aufwand im Anschlußleitungsnetz dadurch, daß die Teilnehmerleitungen “gruppenweise” über den Gruppenumschalter zusammengefaßt wurden.

Die erste Vermittlungsstelle in der Pfalz, die dafür ausgestattet wurde, war die in Kaiserslautern, das erste damit versorgte Ortsnetz wurde jenes in Otterbach im Jahr 1909. Ihm folgten bald weitere wie Trippstadt, Mehlingen, Neukirchen, Enkenbach, Langmeil, Winnweiler, Hochspeyer und Otterberg. Wie sehr sich diese Gruppenumschalter bewährt hatten, ist dadurch bewiesen, daß erst ein halbes Jahrhundert später der letzte (in Altenglan, an einem Fernplatz in Kusel angeschlossen) bei der Umstellung auf Wählbetrieb abgebaut wurde. Der Nachtdienst war in Kaiserslautern 1910 eingeführt worden, wohl auch im Zusammenhang mit dem Gruppenumschalter-Betrieb, jedoch zunächst auf Kosten der Stadtverwaltung, die ihrerseits von den daran interessierten Teilnehmern 3 Mark monatlich erhob.

II
Zwischen den Weltkriegen

Von den Ereignissen des Ersten Weltkrieges waren der Fernsprech- und Telegraphenverkehr in Kaiserslautern – von der Mobilmachung abgesehen – nur wenig berührt. Obwohl bereits in den Jahren 1917 und 1918 öfters kleinere Bomben auf das Stadtgebiet abgeworfen wurden, entstanden an den Fernmeldeeinrichtungen keine Schäden. Der Fernsprecher wurde aber damals schon benutzt, um Alarmmeldungen an die Fliegerabwehr-Artillerie auf dem Rotenberg zu geben, die sich vergeblich bemühte, Flugzeuge abzuschießen und an die vier Polizeireviere, die mit Böllerschüssen Luftalarm gaben und damit die Bevölkerung aufforderten, Kellerräume aufzusuchen.

Nach Kriegsende erschwerte die französische Besatzungsmacht den Fernmeldebetrieb bis zum Ende des sogenannten passiven Widerstandes und der Separatistenumtriebe (1923) ganz erheblich. Trotzdem war schon 1919 die Zahl der Teilnehmer auf mehr als 1.000 angestiegen. Da sich die im Ortsverkehr übliche manuelle Strichzählung zunehmend als unzureichend und nachteilig erwiesen hatte, entwickelte das Telegraphentechnische Reichsamt München eine Schaltung für selbsttätige Gesprächszählung, die nach längerem Probebetrieb in Ludwigshafen, 1922 auch bei der Ortsvermittlungsstelle Kaiserslautern eingebaut wurde. In den Jahren 1925/26 hatte Personal der Apparatewerkstätte München die gesamten Einrichtungen für den Orts- und den Fernverkehr vollständig überholt und erweitert. Aufgestellt wurden zusätzlich je zwei Orts- und Fernmeldeschränke mit weiteren 600 Orts-, 30 Fern- und 20 Gruppenanrufzeichen.

In den zwanziger Jahren hatte die Oberpostdirektion Speyer ihre fernsprechtechnischen Planungen zunächst ausschließlich auf die Vorderpfalz ausgerichtet, die hinsichtlich der Anschlußdichte, des Verkehrsumfanges und der wirtschaftlichen Bedeutung damals weit vor der Westpfalz lag. In dem vom Rhein und den Eckpunkten Frankenthal – Neustadt – Landau – Speyer begrenzten Raum wurden die Ortsvermittlungsstellen auf Wählbetrieb und der Bezirksverkehr auf das neue Selbstwählfernverfahren umgestellt, das bereits 1923, der fernsprechtechnischen Entwicklung weit vorauseilend, in Weilheim eingeführt und erprobt worden war. Gegliedert waren diese, am Selbstwählferndienst teilnehmenden Ortsnetze in Netzgruppen, die etwa den Bereichen der jetzt bestehenden Knotenvermittlungsstellen entsprachen. Bis Mitte der dreißiger Jahre waren in der Pfalz die Netzgruppen Ludwigshafen, Neustadt und Landau fertiggestellt. Vorgesehen waren als weitere Kaiserslautern, Pirmasens, Zweibrücken und Kusel. Die Teilnehmer der vorderpfälzischen Netzgruppen konnten mit der schon für später vorgesehenen Kennzahl bereits die Fernämter Kaiserslautern, Pirmasens, Zweibrücken und Landstuhl anwählen, die dann Verbindungen in das Ortsnetz am Sitz dieser Fernämter herstellten. Umgekehrt konnten auch die Fernplatzbeamtinnen Teilnehmeranschlüsse dieser vorderpfälzischen Netzgruppen durch Fernwahl erreichen.

Die Auswertung des Fernsprechverkehrs in den Jahren nach dem Ersten Welt- krieg führte, nachdem die Elektronenröhre für den praktischen Einsatz weiterentwickelt worden war, zu dem Ausbau eines umfangreichen Fernkabelnetzes mit zwischengeschalteten Verstärkerstellen. In diesem Zusammenhang erhielt die Pfalz durch das 1930 ausgelegte Fernkabel Frankfurt – Worms – Kaiserslautern – Saarbrücken – Metz – Paris erstmals Anschluß an dieses große Netz des Weitverkehrs. um die für den Betrieb dieses Kabels notwendigen Verstärkereinrichtungen aufbauen zu können, mußten die Räume im Erdgeschoß des Westflügels des Postamtsgebäudes, die bis dahin dem Paketverkehr gedient hatten, freigemacht und zu einem Saal umgestaltet werden.

Für die verhältnismäßig aufwendigen Stromversorgungsanlagen wurde das Kellergeschoß in der Ecke des Gebäudeknicks sektorförmig in den Hof hervortretend erweitert, wobei auch die Maschinensätze der Vermittlungsstelle einen günstigeren Aufstellplatz erhielten. Zugleich wurde diese gesamte Anlage auf einen Hochspannungsanschluß mit posteigener Umspannstation umgestellt. Zwei Jahre zuvor hatte ein damals ganz neuartiges Übertragungs- und Kommunikationsmittel in der Pfalz seinen Einzug gehalten. Im Jahr 1928 war in Kaiserslautern im Norden der Stadt auf dem Rotenberg ein Rundfunksender errichtet worden, der als Nebensender der “Funkstunde in Bayern” mit deren Programm moduliert wurde, jedoch vorerst von München her über eine nach heutigen Begriffen übertragungstechnisch völlig unmögliche Leitung, die aus vielen elektrisch nicht zueinander angepaßten und auf langen Strecken noch aus Freileitung bestehenden Stromkreisen gebildet worden war. Die ungünstigen Ausbreitungsbedingungen in östlicher und südöstlicher Richtung ergaben zusammen mit der kleinen Leistung, daß dieser Sender nur im näheren Umkreis Bedeutung hatte. Trotzdem begrüßte man ihn sehr, weil mit den damals verfügbaren Rundfunkempfangsgeräten tagsüber kaum entferntere Sender gehört werden konnten. In Bayern war, der Eigenstaatlichkeit entsprechend, der Fernmeldedienst von Anfang an in einer Gliederung aufgebaut worden, die von jener des sogenannten “Alten Reichspostgebiets” abwich. Bis zum Inkrafttreten der Weimarer Verfassung nach dem Ersten Weltkrieg übte Bayern die Post- und Fernmeldehoheit noch selbst aus. Wenn auch nach diesem Zeitpunkt diese Rechte auf das Reich übergegangen waren, so trug man doch den Wünschen Bayerns insofern Rechnung, als man das Post- und Fernmeldewesen von einer besonderen “Abteilung VI München” des Reichspostministeriums Berlin verwalten ließ. Erst nach dem politischen Umschwung 1933 wurde auch diese Sonderregelung beseitigt und Bayern postalisch dem Reich gleichgestellt.

