Allgemeiner Aufbau des Fernsprechnetzes

Das Fernsprechnetz der Deutschen Bundespost (DBP) bestand aus vier Netzebenen mit

 

  • Obere Fernnetzbene: 8 Zentralvermittlungsstellen (ZVSt)
  • Mittlere Fernnetzebene: 63 Hauptvermittlungsstellen (HVSt)
  • Untere Fernnetzebene: 473 Knotenvermittlunsstellen (KVSt)
  • Ortsnetzebene: 3780 Endvermittlungsstellen (EVSt)

Die Anzahl der Vermittlungsstellen bezieht sich auf das Jahr 1970

 

Die 8 ZVSt waren vollständig miteinander vermascht und die 63 HVSt daran sternförmig angebunden. Die 473 KVSt wiederum waren sternförmig an die 63 HVSt und hieran die 3780 OVSt sternförmig angebunden.

Der Aufbau einer Fernsprechverbindung in genau dieser Struktur nutzte den sogenannten “Kennzahlenweg”. Alternativ gab es auch “Querleitungen” (Ql), welche von der KVSt oder HVSt direkt zur ZVSt, HVSt und KVSt des angerufenen Bereiches führten. Diese Ql wurden nach Bedarf eingerichtet und orientierten sich an regionalen Bedürfnissen.

Der Vorgang eines Verbindungsaufbaus läßt sich anhand einer fiktiven Telefonnummer aufzeigen. Die Telefonnummer dient im Fernsprechnetz als numerischer Code für einen Fernsprechanschluß. Dieser setzt sich zusammen aus der Ortsnetzkennzahl (ONKz) und der eigentlichen Rufnummer des Teilnehmers.

Ortsnetzkennzahl
01234

Rufnummer
4711

Die ONKz setzt sich hierbei aus verschiedenen Ziffern zusammen, welche jeweils eine eigene Bedeutung haben.

 

Ziffer 0 1 2 3 4
Verkehrsaus-scheidungsziffer ZVSt-Bereich HVSt-Bereich KVSt-Bereich EVSt-Bereich
Netzebene

 

 

Verlassen des eigenen Ortsnetzes Obere Fernnetzebene des Angerufenen Mittlere Fernnetzebene des Angerufenen Untere Fernnetzebene des Angerufenen Ortsnetz des Angerufenen

 

Mit der Wahl der Verkehrsausscheidungsziffer “0” verläßt der Anrufer seine eigene Ortsvermittlungsstelle. Durch die Wahl der “1” gelangt er in den ZVSt-Bereich, in dem sich der angerufene Anschluß befindet. Von dort gelangt der Anrufer mit der Wahl der Ziffer “2” in den HVSt-Bereich, von dort mit der Ziffer “3” in den KVSt-Bereich und von dort mit der Ziffer “4” in die eigentliche EVSt des angerufenen. Dort wird dann die eigentliche Rufnummer “4711” ausgewertet und somit die Verbindung mit dem Anschluß des Angerufenen hergestellt.
Über die oben erwähnten Querleitungen kann dieser Verbindungsaufbau abgekürzt werden. Hierzu sind auf Anruferseite in der KVSt Knotenrichtungswähler und in der HVSt Hauptrichtungswähler vorhanden, welche über Querleitungen mit dem Hauptgruppenwähler in der ZVSt, dem Knotengruppenwähler in der HVSt und dem Endgruppenwähler in der KVSt auf der Seite des Angerufenen verbunden sind. So können bestimmte Netzebene umgangen werden.

 

Quellen:
Bundesministerium für das Post- und Fernmeldewesen: Handwörterbuch des elektrischen Fernmeldewesens, Bundesdruckerei Berlin 1970
DPG: Handbuch für den mittleren fernmeldetechnischen Dienst, DPG Frankfurt 1965
Gerd Siegmund: Technik der Netze, 4. Auflage, Hüthig Heidelberg 1999, ISBN 3-7785-2637-5