Zuvor war der Fernmeldebetriebsdienst, sowie es sich um den handvermittelten Dienst handelte, den Postämtern unterstellt. Der Fernmeldebaudienst und der technische Fernsprechunterhaltungs- und Entstörungsdienst waren in Leitungs- und in Apparatebezirke aufgeteilt, wobei die Leitungsbezirke nur für den Bau und die Instandhaltung des Leitungsnetzes zuständig waren, während die Apparatebezirke Sprechstellen einrichteten (Inneneinrichtungen), Anschlüsse und Leitungen entstörten und die technischen Vermittlungs- und Übertragungseinrichtungen unterhielten. Diese Bezirke unterstanden dabei der Oberpostdirektion, nur kassenmäßig wurde ihr Personal bei den Postämtern geführt. In Kaiserslautern bestanden 1935 zwei Apparatebezirke und ein Leitungsbezirk mit mehreren Bautrupps.

Leiter der Apparatebezirke waren Telegraphenoberwerkmeister, für die Leitungsbezirke Telegraphenbauführer. Bei den Postämtern wurden als Stellenleiter im Fernmeldebetrieb nur Beamte des gehobenen Postdienstes verwendet.

Im Zuge der Umstellung wurde 1935 damit begonnen, auch in Bayern Telegraphenbauämter zu errich-ten, denen außer den Leitungsbezirken, die man sodann als Telegraphenbaubezirke bezeichnete, auch die Apparatebezirke unterstellt wurden. Dabei ist zu beachten, daß damals für den Wortsinn, der heute mit dem Ausdruck “Fernmelde-” verbunden ist, noch “Telegraphen-” als Oberbegriff gebräuchlich war.

Diese nunmehr in Bayern eingeführte Gliederung war wiederum von der im alten Reichspostgebiet üblichen abweichend, jedoch fortschrittlicher als jene. In der Pfalz erhielt das neu einzurichtende Telegraphenbauamt seinen Sitz endgültig in Neustadt a. d. Weinstraße, obwohl man zunächst die zentral gelegene Stadt Kaiserslautern vorgesehen hatte, wo in der zuvor stillgelegten und in Liquidation befindlichen Fahrräder- und Nähmaschinenfabrik Gebr. Kayser geradezu ideale Räume – sogar mit Gleisanschluß – verfügbar gewesen wären. Die Entscheidung für Neustadt hatte aber insofern einen politischen Hintergrund, als damit dem Wunsch der dort etablierten Gauleitung der National- sozialistischen Deutschen Arbeiterpartei entsprochen wurde. Im Zusammenhang mit der Untergliederung wurden aus Gründen der vereinfachter Verwaltung die Verstärkerstelle und der Rundfunksender in Kaiserslautern als je ein Apparatebezirk mit eingegliedert. Gleichzeitig wurden in der Pfalz zu jener Zeit bei den Postämtern Ludwigshafen, Neustadt, Kaiserslautern und Pirmasens Fernsprechanmelde- und -rechnungsstellen gebildet, die diese Dienste von der Oberpostdirektion übernahmen und Beamte des gehobenen Postdienstes als Stellenvorsteher erhielten.

Die Rückgliederung des seit Ende des Ersten Weltkrieges abgetrennten und dem Völkerbund unterstellten Saargebietes im März 1935 wirkte sich auf das gesamte Wirtschaftsleben der Pfalz günstig aus und verstärkte noch den in jenen Jahren deutlich spürbaren Auftrieb, der auftrat, als das Tief Anfang der dreißiger Jahre überwunden war. Kaiserslautern schien sich als bedeutsamer Schwerpunkt in mehrfacher Hinsicht abzuzeichnen, zumal diese Stadt auch Mittelpunkt der neugebildeten politischen Einheit werden sollte. Als 1938 mit dem Bau des Westwalls begonnen wurde, trat durch den um Größenordnungen gestiegenen Gesprächsverkehr und die sprunghafte Vermehrung der Anschlüsse im Grenzraum eine für den gesamten Fernmeldedienst auch unter Anspannung und Aufbietung aller Kräfte kaum mehr zumutbare Belastung auf. Nur durch ständige Höchstleistungen des Personals – (auch an Sonn- und Feiertagen sowie Verzicht auf Urlaub) – und im Verein mit aus anderen Direktionsbezirken beigezogenen Kräften gelang es, vielfach improvisiert, den Anforderungen gerecht zu werden. Das veraltete Fernamt Kaiserslautern wurde in ununterbrochener Tag- und Nachtarbeit nochmals um sechs Fernplätze erweitert. Als der Westfeldzug beendet war, wurde Lothringen an den neu gebildeten Gau Saarpfalz angegliedert und damit der Gau Westmark geschaffen, dessen Regierung und politische Leitung ihren Sitz in Saarbrücken und Metz nahm. Die rein verwaltungsrechtliche noch bestehende Unterstellung der Rheinpfalz unter ihr Stammland Bayern ging dabei in leeren und kaum mehr von außen erkennbaren Formalitäten unter.

Trotzdem hatte sich in Kaiserslautern inzwischen ein Schwerpunkt im pfälzischen Fernmeldenetz gebildet, der weder aufzulösen noch zu verlegen war. Die Belastungen der Westwallzeit und zu Anfang des Krieges hatten erkennen lassen, daß hier im Zentrum der Pfalz nunmehr großzügigere Maßnahmen ergriffen werden mußten, um nachteilige Folgen für den gesamten Bezirks- Fernmeldeverkehr abzuwenden. Beschlossen wurde, beschleunigt ein Verteilfernamt zu errichten, das auf der mittleren Ebene den Bezirks- und überbezirklichen Fernsprechverkehr übernehmen sollte, das Ortsnetz Kaiserslautern auf den Wählbetrieb umzustellen und am Rande der Stadt eine aufnahmefähige und in einem unterirdischen Bauwerk untergebrachte Verstärkerstelle aufzubauen, sowie das Fernleitungsnetz entsprechend darauf auszurichten. Auch der Telegraphenbetrieb sollte durch ein Sternförmiges Zusammenziehen aller Verbindungen in einem bezirklichen Telegraphen- knotenamt in Kaiserslautern modernisiert werden. Um für diese Maßnahmen Raum zu schaffen, wurde der Postdienst, soweit er nach Beziehen des Postneubaues am Bahnhof 1932 noch als Stadtpostamt hier verblieben war, aus dem alten Postdienstgebäude in das ehemalige Stiftsschulhaus gegenüber der Südseite der Stiftskirche verlegt, und das Nachbarhaus Theaterstraße 14 – heute Karl-Marx- Straße 14 erworben, das Eigentum des Arztes Dr. Schmuckert war.

Nachdem ein Postamt mit der Unterstellung eines Fernmeldebetriebes solchen Umfanges überfordert gewesen wäre, aber auch Stellen dieser Art in den Rahmen eines Telegraphenbauamtes nicht gepaßt hätten, wurde im Herbst 1941 damit begonnen, ein selbständiges Fernsprechamt – (im Sinne der Betriebs- und Verwaltungsorganisation) – einzurichten, dem das Verteilfernamt, das Telegraphenknotenamt, der technische Dienst im Ortsnetz Kaiserslautern sowie der Fernsprech- Verwaltungsdienst (Anmelde- und Rechnungsstelle) zugewiesen wurden. Im Landbereich, wie auch hinsichtlich der Verstärkerstelle und des Rundfunksenders blieb das Telegraphenbauamt Neustadt weiterhin zuständig.

Auch der Fernmeldebaudienst im Raum Kaiserslautern hatte sich schon auf die zu erwartenden Anforderungen eingestellt. An Ostern 1936 (11. und 12. April) war durch überaus starken und nassen Schneefall der überwiegende Teil der damals von den Kabelaufführungspunkten am Rande der Innenstadt aus fast ausschließlich oberirdisch geführten Anschlußleitungen gerissen. Kaum 400 Anschlüsse waren noch betriebsfähig. In einem Großeinsatz wurden zunächst die Straßen von herabhängenden Drahtstücken befreit und sogleich, zum Teil nur behelfsmäßig, die Anschlüsse nach ihrer Wichtigkeit wieder hergestellt. Anschließend wurde damit begonnen, das Ortsnetz unterirdisch neu auszubauen. Mit erheblichem Aufwand man Mitteln, Personal und Material war bis in die ersten Kriegsjahre ein Ausbaustand erreicht worden, der lange Zeit genügte und erst in den Jahren nach 1950 wieder einen Mangel an beschaltbaren Kabeladern aufwies.

Mit dem Aufbau der technischen Einrichtungen für den Ortswählverkehr wurde unter der Bauleitung des Telegraphenbauamts 1941 begonnen. Am 20.12.1943 konnten die Ortsvermittlungsstelle mit 3.000 Anrufeinheiten und das Verteilfernamt mit 50 Fernplätzen und rund 200 Fernleitungen dem Betrieb übergeben werden. Aber leider durften sich die Fernsprechteilnehmer in Kaiserslautern, und, soweit es den Fernverkehr betraf, der Pfalz sowie mittelbar auch dort im Reichsgebiet, wo das großzügige Fernleitungsnetz Kaiserslautern genutzt werden konnte, nur kurze Zeit dieses für jene Jahre hervorragenden technischen Fortschrittes erfreuen. Nicht ganz acht Monate später, am
14.08.1944 ging über Kaiserslautern um die Mittagszeit ein großer Luftangriff nieder. Die in Form von Teppichen abgeworfenen Sprengbomben verwüsteten den Stadtkern schwer und schlugen auch in großer Zahl rings um das Gebäude des Fernsprechamtes ein, so daß fast alle dort zusammenlaufenden Fernmeldekabel zerrissen waren. Zuvor schon abgeworfene Brandbomben hatten den Dachstuhl an mehreren Stellen in Brand gesetzt. trotz aller Löschversuche brannte das Gebäude im Obergeschoß restlos nieder. Verhängnisvoll wirkte sich jetzt der Fehler aus, die alten Holzdecken nicht durch Massivdecken ersetzt zu haben. Gegen Abend standen die hinsichtlich Staub und Feuchtigkeit sehr empfindlichen technischen Einrichtungen im Erdgeschoß kniehoch im Schutt und waren durch eingedrungenes Löschwasser schwer beschädigt. Auch die Keller- und damit die Maschinen- und Batterieräume waren mit Schmutzwasser überflutet. Nur die Betondecke über dem Rondell der ehemaligen Schalterhalle, mit der dieser Raum von der Kuppel darüber abgetrennt worden war, um im Obergeschoß zusätzliche Nutzfläche zu schaffen, hatte dem Feuer standgehalten, so daß der darunter stehende Haupt-Leitungsverteiler unbeschädigt blieb. Das Personal hatte sich mit bewundernswertem Eifer und vorbildlichem Mut darum bemüht, das Gebäude zu retten und technische Einrichtungen zu erhalten oder zu bergen, ungeachtet dessen, daß zu Hause die eigenen Wohnungen ausbrannten und man nicht wußte, ob und wie die Angehörigen den Angriff überstanden hatten. Es war zunächst ausgeschlossen und auch zwecklos, die Orts- und Fernvermittlungsstelle wieder in Betrieb nehmen zu wollen. Mit einer schon zuvor im Kellergeschoß aufgebauten kleinen Behelfs-Handvermittlungs-einrichtung wurde ein Notbetrieb für die wenigen Anschlüsse aufgenommen, die im Ortsnetz nach und nach wieder bereitgestellt werden konnten.

Die Bauteile der Wählvermittlungsstelle wurden in den Saal einer Gaststätte auf dem Bremerhof, südlich der Stadt im Wald, gebracht, wo man daranging, sie zu überholen. Später wurden sie nach Mainz abgegeben und dort wieder verwendet. mit den geborgenen und instandgesetzten Fernschränken wurde im großen Quergang der unterirdischen Verstärkerstelle ein behelfsmäßiges Fernamt für den Bezirks- und überbezirklichen Fernsprechverkehr errichtet. Zugleich wurde dort auch wieder ein Telegraphenknotenamt aufgebaut. In den späten Abendstunden des 28.09.1944 erlitt die Stadt einen weiteren schweren Luftangriff, bei dem weitere Teile in Schutt und Asche gelegt wurden, so daß nunmehr rund zwei Drittel der bebauten Fläche zerstört waren. Hinsichtlich des Fernmeldedienstes war dieser Angriff ohne größere Bedeutung. Lediglich im Kabelnetz traten weitere umfangreiche Schäden auf, die aber an der fernmeldemäßigen Situation nicht mehr viel abänderten.

Mitte Dezember 1944 war im Durchgang des zuvor erwähnten Hauptverteilerraumes unter der erhalten gebliebenen Betondecke eine kleinere Handvermittlungsanlage für einen örtlichen Fernsprechdienst in bescheidenem Umfang in Betrieb genommen worden. Es war für das damals dort tätige weibliche Personal sicher nicht leicht, inmitten dieser Ruinen und bei häufigem Luftalarm Dienst zu verrichten und auszuharren. Aber im Gegensatz zu unserer zeit war der nächtliche Nachhauseweg nach der spätabendlichen Ablösung trotz strikter Verdunklung völlig ungefährlich. Aber auch Bedienstete anderer Fachgebiete verdienen erwähnt zu werden. Insbesondere waren es die Kabel- Instandsetzungstrupps, die trotz ganz erheblicher Schwierigkeiten vielfältiger Art und häufig unmittelbarer Lebensgefahr durch Angriffe tieffliegender Jagdbomber, die oft einzelne Zivilpersonen beschossen, immer wieder die laufend beschädigten Bezirks- und Fernkabel im weiteren Umkreis von Kaiserslautern zusammenspleißten.

Der Rundfunksender, der 1933 dem Reichssender Frankfurt als Nebensender zugewiesen worden war, und wegen Wellenmangel auf einer Gleichwelle gebietsweise nur unbefriedigenden empfangen werden konnte, wurde, als der Reichssender Saarbrücken nach der Rückgliederung des Saarlandes errichtet worden war, mit dessen Programm moduliert und arbeitete dann praktisch störungsfrei. Die ursprünglichen Sendeeinrichtungen waren inzwischen mehrmals ersetzt und verbessert worden. In den letzten Kriegsjahren konnte jedoch nur noch mit häufigen Unterbrechungen gesendet werden, weil bei Luftangriffsgefahr stets abgeschaltet werden mußte, um der Feindseite nicht eine Funkanpeilung zu bieten. Bei Feindeinflügen wurde zunächst ein Kuckucksruf als Vorwarnung eingeblendet. Als Ersatz diente zum teil der schon vor dem Krieg eingeführte hochfrequente Drahtfunk, zu dessen Verbreitung das Fernsprechnetz mitverwendet wurde. Als der Luftkrieg sich verschärfte, wurden auf diesem Weg laufend Luftlagemeldungen gegeben und das Rundfunkprogramm als Füllsendung übernommen.

Bei der Besetzung der Stadt Kaiserslautern durch amerikanische Truppen überraschte, daß deren Fernmeldeeinheiten die für die Kriegsführung wichtigen Verstärkereinrichtungen noch an der früheren Stelle im Gebäude des Fernsprechamtes suchten und es ihrer Spionage nicht bekannt geworden war, daß sie schon seit einigen Jahren in einem Bunker am Stadtrand betrieben wurden. Erst drei Tage später ließen sie sich dorthin führen. Der Verfasser sprach in jenen Stunden, als die amerikanischen Truppen gerade Neustadt eingenommen hatten, von einer vorderpfälzischen Wählvermittlungsstelle aus noch ungestört über Fernkabeldienstleitungen mit dem in der Verstärkerstelle Kaiserslautern noch anwesenden Personal. Aber bald danach wurde jeglicher Fernmeldeverkehr vollständig unterbunden.

III
Der Wiederaufbau

Das Kriegsende bedeutete auch für den Fernmeldedienst in Kaiserslautern, wenn man von den noch erhalten gebliebenen Verstärkereinrichtungen und kleinen Vermittlungsstellen im Landbereich absieht, fast ein Wiederbeginn von der Nullinie aus, jedoch unter ganz erheblichen Erschwernissen in jeder Hinsicht. Der Telegraphendienst konnte mit der Beschränkung auf den Dienstverkehr von Behörden im Juli 1945 im kleinen Umfang wieder aufgenommen werden. Erst im November ließ die französische Militärregierung, die nunmehr hier Besatzungsbehörde geworden war, den allgemeinen Telegraphendienst – aber auch mit Einschränkungen und Auflagen – wieder zu. Dafür reichte eine Standverbindung, die Kaiserslautern mit einem in Neustadt behelfsmäßig aufgebauten Telegraphenknotenamt verband, zunächst aus. Wenn dadurch Neustadt überörtliche Bedeutung im Telegraphennetz erhielt, so hing das damit zusammen, daß dort die obere Militärverwaltung für Rheinhessen-Pfalz, die unter französischer Aufsicht tätige Zivilverwaltung der Pfalz und die Oberpostdirektion ihren Sitz hatten. Zu Jahresende durften auch wieder Telegramme durch den Fernsprecher aufgegeben werden, jedoch beschränkt auf Behörden, Industrie und Wirtschaft, sowie nur für die Bereiche der westlichen Besatzungszonen.

Hinsichtlich des telegraphischen Übermittlungsverfahrens war es ein ganz bedeutender Fort- schritt, daß man 1946 aus verfügbaren Teilen einer Wählvermittlungsstelle für den Fernschreibverkehr, der von der Deutschen Reichspost in den Vorkriegsjahren mit weltweitem Vorsprung entwickelt und eingeführt worden war, in Kaiserslautern eine selbsttätige Vermittlungsstelle für den allgemeinen Telegraphenbetrieb erstellt und alles Telegraphenstellen der Pfalz daran angeschlossen hatte. Dieses von der Oberpostdirektion Neustadt eingeführte Verfahren war ein Novum, nicht nur im Bereich der Nachfolgeorganisationen der ehemaligen Deutschen Reichspost. Auch bei keiner anderen Telegraphenverwaltung des Auslandes war eine Parallele dafür vorhanden. Die später gebildete Hauptverwaltung für das Post- und Fernmeldewesen in Frankfurt, der Vorläufer des Bundespostministeriums, sowie auch sodann das Fernmeldetechnische Zentralamt Darmstadt hatten zunächst Bedenken gegen diesen, als Amtswähldienst bezeichneten Betrieb. Zu Anfang der fünfziger Jahre im Bereich der Zentraltelegraphenstellen Frankfurt und Stuttgart begonnene Versuche verliefen aber so überzeugend, daß man sich entschloß, im gesamten Bundesgebiet dieses Verfahren einzuführen, das inzwischen längst in fast ganz Europa üblich ist und auch im Überseeverkehr angewendet wird. Somit wurde Kaiserslautern Ausgangspunkt für einen ganz wesentlichen und bedeutsamen Fortschritt im allgemeinen Telegraphendienst.

Aber auch um die Wiederaufnahme des Fernsprechbetriebs war man nach Kriegsende bemüht. Noch 1945 konnte eine Handvermittlungsanlage für 600 Anschlüsse eingeschaltet werden. Auch wurden einige Fernschränke aufgestellt.

Bei dem zunächst gegebenen geringen Betriebsumfang wäre das Weiterbestehenlassen eines Fernsprechamtes nicht zu vertreten gewesen. Somit geboten die Verhältnisse nach 1945 zunächst die Rückkehr zu der ehemals üblichen Zuständigkeitsverteilung: Betriebsdienst, dem Postamt angegliedert und technischer Dienst, dem Telegraphenbauamt unterstellt. Erst im Frühjahr 1949 hatte der Fernmeldebetrieb wieder einen solchen Umfang erreicht, daß bei dem Postamt zur Entlastung eine fachlich selbständige Abteilung mit der Bezeichnung Fernmeldedienststelle gebildet werden mußte.

Inzwischen war auch wieder ein Verteilfernamt mit 40 Plätzen aufgebaut worden, von denen 30, mit 240 Fernleitungen belegt, im Oktober 1949 eingeschaltet werden konnten. Im folgenden Frühjahr durften die Teilnehmer in Kaiserslautern durch eine zunächst für 1.700 Hauptanschlüsse bemessene Wählvermittlungsstelle wieder sich des selbsttätigen Betriebs erfreuen. Schon zur Zeit der vorhergegangenen Jahreswende hatte man den 1.000 Anschluß auf die inzwischen erweiterte Handvermittlungseinrichtung geschaltet und damit den Teilnehmerstand des Jahres 1919 wieder erreicht. Der Verstärkerstelle war ein französischer Nachrichtenoffizier im Zusammenhang mit der Bereitstellung von Stromkreisen in Fernkabeln für militärische Zwecke zugeordnet worden. Er blieb bis zum Oktober 1951.

Der Rundfunksender mußte nach siebzehnjährigem Betrieb der Deutschen Reichspost, den Auflagen der Militärregierung entsprechend, an den neu gebildeten Südwestfunk übergeben werden.

IV
Das Fernmeldeamt Kaiserslautern

Als in den Jahren nach der Währungsreform der Fernmeldedienst, dem wirtschaftlichen Aufschwung folgend, laufend größeren Umfang annahm, geboten die betrieblichen Verhältnisse, wieder ein besonderes Amt für diesen Dienst im Raum Kaiserslautern zu bilden. Am 31.3.1951 wurde die Fernmeldedienststelle des Postamts Kaiserslautern in ein Fernmeldeamt umgewandelt und ihm der gesamte Fernmeldedienst einschließlich des Überweisungsbereiches (etwa dem jetzigen Bereich der Knotenvermittlungsstelle Kaiserslautern entsprechend) – jedoch ohne den Fernmeldebau- und Kabelentstörungsdienst – unterstellt.

Im Zuge der weltpolitischen Entwicklung wurde Kaiserslautern Schwerpunkt eines Ballungsraums militärischen Charakters. Daraus ergaben sich Wirkungen erheblichen Ausmaßes auf das gesamte öffentliche und wirtschaftliche Leben. Zunächst mußten in kürzester Frist für das Kommando der westeuropäischen Streitkräfte und das Hauptquartier der 12. amerikanischen Luftflotte Verwaltungs- und Betriebsgebäude und für das Personal große Wohnsiedlungen errichtet werden. Hinzu kamen militärische Betriebe, Stellen und Einheiten in großer Zahl, die sich hier niederließen. Eine Baukonjunktur setzte ein, wie man sie nie zuvor gekannt hatte. Die Folgewirkungen griffen tief und weit durch, insbesondere wurden die Verkehrsverwaltungen, aber auch fast alle anderen Behörden in ganz außergewöhnlichem Maße beansprucht und belastet. Das gesamte Wirtschaftsleben profitierte davon. Man sagte damals, in Kaiserslautern habe sich der goldene Westen aufgetan.

Der Fernmeldedienst im Raum Kaiserslautern wurde nunmehr in vielfacher Hinsicht mit umfangreichen und schwierigen Aufgaben konfrontiert. Schwerpunkte dieser Belastung waren der große Bedarf an Fernsprechanschlüssen, der starke Gesprächsanfall und die erheblichen Anforderungen von Kabelstromkreisen für die militärischen Netze.

Die wenigen freien Anrufeinheiten waren sehr bald vergeben. Laufend mußte erweitert werden, was aber trotz allen Bemühens jeweils nur eine wenig zu verkürzende Montagezeit beanspruchte. Mehrere Jahre hindurch mußte eine im Fernamtssaal behelfsmäßig aufgestellte Vermittlungseinrichtung für Handbetrieb dazu dienen, den aufgelaufenen Fehlbestand zu überbrücken. Im Ortsteil Vogelweh, wo eine Amerikanerstadt für 5.000 Wohnungen zu bauen begonnen wurde, konnte im Januar 1953 der erste dringendste Bedarf mit einer in einer Baracke untergebrachten Wählvermittlungsstelle für 400 Anschlüsse befriedigt werden. Zugleich wurde aber auch mit dem Bau eines Massivgebäudes begonnen, das bis Jahresende schon die Einrichtungen für
1.200 Einheiten aufnehmen konnte, deren Erweiterung aber sofort wieder anlief. Ähnlich behalf man sich auch in Ramstein, wo Ende 1953 in einer Baracke 1.000 Einheiten bereitstanden, die dann bei der Umschwenkung auf die endgültigen Einrichtungen im dort errichteten neuen Post- und Fernmeldegebäude verdoppelt wurden.

Der steigende Gesprächsanfall wirkte sich besonders schwerwiegend im handvermittelten Ferndienst aus. schon Ende 1952 wurde die erste Erweiterung des Fernamtes begonnen. Aber gerade hier ließen sich die langwierigen Montagearbeiten kaum schneller vorantreiben, so daß das Vermittlungspersonal auf Jahre hinaus ständig erheblich überlastet war. Mit allen technischen Mitteln und Möglichkeiten wurde daher versucht, den Anteil des Selbstwählferndienstes zu vergrößern, um dadurch das Fernamt zu entlasten. Trotz mancher Behelfslösungen und gelegentlicher Mängel führten diese zielstrebigen Bemühungen dazu, daß die Pfalz im Vergleich dieser Anteile bald an dritter und später sogar zweiter Stelle im Bundesgebiet lag. Schon Ende 1956 war die Zahl der Verkehrsbeziehungen mit Selbstwahl auf über 130 gestiegen. Der absolute Höhepunkt des Fernamtsbetriebs war der Herbst 1955, als 123 Kräfte an 52 Fernvermittlungsplätzen mit mehr als 300 Fernleitungen täglich über 16.000 Fernverbindungen herstellte und dabei für 35 Ortsnetze in der Pfalz den Ferndienst versahen, soweit er nicht schon in den Selbstwählverkehr übergegangen war.

Bis Kriegsende bot das alte Fernkabelnetz der dreißiger Jahre, inzwischen durch Parallelkabel auf anderen Wegen erweitert und zum Teil auf Mehrbandbetrieb umgestellt, immer noch genügend Stromkreise. Den einschneidenden gebietlichen Veränderungen und der Verlagerung der Schwerpunkte nach 1945 konnte es aber auch nicht mehr angepaßt werden. Man begann daher nach dem Wiederanlauf einer geregelten Fernmeldeproduktion damit, ein neues Weitverkehrsnetz zu erstellen. Im Zuge dieser Maßnahme wurde 1950/51 durch die Pfalz in der Ost-West-Richtung Mannheim-Kaiserslautern- Saarbrücken ein zweigleisiges Fernkabel ausgelegt, wobei die Verstärkerstelle Kaiserslautern der Schwerpunkt des pfälzischen Abschnittes wurde. Diese zunächst mit 60 und später 120 Kanälen je Doppelader betriebenen Übertragungseinrichtungen bedingten kürzere Abstände der Verstärkerstellen als bisher, so daß nunmehr jeweils drei unbemannte zwischen Kaiserslautern und den Nachbarverstärkerstellen Mannheim und Saarbrücken anzuordnen waren. Um in der Verstärkerstelle Kaiserslautern Raum für die neuen und weitere hinzukommende Übertragungseinrichtungen zu schaffen, mußte die bisherige veraltete Stromversorgungsanlage in zusätzlich freigemachten Räumen neu aufgebaut werden. Auch die Klimaanlage war den erhöhten Anforderungen nicht mehr gewachsen und wurde ersetzt. Bei diesen schwierigen Veränderungen mußte aber der Betrieb ungestört weiterlaufen. Die Verstärkerstelle glich daher jahrelang einer fernmeldetechnischen Baustelle großen Ausmaßes.

Nachdem in den Nachkriegsjahren Richtfunkverbindungen als zusätzliche Übertragungswege zu den Fernkabeln eingesetzt wurden, mußte auch der Raum Kaiserslautern, seiner Bedeutung als Schwerpunkt entsprechend, Anschluß an dieses neue Netz erhalten. Auf einer geeigneten Höhe nahe bei dem Walddorf Dansenberg, südwestlich von Kaiserslautern, wurde im Frühjahr 1958 begonnen, die Gebäude und einen großen Gittermast für eine Richtfunkstelle erstellen zu lassen. Bis aber die erste Richtfunkstrecke in Betrieb genommen werden konnte, vergingen noch rund zwei Jahre.

In jenen Jahren war das Fernmeldeamt neben vielseitigen und außergewöhnlichen Beanspruchungen auch dadurch in seiner Bedeutung gestiegen, daß ihm laufend weitere Teile der westlichen Hälfte des Oberpostdirektionsbezirks Neustadt hinsichtlich des Fernmeldedienstes unterstellt oder ganze Aufgabenbereiche auf der Bezirksebene zugewiesen wurde. Im Zusammenhang mit der Umstellung des Fernmelderechnungsdienstes auf das Lochkartenverfahren – ein erster Schritt zum späteren vollautomatischen Ablauf – war es unumgänglich geworden, die zuvor bestehenden vier Rechnungsstellen des Bezirks in Kaiserslautern zusammenzuziehen. Schon im Laufe des Jahres 1955 wurde der Rechnungsdienst von Neustadt und Pirmasens übernommen, so daß damals bereits mit rund 50 Kräften für mehr als 30.000 Hauptanschlüsse die Rechnungen erstellt und monatlich annähernd eine halbe Million Lastzettel verarbeitet wurden. im Sommer 1957 war mit dem Übergang der Rechnungsstelle Ludwigshafen die Umstellung beendet.

Nachdem im Januar 1959 Richtlinien wirksam wurden, nach denen die Fernmeldeämter im gesamten Bundesgebiet gleichartig zu gliedern waren, mußten die beiden Fernmeldeämter Kaiserslautern und Neustadt des Oberpostdirektionsbezirks Aufgabenbereiche ausgleichend abgeben und übernehmen, wobei das Fernmeldeamt Kaiserslautern dadurch für seinen Amtsbereich nunmehr auch den Fernmeldebaudienst zu übernehmen hatte.

V
Der große Neu- und Erweiterungsbau

Obwohl der Raumbedarf durch den ständigen Verkehrsanstieg und die Umgliederung sich noch weiter erhöht hatte, war damals noch nicht abzusehen, bis wann ein dringend notwendiger und schon lange vorgesehener Neu- und Erweiterungsbau verfügbar sein würde. Mehrfache erhebliche Korrekturen an den Raumbedarfsermittlungen, bedingt durch die rasch fortschreitende Entwicklung und die Neugliederung sowie sich lange hinziehende Verhandlungen wegen der zu erwerbenden Grundstücke ließen einen baldigen Baubeginn immer wieder fraglich werden. der Ausweg war zwangsläufig der, daß in wachsendem Umfang Räume angemietet werden mußten. Aber nicht nur die Verwaltungsstellen dehnten sich aus, auch die Technik wuchs unaufhaltsam durch den Zugang von Anschlüssen und dementsprechend größerem Gesprächsanfall.

In zunehmendem Maße wurde auch zwingend, die Hauptvermittlungsstelle für den bezirklichen und darüber hinausgehenden Selbstwählferndienst durch ausreichende und moderne Einrichtungen zu ersetzen, nachdem die bisherigen Lösungen immer mehr den Charakter einer Improvisation angenommen hatten. Um hierfür Raum zu schaffen, mußte das Altgebäude freigemacht und bevorzugt umgebaut werden, womit 1961 begonnen werden konnte. Damit waren die Stellen des Amtes in der Stadt auf angemietete Räume in fünf verschiedenen Gebäuden verteilt, die, was ein glücklicher Umstand war, nicht allzuweit voneinander entfernt standen.

Als die Umbauarbeiten im Altbau liefen, begann man zugleich auch das inzwischen in genügendem Umfang arrondierte Grundstück von den kleineren Bauwerken freizumachen, die sich noch darauf befanden, so dem ehemaligen Kutscher- und Stallgebäude des Anwesens Dr. Schmuckert, dem Paket- und Remisenbau des früheren Postamtes sowie einer Bauleitungsbaracke. Im August 1962 konnten die umfangreichen Tief- und Hochbauarbeiten anlaufen, nach Jahresfrist das Richtfest begangen werden. Zugleich hatte sich aber auch, ohne daß es von außen zu bemerken war, im Altbau eine große fernsprechtechnische Baustelle aufgetan. Nachdem inzwischen dort das gesamte erste Obergeschoß zu einem durchgehenden Saal umgestaltet worden war, konnte mit der Montage der neuen Hauptvermittlungsstelle für den Selbstwählfernverkehr der Pfalz, dem bisher umfangreichsten Bauvorhaben dieser Art im Bezirk, begonnen werden. Um aber die hochbaulichen Voraussetzungen dafür zu schaffen, mußten zuvor umständliche und schwierige Bauarbeiten durchgeführt werden, die darin bestanden, die Fundamente zu verstärken und eine über diesen großen Raum gespannte Deckenkonstruktion einzubauen, damit innere Tragwände entfernt werden konnten.

Nachdem das Hauptgebäude, ein siebengeschossiges Hochhaus mit zwei Kellergeschossen, im Rohbau stand, wurde auch sogleich der Erweiterungsbau, an das ehemalige, wiederaufgebaute Schmuckerthaus anstoßend und über das Grundstück Karl-Marx-Straße 16, vormals im Besitz des Erben Wilking, sowie längs der Basteigasse sich hinziehend, in Angriff genommen. Noch im November 1964 konnte dieser Trakt bezogen werden. Untergebracht wurden dort Stellen der Planung und Bauführung sowie des Betriebs des Vermittlungs- und Übertragungswesens und der Linientechnik. In den ersten Februartagen nach der Jahreswende nahm das Postamt I in den Erdgeschoßräumen des Neubaues seinen Dienst auf, nachdem es seit dem Abriß des früheren Stiftsschulhauses, das dem Neubau eines Kaufhauses weichen mußte, in einer Baracke hinter der Stiftskirche untergebracht sehr ungünstig untergebracht war. Damit kehrte dieses Stadtpostamt nach rund einem Vierteljahrhundert wieder auf jenes Grundstück zurück, auf dem es 1890 eröffnet worden war. Stellen des Fernmeldeamtes – Amtsleitung, Abteilungen Verwaltung, Haushalt, Teilnehmerdienste – bezogen in den ersten Aprilwochen die neuen Räume.

Damit war ein nach Umfang und Kosten großer und in der Geschichte des Fernmeldewesens im Raum Kaiserslautern wichtiger Abschnitt abgeschlossen. Gleichzeitig ging damit aber auch die Zeit des handvermittelten Ferndienstes seinem Ende entgegen. Schon 1959 war die postinterne Bezeichnung “Verteilfernamt” – der Einordnung in die mittlere Ebene des Fernsprechverkehrs entsprechend gegenstandslos geworden, nachdem der Anteil der Selbstwählfernverbindungen über 95 v. H. betrug. Die Zahl der von Hand hergestellten Fernverbindungen war aber von 16.000 im Herbst 1955 innerhalb von 10 Jahren auf kaum noch 500 zurückgegangen. Die Auflösung stand unmittelbar bevor.

VI
Der Zeitabschnitt unserer gegenwärtigen Jahre (1986/87)

In den nun folgenden Jahren, die uns in dieser Darstellung hier abschließend in die Gegenwart führen, war die Entwicklung von einem überaus steilen Anstieg der Anschlußdichte geprägt, der in dem in unserer Geschichte bisher beispiellosen wirtschaftlichen Aufschwung und ständig wachsenden Wohlstand begründet war und ist. Mit rund 50.000 Hauptanschlüssen im Ortsnetz Kaiserslautern zu Ende des Jahres 1987 ist eine gewisse Sättigung erreicht, die vermutlich nicht so schnell mehr wesentlich überschritten werden wird. Um diesem Bedarf entsprechen zu können, mußten aus technisch bedingten Gründen am Rande der Kernstadt außer jenem, in Vogelweh schon vorhandenen, noch drei weitere Netzschwerpunkte gebildet und dort Untervermittlungsstellen errichtet werden: Mannheimer Straße neben der Bahnunterführung, Ecke Lauterstraße/Burggraben, und am Ende der Pirmasenser Straße, dieser wegen der Dringlichkeit zunächst als ortsbewegliche Großraumkonstruktion.

In relativ kurzer Zeit machte sich auch in dem Gebäudekomplex Rummelstraße/Münchstraße/Karl- Marx-Straße/Basteigasse schon wieder ein Raummangel bemerkbar, der dazu zwang, die Errichtung eines weiteren Dienstgebäudes in Angriff zu nehmen. Zu Anfang der siebziger Jahre konnte mit Unterstützung der Stadtverwaltung ein entsprechend großes und geeignetes Grundstück auf der südlichen Seite der Pirmasenser Straße im Abschnitt zwischen Stadtpark und Einmündung Königstraße gefunden und erworben werden. Der dort erstellte Neubau wurde 1982 bezogen, nachdem folgende Einrichtungen darin aufgebaut worden waren: eine größere und neuere, mit dem Bildschirmverfahren arbeitende und flächenmäßig auch für die gesamte Vorderpfalz tätige Fernsprech-Auskunftsstelle – nachdem jene mit gleichem Verfahren und Bereich bisher im alten Fernmeldeamtsgebäude betrieben dort nicht mehr erweitert werden konnte – , eine zweite Fernvermittlungsstelle für den Knotenamtsbereich, eine weitere Verstärkerstelle sowie die zuvor erwähnte Fernsprech-Ortsvermittlungsstelle in sodann endgültiger Form. Aber schon 1984/85 war zu diesem Neubau ein Erweiterungs-Bauvorhaben notwendig geworden, um für die vielseitigen technischen Einrichtungen Raum zu gewinnen, die der rasanten Entwicklung auf dem Gebiet des Telekommunikationswesens entsprechend bereitgestellt werden mußten, insbesondere eine neue und größere Vermittlungsstelle für den Fernsprech-Fern- und Weitverkehr, eine Bildschirmtextzentrale sowie Anschluß- und Übertragungseinrichtungen für den Datenverkehr.

In einem Betriebszweig jedoch, dem allgemeinen Telegraphendienst, war die Entwicklung stagnierend und zuletzt sogar rückläufig geworden. Im Jahr 1863 hatte mit ihm in Kaiserslautern das Zeitalter des elektrischen Fernmeldewesens begonnen. Er mußte aber in dem Maße an Bedeutung verlieren, wie im Fernsprechdienst die Anschlußdichte und der bundes- und weltweite Selbstwählfernverkehr zunahmen sowie die Masse der kommerziellen Telegramme über die zahlreichen Fernschreibanschlüsse der Telexnetze fast rund um den Erdball hinweg im Wählverkehr abgesetzt werden konnten. So fand die alte Art der Telegraphie, die man als die klassische bezeichnen könnte, aus betriebswirtschaftlichen Gründen im Frühjahr 1984 hier ihr Ende, wo fast ein halbes Jahrhundert lang eine Haupttelegraphenstelle den pfälzischen Endtelegraphenstellen übergeordnet war, die aber in den letzten Jahren auch aufgelöst werden mußten. Die Telegraphenstelle Mannheim übernahm nunmehr die von und für Kaiserslautern und Umgebung zu bearbeitenden Telegramme.

Der Rückgang und das schließliche Erlöschen dieses ältesten Betriebszweiges war aber von dem Entstehen mehrerer neuer und anderer Fernmeldedienste begleitet, deren Einführung in rascher Folge vollzogen wurde. Für die individuelle Kommunikation befindet sich neben dem auf der Analogtechnik basierenden Fernsprechnetz das integrierte Text- und Datennetz mit digitaler Übertragungsform in ständig raschem Aufschwung und Ausbau. Geboten und benutzt werden können der Teletexdienst zum schnellen Übermitteln von Bürofernschreiben (1 Seite DIN A 4 in 1 Sekunde), der Telefaxdienst zum Fernkopieren in Sekundenschnelle – auch als “Telebrief” im Postdienst -, der Btx-Dienst, der über den Bildschirm Zugriff zu einer großen Masse von Informationen und den Verkehr mit kommerziellen Teilnehmern und Institutionen bietet, sowie die Datenübermittlung, von deren Vielfalt, Umfang, Anwendung und Bedeutung für die fast unübersehbaren Funktionen unserer heutigen Welt sich Außenstehende kaum eine Vorstellung bilden können.

Als weitere neue und umfangreiche Aufgabe kam in den letzten Jahren der Ausbau eines großflächigen Koaxialkabelnetzes hinzu, das mit seiner enormen Frequenzbandbreite geeignet ist, ein vielfältiges Angebot von Fernseh- und Hörfunkprogrammen in bester Bild- und Tonqualität zu übertragen. Ein Vorläufer dieses Verfahrens war der hochfrequente Drahtfunk mit zwei Programmen, der gegen Ende der dreißiger Jahre und während des Krieges über Fernsprechanschlußleitungen – auch von Nichtfernsprechteilnehmern – im Langwellenbereich der Rundfunkgeräte empfangen werden konnte. Damit sollte neben guter Empfangsqualität auch sichergestellt werden, daß bei Senderabschaltungen wegen Einflug feindlicher Flugzeuggeschwader der Rundfunk noch zu hören war. Zum Abschluß dieses verkehrsgeschichtlichen Beitrages sei noch erwähnt, daß jetzt auch der 1960 in Betrieb genommene Fernmeldeturm auf der Höhe 408 östlich von Dansenberg durch einen wesentlich größeren – 133 m statt bisher 44 m – ersetzt wird, nachdem die Plattform des bisherigen voll mit Antennen von Horngestalt belegt sind.

Beim Anblick solcher, auf Bergrücken im Pfälzerwald errichteten Fernmelde-Funkanlagen ist eine merkwürdige Duplizität in dieser Entwicklung zu erkennen. Wo vor fast 200 Jahren über Drehbalkenmaste optisch übertragene Signalbilder Nachrichten weiterleiteten, durchlaufen heute modulierte und strahlenförmig eng gebündelte elektromagnetische Wellen über Richtfunktürme den Luftraum. Wenige Kilometer südlich von Kaiserslautern steht der Richtfunkturm auf dem Hortenkopf, dem Aussichtsturm auf dem Eschkopf ganz nahe gegenüber, an dessen Stelle sich zu Napoleons Zeit ein optische Telegraph befand. Die Idee des genialen Franzosen Chappe ist auf diese wundersame Weise in moderner Form wieder auferstanden.

Quelle: Nachlaß Walter Frenzel, mit freundlicher Genehmigung von Frau Frenzel


Die Post in Kreimbach und Kaulbach

Vom Post- und Fernmeldewesen meiner Heimatgemeinde

I
Das Postwesen

Über die Zeit der Einrichtung der Thurn und Taxis’schen Post durch Kaisers Maximilian I. und die Zeit der französischen Besatzung ab etwa 1794/95 liegen keine näheren Informationen über Kreimbach und Kaulbach vor. Sicher ist nur, das auch die Pfalz durch die Thurn und Taxis’sche Post mitversorgt wurde.
Am 16. Januar 1814 ging nach dem Sturze Napoleons I. die Postverwaltung aus französischer Hand wieder zurück an Thurn und Taxis und Mitte Februar 1814 übernahmen diese auch wieder die postalische Versorgung der Pfalz. Doch schon mit Beschluß vom 18. April 1816 ging die Verwaltung der pfälzischen Postämter und -expeditionen per 1. Mai 1816 in die Administration der Königlich Bayrischen Posten über.
Die Besitznahmen der einzelnen Ämter und Expeditionen wurde durch den als Postbesitznahme- Kommissär Generalpost-Direktionsrat von Wolf aus München durchgeführt. Dieser erreichte am 4. Mai 1816 Speyer und schlug sogleich die bayrischen Hoheitszeichen am dortigen Postverwaltungsgebäude an. Am 20. Mai 1816 wurde auf allerhöchsten Entschluß in Speyer das Oberpostamt eingerichtet. Ihm oblag die Verwaltung aller pfälzischen Posten.

1816 besteht bereits eine Postverbindung von Kaiserslautern nach Lauterecken (zuerst durch Boten, dann als fahrende Post). Mit Einrichtung des Postboten-Institutes zum 01. Oktober 1858 kamen drei Postboten nach Wolfstein. Dort starteten ein- bis zweimal wöchentlich drei Botengänge mit den Umläufen

I) Wolfstein – Roßbach – Relsberg – Hefersweiler – Berzweiler – Seelen – Reichsthal – Rathskirchen – Rudolfskirchen – Nußbach – Reipoltskirchen – Hohenöllen – Einöllen – Tiefenbach – Oberweiler – Wolfstein

II) Wolfstein – Rutsweiler a. L. – Kreimbach – Kaulbach – Frankelbach – Kollweiler – Albersbach – Bosenbach – Jettenbach – Rothselberg -Wolfstein

III) Wolfstein – Hinzweiler – Horschbach – Welchweiler – Elzweiler – Oberweiler i. Tal – Eßweiler – Wolfstein

Zu dieser Zeit wird Kreimbach und Kaulbach somit postalisch von Wolfstein versorgt. Zweimal wöchentlich kam von dort ein Postbote, stellte hier zu und leerte den Dorfbriefkasten (falls vorhanden). Überliefert sind die Namen Fuchs und zuletzt Kirchner.

Die erste Postexpedition in Kreimbach wurde am 16. Januar 1885 eingerichtet. Mit der Einführung der Bahnpost im Lautertal und der gleichzeitigen Abschaffung der Postkutsche errichtete man im Bahnhof Schmeißbach-Kreimbach eine Postagentur, die vom dortigen Bahnhofsvorsteher mitbetreut wurde. Erstmals wird in Verbindung hiermit ein eigener Postbote für Kreimbach und Kaulbach erwähnt. Ludwig Reichrath hatte dieses Amt von etwa 1890 bis 1900 inne. Teilweise trug auch die Frau des Bahnhofvorstehers Moser die Post aus. Weitere Vorsteher mit Tätigkeit als Postagent waren die Herren Diethmar, Zapp und Stobel.
Von 1915 an hält Ludwig Bier das Amt des Postboten inne und begründete somit die Dynastie der “Briefbots” (Familie Bier). Im Jahre 1919 übernahm der Sohn Otto Bier das Postbotenamt von seinem Vater und zugleich auch die Postagentur, die vom Bahnhof Schmeißbach-Kreimbach in das Haus der Familie Bier umzog. Dieser Zustand blieb bis 1948 unverändert. In diesem Jahr übernahm dann die dritte Generation, Ludwig Bier mit Gattin, den Postdienst in Kreimbach und Kaulbach bis in die 1980iger Jahre. Zwischenzeitlich zog die Poststelle noch einmal um. Diesmal nach Kaulbach in die Lautertstraße. Das letzte “Postler- Ehepaar” waren Hans und Christel Scherer aus Rothselberg, die bis kurz vor der Schließung der Poststelle in den späten 1990igern hier ihren Dienst versahen.

Heute wird unser Ort postalisch von der Postverteilstelle Lauterecken aus bedient.

II
Das Fernmeldewesen

Die erste nachrichtentechnische Anbindung erfuhr Kreimbach am 1. Dezember 1883 mit der Einrichtung einer Eisenbahntelegraphenanstalt im Bahnhof Schmeißbach-Kreimbach der neueröffneten Lautertalbahn. Allerdings stand dieser Anschluß nur der dienstlichen Nutzung der Bahnverwaltung offen.

Der erste Fernsprecher in Kreimbach, eine sogenannte “Gemeindliche Öffentliche Telephonstelle” wurde am 17. Juli 1905 in der Schulwohnung des Lehrers Karl Drumm installiert. Hierunter versteht man eine Sprechstelle in gemeindeeigenen oder privaten Räumlichkeiten, die der Öffentlichkeit zur Nutzung zur Verfügung steht.
Beim Apparatetyp dürfte es sich wohl um den Wandapparat EB1892 oder EB1899 in der neueren Version von 1903 gehandelt haben, beides Standard-Apparate der Königlich Bayrischen Posten und Telegraphen.

In Kaulbach verwendete Fernsprecher

Die Sprechstelle in Kreimbach dürfte wohl von Anfang an beim Amt Wolfstein angeschlossen gewesen sein, da dort ebenfalls am 17. Juli 1905 die Umschaltestelle eingerichtet wurde.
Angaben aus einer Quelle, wonach sich vermutlich bereit vor der Jahrhundertwende im Haus des Eisenhändlers Heinrich Weiß in Kaulbach eine Sprechstelle befunden haben soll, können wohl ob als unrichtig bezeichnet werden. Selbst ein direkter Anschluß dieser Sprechstelle an das Amt Kusel wäre in diesem Zeitraum unmöglich gewesen, da dieses erst am 21. September 1900 eingerichtet wurde. Allerdings dürfte dort ab etwa 1910 neben dem Kaulbacher Briefkasten eine “Gemeindlich Öffentliche Telephonstelle” vorhanden gewesen sein, da aus Überlieferungen bekannt ist, daß die Kaulbacher Bürger dort in den 1920er Jahren ihre Gespräche führen konnten. Bei einem Anruf wurde man dann vom Anschlußinhaber gerufen und dieser mußte die Verbindung zum Amt aufbauen, da der “Normalbürger” mit der Bedienung des Apparates nicht vertraut war. Altersbedingt wurde etwa 1940/1942 die Sprechstelle dann vom Hause Heinrich Weiß in das Haus des Landwirtes Karl Theobaldt verlegt. Dort verblieb sie wohl aber nur bis etwa 1943/44. Danach war in Kaulbach keine “Gemeindlich Öffentliche Telephonstelle” (GÖ) mehr vorhanden und es wurde die, in der Poststelle im Hause Bier untergebrachte GÖ auch von Kaulbacher Bürgern genutzt.
Im Laufe der Jahre wurden weitere öffentliche Fernsprecher eingerichtet. Zum einen am Rathaus in Kreimbach, am Dorfplatz in Kaulbach und nach dem Umzug auch wieder in Poststelle Kaulbach.

Im Jahre 1925 gab es in Kreimbach und Kaulbach dann schon mehrere, hauptsächlich gewerbliche Telefonnutzer. Hier eine kurze Übersicht, erstellt aus dem “Berufsverzeichnis sämtlicher Fernsprechteilnehmer der Pfalz” der Deutschen Reichs-Postreklame G.m.b.H., Bezirks-Direktion Ludwigshafen am Rhein mit Stand vom November 1925:

Dieser letzte Eintrag ist im Anhang des Verzeichnisses abgedruckt, was bedeutet, daß der Anschluß zwischen dem Redaktionsschluß des amtlichen Fernsprechbuches und dem 1. Oktober 1925 neu eingerichtet wurde.

 

An der Anschaltung an das Amt Wolfstein änderte sich für ca. 25 bis 30 Jahre nichts. Erst mit Einführung des Selbstwählverkehrs (eigenständige Anwahl der Rufnummer über Wählscheibe) hatte das “Fräulein vom Amt” in Wolfstein ausgedient. Das genaue Datum der Errichtung der Ortsvermittlungs- stellen Wolfstein (06304) und Olsbrücken (06308) konnte bislang noch nicht recherchiert werden. Auch der Grund, warum Kreimbach und Kaulbach an das Ortsnetz Olsbrücken (mit Ausnahme der Schmeißbacher Mühle und des Wallackerhofes) und nicht, wie anzunehmen an das Ortsnetz Wolfstein angeschlossen wurde, ist noch zu ermitteln.

Mittlerweile dürfte nahezu jeder Haushalt in Kreimbach-Kaulbach mindestens über einen Telefonanschluß und viele auch über einen Datenanschluß verfügen. Bereits Ende der 1990iger Jahre wurde die Ortsvermittlungsstelle Olsbrücken digitalisiert, was den letzten großen Entwicklungsschritt in der Fernmeldegeschichte unseres Ortes bedeutete.

Nebenbei sein noch der Umsetzer erwähnt, der sich bei der Gemarkung “Steinerner Mann” befindet. Von dort aus werden Rundfunk-, Fernseh- und Mobilfunksignale in den Talkessel gesendet, in dem Kreimbach-Kaulbach liegt. Errichtet wurde er Mitte/Ende der 1970er Jahre.

Quellen: Christmann/Götz, Kreimbach-Kaulbach – Ein Heimatbuch, sowie mündliche Überlieferungen